Dagmar von Gersdorff – Goethes Mutter - Eine Biographie - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
Aviva-Berlin .
.
P
R
.
.

Happy End AVIVA_gegen_AFD
Aviva-Berlin > Literatur
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   Jüdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Romane + Belletristik
   Biographien
   Jüdisches Leben
   Sachbuch
   Graphic Novels
   Art + Design
   Lesungen in Berlin
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 
  Hier suchen, oder zur Sucheseite!


AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook
 


AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2017




Happy Birthday AVIVA




Gleichstellung weiter denken. Ein Leitbild für das Land Berlin

Gleichstellung weiter denken
Mehr Infos unter:
www.gleichstellung-weiter-
denken.de



<< Kleine Suche
Nutzen Sie gern unsere Suche in größerer Schrift!

TIPP: über den Zurück-Button Ihres Browsers kommen Sie erneut zur Suche.




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 08.10.2008

Dagmar von Gersdorff – Goethes Mutter - Eine Biographie
Silvy Pommerenke

Catharina Elisabeth Goethe, geborene Textor, hat nicht nur einen weltberühmten Sohn gehabt, sondern vor allem ein selbstständiges Eigenleben geführt, wie die Biografin anhand von...



...Briefen, Korrespondenzen und vor allem bislang unerschlossenen Haushaltsbüchern rekonstruiert hat.

Bereits 2001 veröffentlichte die Germanistin von Gersdorff diese Biografie, die anlässlich des zweihundertsten Todestages von Goethes Mutter zum 13. September 2008 erneut herausgegeben wurde. Die ungewöhnlichen Forschungsergebnisse sind auch noch sieben Jahre nach der Ersterscheinung beeindruckend, unter anderem, weil der Mythos Goethe stellenweise dekonstruiert wird. Aus dem großen Dichter und Denker, der einer ganzen Epoche (s)einen Namen gibt, wird ein unangepasster Sprössling, den die Eltern antiautoritär erziehen, und der mit dem Briefroman "Werther" 1774 einen überraschenden Bestseller schreibt. Wie verstörend allerdings, einen Brief von Sophie von La Roche zu lesen, in dem sie über Goethe notiert: "Edelmütigkeit, Seelengröße, Weisheit und Güte [...] seien nur in den Schriften zu finden, nicht im Menschen." Vernichtende Worte, die allerdings dadurch untermauert werden, dass der Sohn, trotz der engen Mutterbindung, es kaum für nötig hielt, Besuche in seiner Heimatstadt abzustatten.

Catharina Elisabeth Textor, geboren am 19. Februar 1731, heiratet als Siebzehnjährige den mehr als zwanzig Jahre älteren Johann Caspar Goethe, allerdings "ohne bestimmte Neigung". Eine Liebesheirat war es also nicht. Dennoch kam ein Jahr nach der Hochzeit Sohn Johann Wolfgang zur Welt, der rasch den Spitznamen "Häschelhans" bekam. Insgesamt sieben Kinder gebar Elisabeth, von denen allerdings nur zwei das Erwachsenenalter erreichten. Aber auch die zweitgeborene Tochter starb mit noch nicht einmal dreißig Jahren. Das waren herbe Verluste im Hause Goethe, die sich unter anderem in den Ausgabenbüchern widerspiegeln. Diese wurden akribisch vom Ehemann geführt, und später, nach seinem Tode, mindestens ebenso akribisch von der jungen Witwe weitergeführt wurden.

Als Goethe, statt den vorgedachten Berufsweg seiner Eltern einzuschlagen, seinen Briefroman "Die Leiden des jungen Werther" publiziert, wird er mit einem Schlag berühmt, und mit ihm seine Mutter. Sie führt plötzlich ein völlig anderes gesellschaftliches Leben, ist eine öffentliche Person, die von LiteratInnen, MusikerInnen und Theaterleuten aufgesucht wird, und die sich gerne mit jungen Menschen umgibt. Sie bewirtet unzählige Gäste, wird von hochgestellten Persönlichkeiten aufgesucht, pflegt innige Freundschaften - beispielsweise zur weimarischen Herzogin Anna Amalia - und man ist an ihrem Literatur- und Theaterurteil interessiert.

Der Schlaganfall und Tod ihres Mannes verändert 1782 das Leben von Elisabeth ein zweites Mal, die von FreundInnen liebevoll Frau Aja genannt wird, denn zum ersten Mal fühlt sie sich frei und lebendig. Vor allem, als sie den Schauspieler Carl Wilhelm Ferdinand Unzelmann kennen lernt und damit die glücklichsten Jahre ihres Lebens beginnen. Zwar riskiert sie einen gesellschaftlichen Skandal, da Unzelmann verheiratet und sie zwanzig Jahre älter ist, aber scheinbar hat sich Elisabeth nicht darum geschert. Auch dass ihr Sohn in wilder Ehe mit seiner Hausangestellten Christiane Vulpius lebt und einen unehelichen Sohn hat, sorgt nicht für den großen Eklat, den man bei solch einer Mesalliance hätte erwarten können. Dennoch ist sie froh, als ihr Sohn 1806 den Bund der Ehe mit Vulpius eingeht.

In Elisabeths letztem Brief, den sie am 28. August 1808 an Bettine Brentano schreibt, resümiert sie: "Ich hab gewonnen Spiel, denn in diesem Jahr zähl ich 76 jahr und hab also den Becher der Mutterfreude bis auf den letzten Tropfen geleert, mir kann nicht Unglücks-Schicksal aufgeladen mehr werden." Catharina Elisabeth Goethe stirbt am 13. September 1808 in der Anwesenheit ihres Neffen. Der Sohn Wolfgang findet nicht den Weg zum Begräbnis und zeichnet sich damit einmal mehr durch seinen "rigorosen Egoismus" - so Gersdorff - aus.

Weiterlesen: Annette Seemann "Anna Amalia. Herzogin von Weimar" und "Frauen um Goethe" von Astrid Seele

Zur Autorin: Dagmar von Gersdorff, Dr. phil., wurde 1938 in Trier geboren. An der Freien Universität Berlin studierte sie Germanistik und Kunstgeschichte, ihre Promotion schrieb sie über den Einfluss der deutschen Romantik auf Thomas Mann. Heute lebt sie als Literaturwissenschaftlerin und Schriftstellerin in Berlin. Mitglied des Internationalen PEN. (Quelle: Verlagsinformationen)

AVIVA-Tipp: Die Germanistin Dagmar von Gersdorff hat anhand von Briefen, Korrespondenzen und zahlreichen Haushaltsbüchern einen nahezu lückenlosen und detaillierten Blick auf Catharina Elisabeth Goethe möglich gemacht, der diese zum Leben erweckt und vor allem eines verdeutlicht: auch wenn sie schon zu Lebzeiten Mutter eines der prominentesten deutschen Literaten war, so führte sie dennoch ein eigenständiges und autonomes Leben: jenseits der damaligen gesellschaftlichen Normen. Sie wurde von ihrer Umwelt hoch geschätzt, zeichnete sich durch Großzügigkeit aus, war eine großartige Geschichtenerzählerin und auf ihr Urteil in der Literatur- und Theaterwelt wurde großer Wert gelegt. Ein ungewöhnliches Frauenleben des 18. Jahrhunderts!

Dagmar von Gersdorff
Goethes Mutter – Eine Biographie

Insel Verlag, Sonderausgabe erschienen August 2008
Gebunden, 464 Seiten
ISBN: 978-3458171348
9,90 Euro

Literatur Beitrag vom 08.10.2008 Silvy Pommerenke 

   




   © AVIVA-Berlin 2017  
zum Seitenanfang suche sitemap impressum home Seite weiterempfehlenSeite drucken