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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 20.01.2009

Blutspuren - Rutu Modan
»Nana« Nicole Wenger

Lieben, Leben und Sterben in Tel Aviv ... diesen und anderen brisanten Themen geht die brillante israelische Künstlerin Rutu Modan in ihrer emotionsgeladenen Graphic-Novel auf den Grund.



Es ist selten ein gutes Zeichen für Israelis, wenn sie einen Anruf aus dem Hauptquartier der Armee erhalten. Und so schwant auch dem jungen Taxifahrer Kobi Franco nichts Gutes, als er ausdrücklich zu einer Einzelfahrt ins IDF beordert wird. Dabei wünscht er sich doch nichts sehnlicher als in Ruhe nach Hause zu fahren und sein geregeltes Leben zu führen.
Kaum angekommen, wird er von einer jungen Soldatin beiseite genommen. Sie stellt ihm ominöse Fragen nach seinem Vater, zu dem er schon seit Jahren keinen Kontakt mehr hat, und den er regelrecht aus seinem Leben verdrängt hat. Trotz aller Abwehrreaktionen Kobis, lässt die junge Frau einfach nicht locker.

"Erinnerst Du Dich an den Anschlag in Hadera vor drei Wochen?" – "Hadera? Du meinst Haifa." – "Nein, nicht der im Restaurant. Der in der Cafeteria am Busbahnhof."

Wenige EuropäerInnen können sich wirklich vorstellen, wie allgegenwärtig Anschläge und Selbstmord-Attentate für Israelis sind. So reagiert Kobi aufgrund seiner persönlichen Familiengeschichte – seine Mutter Aviva verstarb bereits vor Jahren an einer schweren Krankheit – wie auch aufgrund der politischen Situation in seinem Land - sein Cousin wurde im Libanon getötet – äußerst distanziert. Auch als ihm die junge Frau von ihrem Verdacht berichtet, es könne sich bei einem der nicht identifizierten Toten um seinen Vater Gabriel handeln, scheint es ihn vordergründig nicht besonders tief zu erschüttern. Schließlich hatte er seit einem Streit mit seinem Vater keinen Kontakt mehr, und dessen plötzliches Verschwinden erscheint Kobi nicht allzu ungewöhnlich. Doch so ganz lässt ihn die Sache doch nicht in Ruhe, und er beginnt Erkundigungen einzuziehen. Als er in der völlig verwahrlosten Wohnung auch noch einen Liebesbrief findet, und weitere Nachforschung die junge Soldatin als die Briefschreiberin entlarven, wird Kobi skeptisch. Es stellt sich die Frage, ob dem Vater wirklich etwas zu gestoßen ist, oder ob sich seine junge Geliebte Numi in eine fixe Idee verrannt hat.

Trotz aller Hindernisse und aus den unterschiedlichen Motivationsgründen stellen Kobi und Numi ihre Nachforschungen an, bei denen sich vielschichtige gesellschaftliche Probleme wie auch Einzelschicksale offenbaren, die trotz individueller Prägungen eng mit der Krise Israels verwoben sind.
Es beginnt eine Suche nach dem Unbekannten, dem Vater, dem Geliebten und nach dem Sinn des eigenen Lebens. Dabei tauchen Fragen auf, die nicht nur das mysteriöse Verschwinden des Vaters oder die Identität und das Schicksal des unbekannten Toten betreffen.
"Blutspuren" wurde in Frankreich mit dem Prix Info 2008 ausgezeichnet und ist außerdem in Spanien, Frankreich, Italien und England erschienen.

Weiterlesen: "CARGO - Comicreportagen aus Israel-Deutschland"

Weitersehen: "Persepolis" von Marjane Satrapi und "Waltz with Bashir" von Ari Folman.

Zur Autorin:: Rutu Modan wurde 1966 in Tel Aviv geboren, wo sie lebt und als Comicautorin und Illustratorin arbeitet. Nachdem sie die Bezalel Academy of Art and Design in Jerusalem erfolgreich abgeschlossen hatte, begann sie regelmäßig Comic-Strips und Geschichten in führenden Zeitungen Israels zu veröffentlichen. Außerdem war sie Mitherausgeberin der israelischen Ausgabe vom "MAD-Magazine". Rutu Modan ist in Israel und im Ausland auch als Illustratorin und Texterin für Magazine und Bücher tätig, inklusive "New York Times", "New Yorker" und "Le Monde". (Quelle: Verlagsinformationen)

AVIVA-Tipp: "Blutspuren" ist ein hervorragender, fesselnder und vor allem vielschichtiger Comic. Seine brillante Zeichen-Sprache verwebt die fast unaussprechlichen Themen wie Terror und Tod, die Motive von Gewalt und Liebe sowie die Bereiche Geschichte und Politik miteinander. Das Wechselspiel von Vordergründigem und Hintergründigem, wie es z.B. in dem Bild eines zum Mahnmal umfunktionierten Cola-Automaten sichtbar wird, kreiert dabei eine unglaubliche novellistische Intensität, bei der weder die Liebe noch der Humor zu kurz kommen.

Rutu Modan
Blutspuren

Übersetzung aus dem Hebräischen von Barbara Linner
Edition Moderne, September 2008
Broschiert 166 Seiten
ISBN: 978-3037310359
28,00 Euro

Literatur Beitrag vom 20.01.2009 AVIVA-Redaktion 

   




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