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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 28.01.2009

Maria Höhn - Amis, Cadillacs und »Negerliebchen«
»Nana« Nicole Wenger

1952 erklärte der deutsche Bundestag auf Drängen vieler CDU-Abgeordneter einige Landkreise in Rheinland-Pfalz zum "sittlichen Notstandsgebiet". Viele Bundestagsabgeordnete zeigten sich angesichts ...



... des moralischen Verfalls in diesen Krisenregionen regelrecht bedroht. Doch von wem und was ging diese Bedrohung aus? - Kommunismus? Stalinismus? Welche Gebiete waren davon akut betroffen? – Berlin?

Keineswegs! Bei den so genannten "Krisengebieten" handelte es sich um Landkreise wie Birkenfeld oder Kaiserlautern. Die Entstehung der US-Armee-Stützpunkte sollte nicht nur dort die wirtschaftliche, kulturelle und gesellschaftliche Entwicklung dieser Regionen in der BRD der fünfziger Jahre nachhaltig prägen. Die amerikanischen Truppen brachten nicht nur Schokolade, Blue Jeans, Jazz, Rock`n Roll oder den amerikanischen "way of life" in die deutschen Wohnzimmer.

Im Zuge der US-Stationierung in den jeweiligen Garnisonen entstanden zwar hunderte von Arbeitsplätzen aber eben auch Tanzcafés, Varietes und vieles mehr. So waren es die sogenannten "Negerbars" - die von "jüdischen Barbesitzern" geführt und von "Negerliebchen und schamlosen Fräuleins" besucht wurden - die in das Fadenkreuz des weißen deutschen Tugendschutzes gerieten. Kleinstädte wie Baumholder wurden zum "Epizentrum der Unmoral" stigmatisiert, und die westdeutsche und union-christlich geprägte Politik sah sich daraufhin veranlasst, Strategien zur "moralischen Aufrüstung" zu entwickeln und zu den Traditionen des "christlichen Abendlandes" zurückzufinden.

Es waren die (un-ehelichen) Beziehungen zwischen deutschen jungen Frauen und schwarzen US-Soldaten sowie die afro-deutschen Kinder, die aus diesen Beziehungen hervorgingen, welche die gesamte Bundesrepublik in helle Aufruhr versetzte. Gesetzes-Entwürfe und Fürsorge-Programme, die in dieser Zeit eingebracht und umgesetzt wurden, zeugten von einer politischen wie geistigen Haltung, die zutiefst erschütternd war und auch heute noch den Umgang mit schwarzen Deutschen bestimmen.

Maria Höhn untersucht und seziert in ihrer wissenschaftlichen Analyse das Verhältnis zwischen Deutschen und US-Soldaten zu Beginn der fünfziger Jahre in Rheinland-Pfalz, die Auswirkung der Jim-Crow Traditionen der "Rassentrennung" in den Militärstützpunkten, den Fortbestand von Antisemitismus, Nationalismus und die Stigmatisierung des "Fremden" und des "Anderen". In Höhns Untersuchung wird dabei sehr deutlich, dass es bei all diesen Sittlichkeitsbestrebungen, den Ehestandsgesetzen, der Kriminalisierung von Prostitution und "Kuppelei" im Wesentlichen darum ging, der Emanzipation der Frau entgegen zu wirken und die Dominanz über sie aufrecht zu erhalten.

Weiterlesen: "Fräuleins und GIs" von Annette Brauerhoch oder "Mythen, Masken und Subjekte" von Maisha Eggers, Grada Kilomba, Peggy Piesche und Susan Arndt.

Weitersehen: "Lulu und Jimi" von Oscar Roehler

Zur Autorin: Maria Höhn, geboren und aufgewachsen in Rheinlandpfalz, lebt seit 1983 in den Vereinigten Staaten. 1991 schloss sie ihr Studium der Geschichte an der Millersville University ab und widmete sich fortan ihren Studien zur zeitgenössischen deutschen Geschichte, der europäischen Kultur- und Frauengeschichte. Maria Höhn hat sich in zahlreichen Vorträgen und Veröffentlichungen in den USA und Deutschland mit den Themen wie der Amerikanisierung, der deutschen Geschlechterpolitik nach dem Krieg, dem deutschen Rassismus und Antisemitismus der Nachkriegsjahre beschäftigt. Sie war auch an zwei deutschen Fernsehproduktionen beteiligt, welche die Auswirkungen der US-Stationierungen in Westdeutschland auf die einheimische Bevölkerung analysierten. Maria Höhn ist Professorin für Geschichte am Vassar College in Poughkeepsie (New York). (Verlagsinformationen)

AVIVA-Tipp: Hinter dem etwas verstörenden Titel des Buches verbirgt sich eine wissenschaftliche Arbeit und eine Sammlung wertvoller historischer Dokumente der Nachkriegsgeschichte. Maria Höhn hat dabei ein Geschichts- und Nachschlagewerk geschaffen, das für die (afro-)deutsche Geschichte unverzichtbar ist!

Maria Höhn
Amis, Cadillacs und "Negerliebchen"

Aus dem Amerikanischen von Karolina May-Chu
Verlag für Berlin-Brandenburg, Oktober 2008
Hardcover 396 Seiten
ISBN: 978-3-86650-264-2
24,95 Euro

Literatur Beitrag vom 28.01.2009 AVIVA-Redaktion 

   




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