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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 15.02.2009

Ellen Ismail - Sudaniya. Frauen aus Sudan
Claire Horst

"Freiheit ist ein Wort, das sich nur auf Männer bezieht". Dieses Zitat einer jungen Frau ist beispielhaft für die Aussagen der Sudanesinnen, die Ellen Ismail für ihr Buch über Frauen im Sudan ...



... interviewt hat. Die promovierte Ethnologin lebte über 20 Jahre in dem afrikanischen Land. Sie setzt sich seit Jahrzehnten für die Bekämpfung der weiblichen Beschneidung ein und hat im Sudan mehrere Frauenprojekte mitbegründet.

Ismail hat 1989/90 und 2007/08 mit fast 30 Frauen über das Leben im Sudan gesprochen. Die Gespräche verdeutlichen vor allem eins: Trotz ihrer sehr unterschiedlichen Lebensumstände sind alle Frauen dem traditionellen Rollenverständnis des Sudans, unterworfen. Eine große Rolle spielt in den Gesprächen die körperliche Unterdrückung, die in der so genannten weiblichen Beschneidung (eigentlich einer Genitalverstümmelung) zum Ausdruck kommt. Im Norden des Landes sind fast 90 Prozent der Frauen auch heute noch beschnitten.

Die patriarchale Struktur drückt sich in allen Lebensbereichen aus. So können Männer im Sudan bis zu vier Frauen heiraten – unabhängig von ihrer Religion. Viele Frauen berichten Scheidungen des Mannes, damit er eine jüngere dazunehmen kann. Scheidung ist zwar auch Frauen erlaubt, jedoch haben sie dann keinen Anspruch auf ihre Kinder und verlieren ihren gesellschaftlichen Status.

Neben der Beziehung von Frauen und Männern untersucht Ismail auch die Rolle von Traditionen wie dem Zar, einer Zeremonie, an der nur Frauen teilnehmen dürfen. Die befragten Frauen stellen Zar als eine Art Gruppentherapie dar, bei der Frauen tanzen, singen und sogar Alkohol trinken und rauchen können, eine sonst unvorstellbare Freiheit. Eine Frau formuliert es so: Der Za erlaubt es den Frauen, sich wie Männer zu bewegen.

In den Interviews wird auch deutlich, dass es im Sudan eine gebildete weibliche Oberschicht gibt – Frauen, die eine Universität besucht und eine qualifizierte Stelle haben. Der Vergleich mit den Gesprächen von 1989 zeigt, dass die Stellung der Frauen sich verbessert hat, wenn auch nur minimal.

Wie die Autorin im Vorwort bemerkt, ist die Auswahl ihrer Gesprächspartnerinnen keineswegs repräsentativ für die Bevölkerungsstruktur des Sudans – sie hat vor allem mit Städterinnen und mit überproportional vielen Akademikerinnen gesprochen. Trotzdem zeigt sich eine große Bandbreite von Denkweisen. Für einige Frauen ist der Kampf um Gleichberechtigung selbstverständlich, während andere davon überzeugt sind, dass Männer und Frauen von Natur aus unterschiedlich seien.

Die befragten Frauen sprechen sehr offen über ihre Einstellung zu der Gesellschaft, in der sie leben. Die Leserin erfährt sehr viel über eine Lebenswelt, die in Deutschland fast unbekannt ist. Hintergrundinformationen zur Geschichte und Kultur des Landes bietet die Autorin im ersten Teil des Buches, einer Einführung in verschiedene Aspekte der Gesellschaft des Sudans, etwa Familienstrukturen, Religionen und Menschenrechtslage. Hier wird die Auseinandersetzung zwischen westlichen und orthodox-islamischen Einflüssen deutlich, die oft auf dem Rücken der Frauen ausgetragen wird.

In diesem Teil wird auch das Bildungssystem des Landes dargestellt. Ein kaum bekanntes Thema sind die "Frauen des Widerstands", die bereits seit den vierziger Jahren für Frauenrechte im Sudan gekämpft haben. Die Organisation "Sudanese Women`s Union", die sich seit 1951 für Frauenrechte einsetzte, wurde unter der jetzigen Militärregierung verboten. Ismail stellt die heutige Situation, in der Frauen in allen Lebensbereichen, bis hin zu ihrer Bekleidung, strengen Gesetzen unterworfen sind, der historischen Vergangenheit gegenüber und berichtet von der großen Macht der Königinnen der Nilkönigreiche.

Zur Autorin: Ellen Ismail promovierte in Ethnologie, Afrikanistik und Anglistik an der Universität zu Köln. Sie lebte mehr als 20 Jahre im Sudan, lehrte und forschte an der University of Khartoum und war in der Entwicklungshilfe im Sudan tätig. Seit 1979 engagiert sie sich für die Bekämpfung der weiblichen Beschneidung. Ellen Ismail ist mit einem sudanesischen Musikethnologen verheiratet und Mutter von drei Kindern. (Quelle: www.ellen-ismail.de)

AVIVA-Tipp: Insgesamt bietet das Buch umfangreiche Informationen über das Leben von Frauen in einem Land, das zumeist nur aus der Kriegsberichterstattung bekannt ist. Spannend und oft sehr berührend wird es durch die persönliche Erzählweise der einzelnen Frauen. Ein kleines Manko sind die manchmal stark verallgemeinernden Bemerkungen und die zahlreichen Wiederholungen im Theorieteil.

Ellen Ismail
Sudaniya - Frauen aus Sudan

Peter Hammer Verlag, überarbeitete Neuausgabe, September 2008
Broschiert, 250 Seiten, mit Fotos
ISBN 978-3-7795-0203-6
19,90 Euro

Literatur Beitrag vom 15.02.2009 Claire Horst 

   




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