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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 07.06.2011

Mary Ann Caws - Pablo Picasso. Ein Porträt
Tatjana Zilg

Die Grande Dame der Surrealismusforschung ermöglicht neue Blickwinkel auf Leben und Werk des Maler-Genies durch die Reflexion seiner vielgestaltigen Freundschaften zu ZeitgenossInnen wie dem ...



... Dichter Max Jacob aus der Pariser Bohème und seiner Beziehungen zu außergewöhnlichen Frauenpersönlichkeiten wie den Künstlerinnen Dora Maar, Fernande Olivier und der russischen Balletttänzerin Olga Khokhlova.

Viele weitere berühmte Namen fallen im Laufe der acht Kapitel, darunter George Braque und Henri Matisse, Guillaume Apollinaire, Jean Cocteau, André Breton und Paul Éluard, aber auch weniger bekannte Namen wie Carlos Casagemas, einer von Picassos ersten und besten Malerfreunden, der einen tragischen frühen Tod starb.

König - nicht nur des Kubismus

Als "Nomade im Reich seiner eigenen Malerei" bezeichnet Mary Ann Caws Picasso und spielt damit auf die Leichtigkeit an, mit der er mit unterschiedlichen Stilrichtungen jonglierte, selbst den Kubismus als solche erfand, immer wieder zu naturalistischen Malweisen zurückkehrte und im Spätwerk Bezug auf ausgewählte klassische Meister nahm. Und dies alles beeindruckend mühelos und ohne Scheu, denn der gebürtige Spanier sprühte Zeit seines 92jährigen Lebens vor Selbstbewusstsein, wodurch ihm bald das Attribut eines Exzentrikers zugeschrieben wurde. Kein Wunder, dass einer seiner berühmtesten Zitate "Yo soy el rey" - "Ich bin der König" lautet. Als fern der Bescheidenheit wird er beschrieben, zuweilen auch grausam durch seinen (für einen Künstler seiner Epoche nicht untypischen) Selbstbezug, aber ebenfalls von großzügigem Charakter. So schildert Caws an zahlreichen Stellen, wie er, der schnell von seiner Kunst gut leben konnte, seinen weniger begünstigten Freunden in finanziellen Notlagen aushalf. Auf der anderen Seite vermied er nach dem Bruch mit Olga Khokhlova die Scheidung, um sein Vermögen nicht mit ihr teilen zu müssen. Auch Konflikte mit seinen vier Kindern verhärteten die Fronten, so dass im Erwachsenenalter wenig Kontakt zu ihnen bestand.

Zwei wichtige und legendäre Austragungsorte der Geschehnisse in Caws Biografie sind das Café Els Quatre Gats in Barcelona, in welchem er insbesondere von 1898 bis 1903 ein- und ausging, sowie das Pariser Wohn- und Atelierhaus Bateau-Lavoir, wo er in Nachbarschaft zu Max Jacob und vielen anderen Bohème-KünstlerInnen von 1904 bis 1909 lebte. Dort entstand auch ab 1906 eines seiner kunsthistorisch wichtigsten Werke, "Demoiselles d´Avignon".

Kunstwerke - betrachtet im Netzwerk der sozialen Beziehungen

Caws weist in ihrer Einleitung daraufhin, dass sie ihre Schwerpunkte subjektiv gesetzt hat und ihr Ziel nicht darin bestand, dem gesättigten Markt eine weitere chronologische Picasso-Biografie hinzuzufügen. Stattdessen nähert sie sich dem Wesen von Picasso und seiner Kunst durch die detaillierte Reflexion seiner Beziehungen zu den Menschen, die ihm wichtig wurden und bzw. oder für die er wichtig war an. Dennoch kommen seine Werke keinesfalls zu kurz, denn sie bindet geschickt Bildbetrachtungen und einen Überblick über deren kunstwissenschaftliche Deutungen ein. Besonders erhellend sind die Passagen, an denen das jeweilige soziale Umfeld seiner aktuellen künstlerischen Entwicklung gegenübergestellt werden. So sind etliche der besprochenen Werke Portraits von Freunden, Geliebten und FörderInnen. Auch, wie die Menschen aus seinem Leben zur Inspiration für viele seiner weiteren Werke wurden, zeigt Caws anschaulich auf.

Ein Glanzpunkt sind die sorgsam und pointiert ausgewählten Zitate, die authentisch in glorreiche vergangene Tage versetzen und die Wechselwirkung von Picassos Genie und seinen Mit- und GegenspielerInnen prägnant verdeutlichen.

Eine wichtige Rolle kommt naturgemäß den KunsthändlerInnen und GaleristInnen zu, unter denen sich in der Frühzeit die berühmte Amerikanerin Gertrude Stein vehement für Picasso engagierte und die ersten Wegsteine für seinen kommerziellen Erfolg legte. Unter den Frauenpersönlichkeiten, die im Buch vorgestellt werden, wird sie für die LeserInnen am meisten plastisch. Über Picassos Geliebte und Ehefrauen würde frau dagegen gerne noch mehr erfahren, als Caws ihnen innerhalb ihrer Ausführungen Raum gibt.

"Wenn man die wohlbekannten Fakten aus Picassos Leben erzählt, erzählt man zugleich, wie das Jonglieren mit all diesen Objekten und Lieben und Stilen auf ganz eigene Weise eine Kunst schuf, die von einer vollkommenen, wenn vielleicht auch rätselhaften Kohärenz ist und die sich auf eine große Zahl von Feldern und Personen bezieht, ganz dem entsprechend, was die amerikanische Schriftstellerin und Kunstsammlerin Gertrude Stein so treffend seinen ´emotionalen Sprung und Mut´ genannt hat", beschreibt Mary Ann Caws selbst ihren Ansatz.

Teils gerät dies auch zum Nachteil, wenn sie sich an einigen Stellen in einer Anhäufung von Details verfängt, die verwirrend wirken, und zu in vorangegangenen Kapiteln als bereits abgeschlossen dargestellten Freundschaften zurückspringt, um diese erneut einzuführen.

AVIVA-Tipp: Wer schlendert nicht gerne durch eine Picasso-Ausstellung. Mit den Schilderungen von Caws im Hinterkopf macht dies umso mehr Spaß und Sinn, denn nun werden die Bilder noch lebendiger und verbleiben nicht in der Einordnung kubistischer, dadaistischer und surrealer Einflüsse.
Das Lesevergnügen selbst wird allerdings durch die zersprengte chronologische Verortung geschmälert, welche oftmals den Lesefluss stört und ein Nachschauen in der Jahreszahlen-Übersicht der wichtigsten Ereignisse im Anhang notwendig macht. Der vermeintliche Vorteil, dass die einzelnen Kapitel so eigenständig lesbar werden, stellt sich leider nicht ein, da die Ereignisse dann in sich lückenhaft erscheinen.

Zur Autorin: Mary Ann Caws (geboren 1933) ist eine amerikanische Autorin, Kunsthistorikerin, Literaturwissenschaftlerin und unterrichtet gegenwärtig als Distinguished Professor of English, French and Comparitive Literature an der Graduate School der City University of New York. Sie gilt als Expertin auf den Gebieten Surrealismus, moderne englische Literatur und Französisch. Unter anderen veröffentlichte sie Biographien von Marcel Proust, Virginia Woolf und Henry James sowie die Studie "Dora Maar – Die Künstlerin an Picassos Seite" (Nicolai Verlag) und war die Präsidentin der Vereinigung für das Studium von Dada und Surrealismus (1971 - 75), der Modern Language Association of America (1983), der Akademie der Literaturwissenschaft (1984 – 85) und der American Comparative Literature Association (1989 - 91). Sie lebt in New York City, gemeinsam mit ihrem zweiten Ehemann Dr. Boyce Bennett. (Quelle: Website von Mary Ann Caws)

Weitere Infos unter: www.maryanncaws.com

Mary Ann Caws
Pablo Picasso - Ein Porträt

Mit einem Vorwort von Arthur C. Danto
Originaltitel: Pablo Picasso
Übersetzung: Klaus Binder
231 Seiten, gebunden
ca. 25 Farb- und 20 SW-Abbildungen
Piet Meyer Verlag, Bern, erschienen 2011
ISBN 978-3-905799-06-4
23,30 Euro

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Karoline Hille - Spiele der Frauen. Künstlerinnen im Surrealismus



Literatur Beitrag vom 07.06.2011 AVIVA-Redaktion 

   




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