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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 09.01.2012

Scarlett Hooft Graafland - Soft Horizons
Tatjana Zilg

Der großformatige Fotoband bietet einmalige visuelle Erlebnisse, wenn der Blick über außergewöhnliche Gestalten schweift, die sich in bizarren Landschaften ihren Raum erobern. Rund um den Globus ...



... reist die niederländische Künstlerin, um sich für ihre temporären Installationen inspirieren zu lassen und sie gleich vor Ort zu verwirklichen.

Ein Iglu, anscheinend von innen erleuchtet, doch es ist Limonade, die das Eis orange färbt, Hirschgeweihe, die im Eiswasser schweben, und eine aus Seilen gelegte feuerrote Palme im weißen Schnee: Kontraste, die schnell neugierig darauf machen, was alles noch folgen wird. Und in der Tat: Dies ist erst der Anfang.
Nunavut, Igloolik, Canada ist der Ausgangspunkt des Fotopfads über die Kontinente. Unterwegs wird bewiesen, welche Naturschätze die Welt für all diejenigen bereithält, die sich mit achtsamen Blick auf Entdeckungstrip begeben.

Scarlett Hooft Graafland folgte schon oft dem Ruf in die Ferne und gestaltete aus ihrer persönlichen Abwandlung von LandArt-Konzeptkunst heraus spektakuläre Kompositionen, die Aufmerksamkeit wecken und die Phantasie anregen, sich zu den surreal anmutenden Bildern eigene Geschichten auszudenken. In den Landschaften selbst hinterlässt Graafland keine Spuren, denn sie achtet darauf, dass ihre Installationen vergänglich sind und keinerlei Materialreste dauerhaft in der Natur verbleiben. Dadurch unterscheidet sie sich wesentlich von anderen LandArt-KünstlerInnen. Nach der Umsetzung ihrer Ideen fotografiert sie die Ergebnisse mit ihren Kameras, darunter eine antiker Panorama-Kamera, ausschließlich unter Verwendung natürlichen Lichts und auf analogen Filmen. Die Farbkontraste kommen so ausgesprochen gelungen herüber und die Bilder entfalten ihre Wirkung eindrucksvoll.

Weitere Stationen des Fotobands sind die Salzwüste in Bolivien, die Umgebung von Reykjavik, die Guangxi Provinz in China, die norwegischen Berge, der Himalaya in Indien und das Dorf Schoorl in den Niederlanden. Teilweise inszeniert Graafland hier Menschen und Tiere in Kombination mit industriellen Alltagsmaterialien aus Gummi, Plastik, Stoffen und Ballons, andere Male lässt sie die Objekte allein der Landschaft begegnen, so wenn bolivianische Hüte über eine nebelverhangene Bergschlucht schweben oder ein farbenprächtiger Teppich seinen Platz in der Salzwüste findet.

Die Fotoserien wurden bereits an vielen Orten der Welt ausgestellt, zuletzt Ende 2011 im Huis Marseille, dem Museum für Photographie in Amsterdam.
Die Künstlerin selbst bevorzugt gegenüber den von KunstkritikerInnen häufig für ihre Arbeit verwendeten Attributen wie "magical" und "surreal", eher solche, die sich stärker auf die Aktion im Hier und Jetzt beziehen: "engaged" und "playful". Zutreffend sind alle Variationen. Viel Wissen und Erfahrung tragen ihre Ideen auf jeden Fall in sich. So erzählt sie über die Entstehung von "Polar Bear", welches als Titelbild für den Fotoband ausgewählt wurde:
"´Polar Bear´ is half human, half animal. I was able to give that image several layers. It has something very dramatic about it, with that grey light, the bear all huddled up - it looks a bit like Rodin´s ´Thinker´, but then the legs sticking out make it a rather uneasy image after all ... and Inuit sculptures and drawings are often part-human and part-animal. You see the same thing in their myths and legends." (Aus dem Essay "Enchanting the world with lemonade" im Anhang von Els Barents und Nanda van den Berg.)

AVIVA-Tipp: Anfänglich erinnern die Formen und Farben teils an Jeff Koons und doch ist die Sphäre, die die Bilder umgibt, eine ganz andere. Pop Art begegnet moderner GlobetrotterInnen-Philosophie, zeitlose Mythen erwachen auf zeitgenössische Art zu neuem Leben und gesättigte Industriefarben gehen mit Naturtönen sinnliche Allianzen ein. Konstruktionen aus Menschenhand und die kleinen Wunder der Natur verschmelzen zu einem sinnlichen Vergnügen, welches das Fernweh weckt und eigene außergewöhnliche Reisepläne schmieden lässt.

Zur Künstlerin: Scarlett Hooft Graafland, geboren 1973 in den Niederlanden, hat ihre Arbeiten bereits in zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen gezeigt, darunter die Rencontres d´Arles, die World Expo in Shanghai, das MOCCA Museum in Toronto und das Huis Marseille, Museum für Photographie in Amsterdam. (Quelle: Verlagsinfo)
Weitere Infos zur Künstlerin: www.scarletthooftgraafland.nl

Scarlett Hooft Graafland
Soft Horizons

122 Seiten, Klappenbroschur, 29,4 x 24,5 cm, 50 Farbabbildungen, Essays in englisch
Kehrer Verlag, erschienen 2011
ISBN 978-3-86828-223-8
35 Euro
www.artbooksheidelberg.com



Literatur Beitrag vom 09.01.2012 AVIVA-Redaktion 

   




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