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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 05.07.2005

Hanife Gashi: Mein Schmerz trägt deinen Namen
Meike Bölts

Ein Ehrenmord in Deutschland: Hanife Gashis Erfahrungsbericht über den Tod ihrer Tochter Ulerika klagt an und verarbeitet.



"Alles beginnt mit meiner Zwangsheirat im Kosovo": Die siebzehnjährige Albanerin Hanife Gashi wird von ihren Eltern mit einem ihr unbekannten Mann verheiratet. Sie muss fortan mit ihren Schwiegereltern in einem abgelegenen Dorf im Kosovo leben – ein Leben, geprägt von Tradition, Disziplin und Ehre. Schnell offenbart ihr Ehemann Adem sein gewalttätiges Gesicht. Hanife muss gehorchen, ansonsten schlägt und demütigt er sie. 1989 fliehen die beiden mit ihrer Tochter Ulerika nach Deutschland, wo sie Asyl beantragen.

Hanife hofft, mit diesem Schritt auch einen Schritt gen Freiheit getan zu haben. Kann ihr Mann sie in Deutschland so unterdrücken wie im Kosovo? Bitter muss sie erfahren: Ja, er kann. Jeder Schritt von ihr, der sie unabhängiger von ihm macht (ein Sprachkurs, der Führerschein, eine eigene Stelle, eine Ausbildung), macht ihn rasender. Nach außen leben die beiden mit ihren inzwischen vier Töchtern das Leben einer freundlichen, fleißigen Familie, die sich irgendwann ein Haus kaufen wird und sich in das provinzielle Leben ihres Umfeldes integriert.

Doch der Schein trügt: Adem schlägt seine Frau und demütigt seine Töchter unberechenbar und grausam. Sie können es ihm nicht recht machen. Besonders Ulerika, die älteste Tochter, gerät immer wieder mit ihm aneinander, nur weil sie sein will, wie ihre Freundinnen und Mitschülerinnen. Hanife unterstützt ihre Tochter subversiv in ihren Wünschen und Träumen, aber weder die Töchter noch die Mutter stellen sich offen nach außen gegen Adem. Die Situation eskaliert, als Ulerika verkündet, einen Serben heiraten zu wollen. Adem verliert die Kontrolle und ermordet Ulerika.

"Mein Schmerz trägt deinen Namen" ist der Erfahrungsbericht von Hanife Gashi, mit dem sie verarbeitet und anklagt: Verarbeiten muss sie ihre Unfähigkeit, sich offen gegen ihren Mann zu stellen. Anklagen wird sie ihren Mann und seine Werte. Mit der Unterstützung von Terre des Femmes und Sylvia Rizvi geht Gashi mit ihrer Geschichte und dem Schicksal ihrer Tochter an die Öffentlichkeit, um anderen Frauen Mut zu machen und Kraft zu geben: „Verbergt eure blauen Flecken nicht unter langärmeligen Blusen oder Schminke, heuchelt nicht vor der Haustür Harmonie, wenn dahinter eine Hölle lodert!“

„Mein Schmerz trägt deinen Namen“ beeindruckt durch seine wenn auch subjektive, so doch bemerkenswerte Offenheit, mit der Gashi uns an ihrem Leben teilhaben lässt. Warum musste Ulerika sterben? Islamismus? Ehre? Patriarchat? Tradition? Kultur? Die Gründe sind so vielfältig wie die Einflüsse auf eine Familie. Gashi tut gut daran, hier keine eindeutige Antwort zu geben und damit keine monokausalen Verurteilungen zuzulassen.



Hanife Gashi
Mein Schmerz trägt deinen Namen
Ein Ehrenmord in Deutschland

Rowohlt Verlag, Hamburg, Februar 2005
ISBN 3-498-02499-X
16,90 Euro90008115&artiId=3565459"

Literatur Beitrag vom 05.07.2005 AVIVA-Redaktion 

   




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