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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 31.12.2003

Im Auge des Zyklons
Sharon Adler

Die Richterin Eva Joly leitete sechs Jahre lang die Untersuchungen des Finanzskandals um den Öl-Konzern Elf Aquitaine. Hier dokumentiert sie ihren mutigen Kampf gegen die internationale Korruption.



Gegen die internationale Finanzmafia

Die Untersuchungen von Eva Joly um die Aufdeckung der schwarzen Kassen aktiennotierter Unternehmen und respektabler Institute weltweit begann mit Routineuntersuchungen in einem scheinbar banalen Fall.
Sieben Jahre später war die "dünne, gelbe Akte", die an jenem Wintertag angelegt wurde, zu 850 amtlich versiegelten Containern mit Beweismaterial, 100.000 Aktenzeichen, zehn CD-ROMs und 256 Einzelakten angewachsen.

"Im Auge des Zyklons" enthüllt ein ausgefeiltes System, gewaltige Verflechtungen, die es auf Unterschlagungen von immerhin 2,5 Milliarden Francs brachten.
Schmiergelder flossen auch nach Deutschland. Für den Verkauf des Minol-Tankstellennetzes und der Raffinerie in Leuna soll Elf insgesamt hundertsechzig Millionen D-Mark an "Provisionen" gezahlt haben, so zum Beispiel an einen Mittelsmann, der Kontakte zum BND hatte oder an einen ehemaligen Staatsekretär des Verteidigungsministeriums. Helmut Kohl soll über den Verkauf informiert gewesen sein und Wahlkampfspenden erhalten haben. Ihm konnte nie etwas nachgewiesen werden. Die Kohl-Vertraute, Agnes Hürland-Büning gestand, ein Beraterhonorar von 570.000 D-Mark erhalten zu haben.
Der deutsche Lobbyist Dieter Holzer, in Frankreich wegen Beihilfe zur Veruntreuung von Elf-Geldern angeklagt, soll ein Honorar von etwa 45 Millionen D-Mark für zehn Wochen Lobbying eingestrichen haben.
Eva Joly kritisiert ausdrücklich, dass die Ermittlungen in Deutschland trotz dieser Kenntnisse nie zu einem konkreten Ergebnis kamen.

Während der gesamten Dauer ihrer Untersuchungen stand sie rund um die Uhr unter Polizeischutz, wurde systematisch behindert, mit dem Tod bedroht, eingeschüchtert, verleumdet und illegal abgehört. Dennoch brachte sie durch ihren Mut und ihre Beharrlichkeit sowohl den Elf-Aquitaine-Chef Loïk Le Floch-Prigent als auch den ehemaligen Außenminister Roland Dumas zur Anklage.

Auch heute bewegen sich die Drahtzieher und Rechtsverdreher noch immer auf dem Parkett derer, "die sich mit Privatjets fortbewegen, in den Palästen Europas ein- und ausgehen und für die eine Provision von einer Million Dollar nur ein Trinkgeld ist."
Solange Vertreter einer politischen Elite - wie Chirac oder Berlusconi - aufgrund ihrer politischen Immunität ungehindert die Globalisierung der Finanzmärkte und Geldströme missbrauchen können, von der Pandorabüchse der Offshore-Bankenplätze, der Steueroasen, unkontrollierten internationalen Girozentralen oder des internationalen Derivate-Handels zu ihren Gunsten profitieren, wird auch die Justiz gegenüber der globalen Finanzmafia machtlos sein.
Eva Joly spricht hier von dem "Reich der Straffreiheit", denn, so sagt sie, "sie leben außerhalb der Gesetze, weil sie stärker sind als das Gesetz."
So zitiert Eva Joly auch den spanischen Richter Baltasar Grazón, der scherzhaft gesagt hatte: "Heutzutage braucht man keine Bank mehr auszurauben. Es genügt, wenn man sie kauft".

Elf Aquitaine ist kein Einzelfall, sondern lediglich die Spitze des Eisbergs
Eva Joly: "Nach sechseinhalbjährigen Untersuchungen von Hunderten von Finanzfällen habe ich die Gewissheit und die Beweise, dass 95 Prozent der großen Geldbetrügereien ungestraft bleiben."
Elf Aquitaine, nach diversen Fusionen TotalFinaElf, ist heute Frankreichs größter Industriekomplex und der siebtgrößte Ölkonzern der Welt. Bis 1994 im Staatsbesitz ist auch nach der Privatisierung der französische Staat der Hauptanteilseigner.

Die Chronik der Untersuchungen um den Finanzskandal des Öl-Konzerns Elf Aquitaine schrieb Eva Joly in Norwegen, in einer abgelegenen Blockhütte.
Sie widmet ihre chronologische Aufzeichnung im Fall Aquitaine dem Volk. Und all jenen, die ihre Weigerung, sich korrumpieren zu lassen, mit dem Leben bezahlten.
"Im Auge des Zyklons" ist auch eine Abrechnung mit den Medien und mit denen, die wissentlich nichts getan haben, um die Seite des Rechts zu schützen, obwohl sie sie vertreten.

Eva Joly wurde in Oslo geboren.
Mit 18 Jahren kam sie nach Paris, studierte Jura und wurde 1990 Oberste Ermittlungsrichterin im französischen Finanzministerium. 1994 begann sie Ermittlungen im Zusammenhang mit einer Unterschlagungsaffäre im Fall Elf Aquitaine. Im März 2001 konnte sie den Fall erfolgreich abschließen.
Seit Herbst 2001 leitet Eva Joly eine Antikorruptions-Kommission in Norwegen, die sich zum Ziel gesetzt hat, die internationalen Schwarzgeldströme zwischen Politik, Wirtschaft und Mafia offen zu legen.
2002 wurde sie zur "Europäerin des Jahres" gewählt.
Die 58 jährige Mutter zweier Kinder lebt heute in Oslo.

Nähere Informationen zur Pariser Erklärung finden Sie unter www.declarationdeparis.org (franz. Sprache) oder www.parisdeclaration.org (engl. Sprache). Dort können Sie den Text per eMail unterschreiben und nachsehen, wer sich schon angeschlossen hat.




Im Auge des Zyklons.
Der Elf-Aquitaine-Skandal und mein Kampf gegen internationalen Finanzbetrug.

(Originaltitel: "Est-ce dans ce monde-là que nous voulons vivre?")
Eva Joly
18,00 EURO
ISBN/EAN 3-570-50051-9
Riemann, Bertelsmann Verlag, Reihe: One Earth Spirit, erschienen September 2003
Seitenzahl: 285 S.
Einband: kartoniert"

Literatur Beitrag vom 31.12.2003 Sharon Adler 

   




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