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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 16.05.2004

Schwester der Sonne - Ein Jahr in Kuna Yala
Tatjana Zilg

Nach der Wende lockt die Leipziger Malereistudentin Antje Olowaili die Ferne. In Lateinamerika lebt sie ein Jahr lang mit den Kuna. Ein farbiger Reisebericht mit Einblick in indigene Kulturen.



Antje Olowaili ist Mitte 20, als sie dem Volk der Kuna begegnet. Ihr Blick auf das naturverbundene Volk ist unvoreingenommen. Fern jeder wissenschaftlichen Sichtweise - wie z. B. die der Ethnologie oder der Bio-Medizin - ist sie fasziniert von den einfachen, naturnahen Inseld├Ârfern. Dies ist etwas naiv: Sie kann nicht einsch├Ątzen, was alles auf sie zukommen wird, als sie sich spontan entschlie├čt, den H├Ąuptlingsrat um die Erlaubnis zu bitten, eine langfristige traditionelle Augenbehandlung gegen ihre Kurzsichtigkeit zu erhalten. Denn nach einer Phase der Neugier und vorsichtigen Absch├Ątzung schl├Ągt die anf├Ąngliche Herzlichkeit ihrer Gastfamilie zunehmend in Feindseligkeit um.

Die Kuna sind ein indigenes Volk, die in Panama auf mehreren an der pazifischen Nordk├╝ste verstreuten Inseln leben. Sie haben erk├Ąmpft, autonom von der Regierung ihr gemeinschaftliches Leben zu bestimmen. Das bedeutet einerseits die M├Âglichkeit, die Traditionen aufrechtzuerhalten, andererseits aber die Einschr├Ąnkung der Individualit├Ąt des Einzelnen. Antje erf├Ąhrt diese Widerspr├╝chlichkeit hautnah, da sie sich vorbehaltlos in den Alltag der Kuna eingliedert. Sie muss sich mit dem Misstrauen und der Skepsis auseinandersetzen, die ihre GastgeberInnen der jungen Frau aus der unbekannten Ferne entgegenbringen.

Ihr urspr├╝ngliches Anliegen ist es, von ihrer Kurzsichtigkeit geheilt zu werden. Als sie w├Ąhrend einer Lateinamerikareise zuf├Ąllig auf einer Kuna-Insel ein paar Tage ein Stopover einlegt, h├Ârt sie von den traditionellen Heilmethoden der Kuna und ist begeistert. Obwohl der H├Ąuptlingsrat einer Heilbehandlung f├╝r eine fremde Wei├če skeptisch gegen├╝bersteht, stimmt er schlie├člich zu - nicht zuletzt, weil Antje mit Dollar bezahlen wird. Dies wird mit dem Medizinmann immer wieder ein Streitpunkt sein: Der anf├Ąnglich vereinbarte Preis ist ihm einem Monat sp├Ąter zuwenig. Sie wohnt bei dessen Familie in einer der kleinen H├╝tten. Bald wird Unzufriedenheit sp├╝rbar.

Dennoch lebt sich die selbstbewusste junge Frau bei dem naturverbundenen Volk gut ein. Sie schlie├čt Freundschaften mit liebenswerten Menschen, die sie sehr ins Herz schlie├čt. Besonders zugewandt ist sie Oleanda, einer jungen, unverheirateten Frau in ihrem Alter, die in der H├╝tte nebenan lebt. Oleanda spricht spanisch und bringt ihr die Kuna-Sprache bei. Auch unterst├╝tzt sie die Deutsche bei den sich versch├Ąrfenden Schwierigkeiten mit der Gastfamilie, die im Dorf schlecht ├╝ber sie spricht. Eine zarte Liebesbeziehung zwischen den beiden Frauen bahnt sich an. Doch der Konflikt ist nicht aufzuhalten. Antje verl├Ąsst die Insel und stellt fest, dass die Strukturen auf den anderen Inseln sehr unterschiedlich sind. Sie gewinnt neue FreundInnen unter den Kuna der anderen Inseln. Zu einem ├Ąlteren Ehepaar entwickelt sie eine Eltern-Tochter-Beziehung und unterwirft sich ein zweites Mal den strengen Regeln der Kuna-Medizin.

Zur Autorin:
Antje Olowaili wurde 1968 in Berlin geboren. Nach ihrer Ausbildung zur Schrift- und Grafikmalerin und der Arbeit als Layouterin bei einer Tageszeitung rief sie als Malereistudentin Frauenkunstprojekte ins Leben. Gleichzeitig ver├Âffentlichte sie Artikel ├╝ber Frauenrechte in der DDR. F├╝r Gedichte erhielt sie bereits Preise, mit ihrer Prosa ist sie in einigen Anthologien vertreten.
In den Jahren 1992 - 1994 durchreiste sie auf eigene Faust Lateinamerika. Heute lebt sie als freischaffende Malerin in Leipzig.

AVIVA-Tipp: Der Roman entf├╝hrt in die fremdartige Inselwelt eines Volkes, das einen Weg sucht, die gemeinsame Identit├Ąt zu bewahren und in der sich ver├Ąndernden Welt zu ├╝berleben. Die Autorin beschreibt ihre sehr pers├Ânlichen Erfahrungen in einer bildhaften und anschaulichen Sprache, ohne zu idealisieren. Dadurch ist der Roman sehr ehrlich und einf├╝hlsam, da er nicht so viel in das Handeln der indigenen Menschen hineininterpretiert wie z.B. "Auf der Suche nach dem verlorenen Gl├╝ck" von Jean Lidloff.



Antje Olowaili
Schwester der Sonne
Ein Jahr in Kuna Yala

Ulrike Helmer Verlag, erschienen April 2004
ISBN/EAN: 3-89741-138-5
290 S., Einband: kartoniert
Illustrationen: mit tls. farb. Abb.
20,00 Euro200298523375"

Literatur Beitrag vom 16.05.2004 AVIVA-Redaktion 

   




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