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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 29.06.2005

Kaddisch vor Morgengrauen
Sharon Adler

Michel Friedman legt mit seinem ersten, stark autobiographisch geprägten Roman ein beeindruckendes Werk vor - voller Tiefe und Schmerz, aber auch Hoffnung.



"Kein Mensch kann vor sich und seiner Geschichte fliehen"
Eine ganze Nacht hindurch wacht Julien am Bett seines Kindes und erzählt ihm von seinen Eltern Sarah und Ariel, die als einzige ihrer Familien die Shoah überlebt haben - und die nie wieder ins Leben zurückfinden konnten. Denn die Narben auf der Seele verheilen nie, der Schmerz und die Trauer um den Verlust der Familie ist immer gegenwärtig. So wird sein Monolog zum Kaddisch, zum Totengebet, und ist zugleich von der Hoffnung beseelt, daß dieses Erbe auf der nächsten Generation weniger schwer lasten wird.

Zuhause ist nicht gleich Heimat

Sarah und Ariel können den Schatten der Vergangenheit nicht entfliehen. All ihr Denken und Fühlen, ihre gesamte Existenz kreist um den einzigen Sohn, Julien, der stellvertretend für sie ein sorgloses Leben führen soll - und dem genau dies nicht gelingt. Hinter der Fassade eines nach außen hin harmonischen Lebens ist die Traumatisierung der Familie allgegenwärtig und nur notdürftig verborgen. Julien hält das Leben im Land der Täter nicht aus, er geht nach Paris, um dort als Theaterregisseur zu leben. Erst der Tod der Eltern ermöglicht ihm trotz des Schmerzes einen Neubeginn: die Heirat mit Perla und die Geburt des gemeinsamen Kindes. An dieses Kind wendet sich Julien, um endlich das Schweigen um das tabuisierte Trauma zu brechen und die Verstorbenen dem Vergessen zu entreißen - denn es gibt keine Stunde Null. Weder für Täter noch für Opfer. Die zornige, innige Ansprache an seinen Sohn, in der dieser vertraut gemacht wird mit der Geschichte der Verfolgung und Ermordung des jüdischen Volkes, lässt endlich auch Julien zum Leben zurückkehren.

AVIVA-Tipp: Diese wunderbar-poetische Sprache hätte man dem Hardliner Friedman nicht unbedingt zugetraut. "Kaddisch vor Morgengrauen" sollten alle nichtjüdischen MitbürgerInnen lesen - der bewegende Roman erzählt das Schicksal einer Familie, die der Shoah entkam, aber nicht ihren Alpträumen. Doch auch die Hoffnung bleibt, dass die nächste Generation ihren Weg gehen wird, nicht hasst, sondern verstehen lernt.

Zum Autor:
Michel Friedman, geboren 1956 in Paris, entstammt einer polnisch-jüdischen Familie, seine Eltern wurden nach Auschwitz-Birkenau verschleppt. Sie überlebten den Holocaust, weil sie auf der Schindler-Liste standen. Friedman lebt seit 1965 in Frankfurt am Main, Arbeit als Rechtsanwalt, Politiker, Fernsehmoderator und Publizist. Von 2000 bis 2003 war er Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland und erhielt 2001 das Bundesverdienstkreuz. Seit 2002 ist Friedman Herausgeber eines Segments im Bereich politisches Sachbuch in der Aufbau Verlagsgruppe. Mit "Kaddisch vor Morgengrauen" legt er seinen ersten Roman vor.



Michel Friedman
Kaddisch vor Morgengrauen

Roman, Gebunden, 154 Seiten,
Aufbau-Verlag, erschienen Mai 2005
ISBN 3-351-03046-0
17,90 Euro200336448875

Literatur Beitrag vom 29.06.2005 Sharon Adler 

   




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