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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 23.01.2004

Dacia Maraini - Ein Schiff nach Kobe
Gaby Miericke-Rubbert

Die Autorin spürt den Tagebuchaufzeichnungen ihrer Mutter in der japanischen Emigration aus den Jahren 1938 bis 1941 nach und entdeckt dabei ihre frühen Kindheitserinnerungen auf´s Neue



Dacia Maraini, die bekannte italienische Autorin von erfolgreichen Romanen wie "Die stumme Herzogin" und "Kinder der Dunkelheit" blättert in dem abgegriffenen Heft ihrer Mutter und fühlt sich in die Vergangenheit ihrer unkonventionellen Familie zurückversetzt.

Ihre blutjungen, mutigen Eltern setzen am 31. Oktober 1938, als Dacia gerade 2 Jahre alt ist, ihren Entschluß in die Tat um, das faschistische Italien zu verlassen und nach Japan zu emigrieren.

Die Mutter, Topazia Prinzessin Alliata, eine schöne aristokratische Sizilianerin, Absolventin der Akademie der Schönen Künste, sollte eigentlich standesgemäß einen Grafen heiraten. Der Mann ihrer Wahl ist dann aber ein gutaussehender Habenichts aus Florenz namens Fosco Maraini. Der frisch gebackene Ethnologe, draufgängerisch und abenteuerlustig, ist auf der Flucht vor seinem Vater, der ihm zur Hochzeit einen Mitgliedsausweis der faschistischen Partei Italiens schenken wollte.

Die Tagebuchaufzeichnungen der Mutter sind eher knapp gehalten, sie berichten in kurzen Sätzen von der langen Schiffsreise nach Japan, von Seekrankheit, Wetter und Landausflügen, von Rikschafahrten in Hongkong und Schanghai. Bis die kleine Familie schließlich am 1. Dezember 1938 in Kobe ankommt, wo sie sich für die nächsten Jahre niederlassen wird.

Nichtsahnend, dass sie auch hier in den Strudel der politischen Ereignisse geraten wird, als Japan sich auf die Seite der Nazis schlägt und die Kritiker der faschistischen Politik ebenso dort verfolgt werden wie in Europa.

Bis dahin gibt es zahlreiche Anekdoten von und Begegnungen mit der fremden, fernöstlichen Kultur zu erzählen. Der von Dacia heiß geliebte und bewunderte Vater, häufig auf Forschungsreisen, läßt Topazia oft mit ihren drei kleinen Töchtern allein zurück. Die ersten Gehversuche, die durchwachten Nächte an Kinderkrankenbetten, die lustigen Wort- und Sprechkreationen der Mädchen, zusammengesetzt aus einem Kauderwelsch von Italienisch und Japanisch, all das erleben wir beim Lesen der Eintragungen der jungen liebevollen Mutter mit.

Schon in dieser Zeit scheint Dacias Leidenschaft fürs Schreiben entstanden zu sein. Ihr Italienisch mit angewandter japanischer Grammatik machte sie beim Sprechen unsicher und sie entwickelte vermutlich schon damals eine Vorliebe für die schriftliche Kommunikation.

Die Beschäftigung mit den Aufzeichnungen ihrer Mutter läßt die Autorin ihrer Kindheit nachspüren, den Prägungen und Neigungen, den Vorbildern, mit denen sie aufgewachsen ist und die sie noch heute beeinflussen. Wir erleben starke, unabhängige Frauen, den Zusammenhang von kurzen Haaren und Emanzipation, von mönchischen Lebensidealen und Überlebenstraining. Die eher skizzenhaften Eintragungen der Mutter werden von der Autorin kommentiert, interpretiert, mit eigenen Erinnnerungen angereichert und mit Leben und Emotionen gefüllt.

1941 endet das Tagebuch abrupt. Das politische Klima weltweit verschlägt ihrer Mutter die Sprache. 1943 wird die junge Familie unter Hausarrest gestellt, später abgeholt und ins Konzentrationslager von Nagoya gebracht. Die Marainis sind die einzigen nichtmilitärischen Italiener in ganz Japan, die sich geweigert hatten, die faschistische Politik zu unterstützen.

Von den nachfolgenden schmerzlichen beiden Jahren in Gefangenschaft will Dacias jüngere Schwester demnächst berichten. Aber das wird eine andere Geschichte.

Dacia Maraini hat hier ein berührendes Zeitdokument geschaffenmit zahlreichen Fotos aus dem Familienalbum, das uns eine ungewöhnliche Familie nahebringt.




Dacia Maraini: Ein Schiff nach Kobe
Das japanische Tagebuch meiner Mutter
Piper Verlag, 2003
ISBN: 3-492-04489-1
Gebunden
285 Seiten mit 80 farb. Faksimiles
Euro 19,90200910428375"


Literatur Beitrag vom 23.01.2004 AVIVA-Redaktion 

   




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