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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 24.05.2004

Quasi una Fantasia von Astrid Schmeda
Sabine Grunwald

Eine Italienreise mit Fanny Mendelssohn. Das Schicksal einer Künstlerin, die sich erst gegen Ende ihres kurzen Lebens gegen die Konventionen wandte und mit ihrem Talent an die Öffentlichkeit trat



Fanny erhielt wie ihre Geschwister eine gute Ausbildung. Doch sollte sie ihre Talente nur im häuslichen Rahmen entfalten. Ihr Vater Abraham Mendelssohn schrieb 1820 an die 14jährige: "Die Musik wird für Deinen Bruder Felix vielleicht zum Beruf, während sie für Dich stets nur Zierde, niemals Grundbasis Deines Seins und Thuns werden kann und soll..."

Das Schicksal, sein Talent nicht entfalten zu können und kaum öffentliche Anerkennung zu erfahren, teilte die Schwester des Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy mit vielen Künstlerinnen des 18. und 19. Jahrhunderts.
Fanny ergab sich beinahe darin, ihre Ambitionen zugunsten ihrer Rolle als gehorsame Tochter und Schwester zurückzustellen. Eine Frau aus der Familie, die ausscherte und ihren eigenen Weg ging, war Dorothea Schlegel, Fannys Tante. Sie verließ ihren Mann, lebte in wilder Ehe und einer Wohngemeinschaft. Dorothea schrieb Romane und machte Übersetzungen. Ihre Eigenständigkeit bezahlte sie mit dem Ausschluss aus der Familie und der Missachtung durch Freunde.
1839 unternahm Fanny mit ihrem Ehemann Wilhelm, einem Maler, und dem 9jährigen Sohn Sebastian, die lang ersehnte Reise nach Italien.
In Rom, fern von der Familie, konnte sich die gutbürgerliche Bankierstochter emanzipieren. Umgeben von einem Kreis junger KünstlerInnen lebte sie auf und erreichte ihre schöpferische Hochzeit. Hier schrieb sie ein ausführliches Tagebuch und komponierte die Klavierstückesammlung "Das Jahr". Getragen von der Verehrung des jungen französischen Künstlers Gounod und anderer guter Freunde, wird Rom für sie zu einem Quell der Inspiration und Lebensfreude. Sie genießt die wunderschöne Natur, die Kunstschätze und das freie, sorglose Leben fern von Berlin.
1846, sechs Jahre nach Rom, wagt sie es sich über das Verbot von Vater und Bruder hinwegzusetzen und zu veröffentlichen. Die Kritiken zu den ersten Veröffentlichungen fallen aus wie erwartet. Sie werfen ihr vor eine Frau zu sein. Entweder ist eine Frau "zu sentimental" oder ihr "fehlt die Tiefe". Weil aber Sentimentalität ihr dermaßen zuwider ist, dass dies sogar den Kritikern auffällt, fehlt es ihr, bei allem Lob fürs handwerkliche Können, an der Tiefe der Empfindung.

Lange kann Fanny den späten Erfolg nicht genießen. Mit einundvierzig Jahren stirbt sie an einem Schlaganfall. Wenig später ereilt ihr jüngerer Bruder Felix das gleiche Schicksal.
Fannys Musik bleibt über ein Jahrhundert vergessen, galt sie doch "nur" als die Musik einer Frau. Weiter wurde ihr der gleiche Makel wie ihrem Bruder angeheftet. Der Antisemitismus nahm zu und hatte wortgewandte Vertreter. 1850 erschien ein anonymes Pamphlet, "Das Judentum in der Musik". Darin heißt es, dass die Juden die deutsche Musik ruinieren, jüdische Musik müsse einem Deutschen fremdartig, kalt, sonderlich gleichgültig, unnatürlich und verdreht erscheinen. Dafür stehe namentlich ein jüdischer Musiker, Felix Mendelssohn-Bartholdy.
Der Verfasser gibt sich 18 Jahre später zu erkennen, es ist kein anderer als Richard Wagner.

Entdeckt werden die Aufzeichnungen der Künstlerin von der Klavierlehrerin Selma, der zweiten Heldin des Romans. Während sie die 12 Charakterstücke für das Fortepiano einübt, erinnert sie sich an ihre Kindheit. Den harten Weg ihrer eigenen künstlerischen Emanzipation, gegen den Willen des Vaters.

Fanny Mendelssohn-Hensel (1805-1847), Schwester Felix Mendelssohn Bartholdys und Enkelin Moses Mendelssohns, begabte Pianistin und Komponistin. Erst gegen Ende ihres kurzen Lebens trat sie mit ihrem Talent an die Öffentlichkeit, publizierte eigene Stücke und gab Konzerte.

Die Autorin:
Astrid Schmeda, geboren 1950 in Aurich/Ostfriesland, studierte Pädagogik, Soziologie und Psychologie. Seit 1982 veröffentlicht sie Romane und Erzählungen. Neben ihrer schriftstellerischen Arbeit leitet sie in Südfrankreich zusammen mit ihrem Mann das Zentrum Culture & Contact. In der Edition Nautilus erschien 1994 ihr Roman "Ein leidenschaftliches Interesse am wirklichen Leben über die Anarchistin Clara Thalmann".

AVIVA-Tipp: Eine Hommage an Italien, die Kunst und an zwei Frauen, die sich mit persönlicher Disziplin und Phantasie über Konventionen hinwegsetzten.




Astrid Schmeda
Quasi una Fantasia - eine Reise mit Fanny Mendelssohn

Edition Nautilus, 2002
ISBN 3-89401-402-4
Sonderausgabe mit CD
Fanny Mendelssohn-Hensel, Klavierwerke, Das Jahr
eingespielt von Liana Serbescu
25,90 Euro200954428375"


Literatur Beitrag vom 24.05.2004 Sabine Grunwald 

   




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