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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 01.11.2004

Liebeserklärung an eine Ex-Geliebte
Silke Buttgereit

Es gibt Bücher, die muss man nicht gelesen haben, um sie wunderbar zu finden. Es genügt, dass es sie gibt. "Die Zigarette" der Autorin Cristina Peri Rossi zählt gleich dreifach zu dieser Gattung



Erstens: Es ist ein wunderschönes Buch, sieht gut aus, fühlt sich gut an, hat ein rasend sinnliches, aber dezentes Cover und ist von hinten nicht weniger schön als von vorne. Zweitens: Ein Buch, das mit Titel und Klappentext verspricht, alle Apostel des Nichtrauchens Lügen zu strafen und hemmungslos von den Situationen und Mythen erzählt, die das Rauchen zu einer unvergleichlich erotischen und erfüllenden Geste machen, ist das Buch, auf das echte Raucherinnen und Nicht-mehr-Raucherinnen seit dem Bestsellertum von Allen Carr´s "Endlich Nichtraucher" sehnsüchtig gewartet haben. Drittens: "Die Zigarette" ist von einer Autorin geschrieben, die vierzig Jahre lang überzeugt geraucht und seit einigen Jahren zwar die Zigarette, nicht aber die Überzeugung aus gesundheitlichen Gründen aufgegeben hat.
Das macht das Buch denn auch beim Lesen unwiderstehlich, weil die aus Venezuela stammende Peri Rossi aus unangreifbar vernünftiger Perspektive und frei vom schlechten Gewissen der gegenwärtigen Raucherin eine leidenschaftliche Liebeserklärung an die Unvernunft der Zigarette schreibt. Wären es die Worte einer Raucherin, wären viele der Sätze in diesem Buch makaber, so sind sie melancholisch nachgetragene Liebe. So schreibt sie vieles von dem, was Raucherinnen und Raucher schon immer sagen wollten, sich aber nicht mehr trauen. Von der Sucht, von der Lust, von den Situationen, die ohne Zigarette nie mehr das gleiche sein werden, wie mit Zigarette.

Nebenbei erzählt das Buch die Kulturgeschichte des Tabaks und der Tabakverarbeitung und immer wieder kommt Peri Rossi zurück auf das Bild der rauchenden Frau, das lange Zeit für weibliche Grenzüberschreitung stand. Rauchende Frauen, das waren zuerst Tabakarbeiterinnen, dann Schriftstellerinnen, Weltreisende, später Frauen, die sich alleine in Cafés, Kneipen und Bars trauten und schließlich die Studentinnen des 68er-Feminismus. Ihnen haftete der Ruch entweder des moralischen Zwielichts oder der angemaßten beruflichen und vor allem auch erotischen Selbstständigkeit an, der offenen Subversion.
Auch wenn dieses Bild heute an Kraft verloren hat und das Buch manchmal etwas platt den Sprung von der Zigarette mitten ins weite Feld der psychoanalytischen Interpretationen wagt - Rauchen ist noch immer mit unendlich vielen Bildern und Mythen verbunden. Die Zigarette kann Erotik, Heimat, Kreativität, Stress, Langeweile und Einsamkeit begleiten und bestätigen oder abschwächen. Rauchen ist identitätsstiftend und unter vielen denkbaren und anstrebbaren Identitäten ist die der Raucherin nicht die gesündeste aber wahrhaftig auch nicht die schlechteste - sagt Peri Rossi.

Man muss ihr nicht zustimmen, man kann in alledem einen erfolgreichen Mythos der Zigarettenkonzerne sehen, denn die Vernunft ist in jedem Fall auf Seiten der Nichtraucher und Nichtraucherinnen. Raucherinnen und melancholische Ex-Raucherinnen aber dürften dieses Buch wider alle Vernunft genießen - Genuss ist allemal selten vernünftig.


Cristina Peri Rossi
Die Zigarette. Leben mit einer verführerischen Geliebten

Aus dem Spanischen von Sabine Giersberg
Berenberg Verlag, erschienen September 2004
21,50 Euro
ISBN/EAN 3-937834-01-X
200596583775"


Literatur Beitrag vom 01.11.2004 AVIVA-Redaktion 

   




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