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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 07.03.2005

Scherwitz - Der jüdische SS-Offizier
Sarah Ross

Wer war Dr. Eleke Scherwitz? Die Autorin Anita Kugler rollt in ihrer wissenschaftlichen wie kriminalistischen Biographie das wahre Leben des mutmaßlichen Kriegsverbrechers auf.



Im Leben und Schicksal des "jüdischen SS-Offiziers" Eleke Scherwitz scheinen sich die Tragödien und Absurditäten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu vereinen. Die Autorin hat sich auf die beispiellose, biographische Spurensuche des Juden, SS-Untersturmführers, KZ-Kommandanten, Mörders und Judenretters Eleke Scherwitz gemacht. Zu dessen Person sind die Faktenlagen laut Autorin "dünner als chinesisches Seidenpapier". Keinerlei Dokumente können einwandfrei die Herkunft der Hauptperson belegen. Wann und wo wurde er geboren? Wer waren seine Eltern? Wie lautet sein richtiger Name? Eleke Scherwitz, Elias Sirewitz oder Fritz Scherwitz? Fest steht jedoch, dass der Kindersoldat eines litauischen Freikorps "sich später zu einer der seltsamsten Figuren in der Geschichte der SS entwickelte".

Lediglich die Angaben in seinem Lebenslauf, den 1935 zur "Erlangung der Verlobungsgenehmigung" einreichte, geben Hinweise zu seiner Biographie.
Als Sohn eines Tischlermeisters 1903 in Ostpreußen geboren, soll der Katholik Scherwitz als Werkzeugmacher gearbeitet haben. Seine Eltern und persönlichen Urkunden habe er in den Wirren des Ersten Weltkriegs verloren.
Im November 1933 trat Fritz Scherwitz in die SS ein. Auch die Informationen zu den Stationen seiner Polizeikarriere, die 1939 im besetzten Polen begann, sind lückenhaft. Mit seiner Versetzung nach Riga (Lettland) 1941, wo er das KZ-Außenlager "Lenta" leitete, und seit 1943 als Fachführer im Rang eines SS-Untersturmführers tätig war, beginnen die eigentlichen Wirren um seine Person: Manche der bei ihm im KZ beschäftigten "jüdischen Handwerker nannten ihn "Chaze", Kamerad, Beschützer, Lebensretter". Wiederum andere, die heute seine Rehabilitation fordern, warfen ihm Mord und Bestechlichkeit vor.
Gleich nach dem Krieg erklärte Scherwitz, dass er in Wahrheit Jude sei, was ihm jeder glauben wollte. Als "Treuhänder aller jüdischen Eigentümer" und Regionalleiter für die Betreuung der NS-Opfer, begann er eine antifaschistische Karriere unter amerikanischer Besatzung. Trotz der Behauptung, er sei nur aus Eigenschutz in die SS eingetreten, sollte ihn seine Vergangenheit bald einholen:
"Am 26. April 1948 wird Dr. Eleke Scherwitz…als mutmaßlicher Kriegsverbrecher verhaftet". 1950 wurde Scherwitz vom Schwurgericht München trotzt mangelnder Beweise wegen Totschlags zu sechs Jahren haft verurteilt. Man warf ihm vor, 1944 drei jüdische Häftlinge auf der Flucht erschossen zu haben. Dabei wurde ihm seine jüdische Herkunft als strafverschärfend angekreidet, da "die Tötung eigener Rassegenossen" als eine "besonders verwerfliche" Tat aufgefasst wurde.
1962 starb Scherwitz und wurde unter seinem jüdischen Namen Eleke Sirewitz begraben.

AVIVA-TIPP: In ihrer spannenden und verstörenden Biographie zu Eleke Scherwitz, in der nichts so ist, wie es zu sein scheint, geht Anita Kugler der Frage nach, ob es sich bei der Hauptperson um einen Mörder oder um ein Justizopfer handelt.

Zur Autorin: Anita Kugler ist Buchhändlerin, Historikerin und Journalistin. Viele Jahre war sie bei der "tageszeitung" für das politische Buch und zeitgeschichtliche Themen zuständig. Die Autorin, deutsch-baltischer Herkunft, wurde vom Museum "Juden in Lettland" zum "Mitglied Nummer 2" ernannt.


Anita Kugler
Scherwitz. Der jüdische SS-Offizier
.
Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln. Erschienen August 2004.
758 Seiten
ISBN 3-462-03314-X
29,90 Euro200883609475"


Literatur Beitrag vom 07.03.2005 Sarah Ross 

   




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