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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 19.03.2005

Drei Frauen, gelesen von Otto Sander und Christoph Waltz
Sabine Grunwald

Robert Musil beschreibt mit großem Können in drei exemplarischen Geschichten die ewige Fremdheit zwischen den Geschlechtern und das Unvermögen, einander näher zu kommen.



"Musil ist der Meister der psychischen Zwischentöne und der Bewusstseinsphänomene. Mit der Liebe werden wir nie klar kommen...vor allem nicht, wenn wir Männer sind." Sein Thema geht Musil ganz aus der männlichen Perspektive an, die ProtagonistInnen lässt er erzählen, was ihnen widerfahren ist.

Neben der psychologischen Tiefenschärfe Musils verleihen auch die gegensätzlichen Frauenfiguren den drei Erzählungen ihren Reiz. Die Bäuerin Grigia schildert Musil (durch die männliche Sichtweise) genauso präzise, wie eine portugiesische Aristokratin und letztendlich die Verkäuferin Tonka. Dennoch kommen die Erzählungen alle zum selben Schluss: Die Schwierigkeiten und Probleme, die die Liebe mit sich bringt, sind schwerlich zu überwinden.

In Grigia verlässt Homo Frau und Sohn und begleitet als Geologe eine Expedition in ein abgelegenes italienisches Bergdorf. "Kurze Zeit danach war er der Geliebte einer Bauernfrau geworden, diese Veränderung, die mit ihm vorgegangen war, beschäftigte ihn sehr, denn ohne Zweifel war da nicht etwas durch ihn, sondern mit ihm geschehen." Er ist von ihrer natürlichen und offenen Art angetan und findet mit ihr zusammen ein tragisches Ende, als sie vom Ehemann unvermutet entdeckt werden.

Die Portugiesin verlässt als junges Mädchen ihre Heimat und folgt dem charmanten Herrn von Ketten auf seine unwirtliche Burg. Zuhause angekommen verwandelt sich der liebenswürdige Werber in einen Fremden, der elf Jahre in den Kampf zieht und kaum Frau und Kinder kennt. Erst eine tödliche Verwundung zwingt ihn zum Umdenken.

Tonka ist eine kleine Verkäuferin ohne großes Selbstvertrauen. Sie lebt allein durch ihren Geliebten. Eines Tages wird sie schwanger und verliert ihre Stellung. Ihr Lebensgefährte kommt zu der Überzeugung, dass das ungeborene Kind nicht sein Eigenes sein könne. Obwohl seine Mutter drängt, sich von der Gefährtin zu trennen, hält er an ihr fest. Erst ihr Tod befreit ihn von der Bindung.

Otto Sander und Christoph Waltz sind in Stimmlage und Typus ganz unterschiedlich, dadurch entsteht als Hörerin das Gefühl, in völlig grundverschiedene Charaktere einzutauchen.

Robert Musil, geboren am 6.11.1880 in Klagenfurt (Kärnten), wuchs in Steyr und Brünn auf, besuchte Militärschulen und studierte in Wien Maschinenbau. Nachdem er die Matura nachgeholt hatte, studierte er Psychologie und Philosophie und dissertierte 1908 in Berlin. 1911-14 arbeitete er als Bibliothekar an der Technischen Hochschule in Wien und schrieb an dem Drama "Die Anarchisten" (späterer Titel "Die Schwärmer", 1921). Anfang 1914 wurde Musil Redakteur der "Neuen Rundschau". Im 1. Weltkrieg war er an der Südfront und 1918 wurde er ins Kriegs-Pressequartier versetzt. Ab 1922 lebte er als freier Schriftsteller in Wien, 1931-33 in Berlin, kehrte dann nach Wien zurück und emigrierte 1938 in die Schweiz. Ab 1939 lebte Musil in Genf, wo er unbekannt und verarmt am 15.4.1942 starb.

Seine erste große Erzählung, "Die Verwirrungen des Zöglings Törleß" (1906), thematisiert die Begegnung mit Sexualität, Gewalt und dem Fremden im Allgemeinen. Die Erzählungen "Drei Frauen" erschienen 1923. Sein Magnus Opus der Roman "Der Mann ohne Eigenschaften" blieb unvollendet: 1930 erschien der 1.Teil, 1933 der 2.Teil und 1943 ein 3.Teil, der als Fragment von Musils Witwe aus dem Nachlass herausgegeben wurde. In einer umfassenden Gesamtschau setzt sich Musil darin mit dem Zerfall der Habsburgermonarchie ("Kakanien") auseinander, der für die Auflösung der Weltordnung schlechthin steht.

Otto Sander, geboren am 30. Juni 1941 in Hannover, gibt 1965 sein Debüt an den Düsseldorfer Kammerspielen. 1967/68 geht er ans Theater nach Heidelberg, dann an die Freie Volksbühne Berlin. Ab 1970 ist er bei Peter Stein an der Schaubühne am Hallerschen Ufer in Berlin, wo er spielt und inszeniert. Bundesweit kennt man ihn durch die Aufzeichnungen oder auch Kinoinszenierungen der Stücke: Kleists "Prinz Friedrich von Homburg" (1972), die "Optimistische Komödie" (1973) und "Die Bakchen" (1974). In Andrzej Wajdas "Eine Liebe in Deutschland" (1983) ist Sander der Sprecher. Gemeinsam mit Bruno Ganz realisiert er das Schauspielerporträt über Curt Bois "Das Gedächtnis". 1980 spielt er bei Werner Schroeter in "Palermo oder Wolfsburg", 1981 in Carl Schenkels "Kalt wie Eis", schließlich spielt er die Titelrolle in Hartmut Schmiege und Christian Rateukes "Der Mann im Pyjama" (1981) - dafür erhält er ein Jahr später den Ernst-Lubitsch-Preis.
Außerdem arbeitet Otto Sander häufig für Fernsehen, ist Moderator, Synchron- und Radio-Sprecher und tritt bei Lesungen auf. Otto Sander liest Grigia und Tonka.

Christoph Waltz, geboren am 4. Oktober 1956 in Wien. Der Schauspieler fällt vielen deutschen KinobesucherInnen erstmals als Hauptkommissar Becker in Peter Fratzschers seltsamen Thriller "Sieben Monde" (1998) auf. Einen weiteren Publikumserfolg hat er als melancholisch frustrierter Romanautor, für den Hemingway das große Vorbild ist, in Marc Rothemunds "Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit" (1998). Christoph Waltz ist bereits seit Ende der 70er Jahre als Schauspieler aktiv. So sah man ihn etwa in "Feuer und Schwert - Die Legende von Tristan und Isolde" (1985) oder in dem Mehrteiler "Lenz oder die Freiheit" (1986). Besonders auffällig war seine Darstellung des Maximilian Kolbe in Krzysztof Zanussis "Leben für Leben" (1991). Christoph Waltz liest Die Portugiesin.

AVIVA-TIPP: Ein Hörvergnügen ohnegleichen, auch wer die Erzählungen bereits gelesen hat, wird sich gerne von den beiden so unterschiedlichen Stimmen verführen lassen.


Otto Sander & Christoph Waltz lesen
Drei Frauen
von Robert Musil

Tacheles/Roof Music GmbH
3 CDs (ungekürzte Fassung) Dauer 3 Std. 34 Minuten
ISBN 3-936186-78-2
19,90 Euro
200683725588"



Literatur Beitrag vom 19.03.2005 Sabine Grunwald 

   




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