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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 28.03.2005

Ulla Meinecke. Im Augenblick
Ruth Niehaus

Das Buch enthält alle Liedtexte der Songschreiberin. Sie erzählt von den Jahren, in denen ihre Platten erschienen sind. Dazu gibt es sehr schöne Fotos u.a. von Jim Rakete.



Am Anfang stehen die Stones und Jimi Hendrix. Wunderbar nachvollziehbar erzählt Meinecke, was Rock n Roll für sie bedeutete und wohl immer noch bedeutet, denn kein Zweifel, hier sind ihre Wurzeln, auch ohne sichtbare Insignien wie Nieten oder Drogenprobleme. Sie ist 13 und sitzt mit der "scharfgemachten" Gitarre vor dem Radio und versucht, die Harmonien von "Jumpin´ Jack Flash" herauszukriegen und mit dem Langenscheidt den Sinn zu entschlüsseln. "I was born in a crossfire hurricane".
Mit 15 beginnt sie, stark beeindruckt von Kurt Tucholsky, ihre eigenen Texte zu schreiben. Sie wohnt in Frankfurt in besetzten Häusern, verdient ihren Lebensunterhalt mit Gelegenheitsjobs. Mal arbeitet sie, die leidenschaftliche Leserin, in einer Buchhandlung, später als Barfrau in einem Nachtclub, mit zwei anderen Ungelernten bildet sie ein Art "Baubrigade".
Sie besucht so viele Rock- und Soulkonzerte, wie sie sich leisten kann und ist nachhaltig beeindruckt von Jimi Hendrix. "Man kann Hendrix nicht in einer beengten, geduckten Lebenslage hören, ohne daß er einem weh tut. Wenn man nicht wirklich bei sich ist und gut atmet, macht er einem Angst". Hier schimmert durch, dass Rock n Roll für Meinecke mehr ist als eine Erinnerung.

Auf der Suche nach Musikerinnen für eine Frauenband bekommt Udo Lindenberg ein Demo mit drei selbstkomponierten Liedern von Ulla Meinecke in die Hand, darunter "Für dich tu ich fast alles". Er lädt sie ein sich mit ihm in Hamburg zu treffen. Überzeugt von ihrem Potential bringt Lindenberg 1977 ihre erste Platte "Von toten Tigern und nassen Katzen" auf den Weg.

Im September 1979 zieht sie von Hamburg nach Berlin, um sich eine eigene Band zu suchen. Sie lernt den Fotografen Jim Rakete kennen, der sie Herwig Mitteregger vorstellt. Zusammen mit ihm (wer erinnert sich nicht an die Spliff-Zeile "der rote Hugo hängt tot am Seil") Edo Zanki und Rio Reiser entstehen mehrere Alben. Den ersten großen Chartserfolg erzielt sie 1983 mit "Die Tänzerin", das dazugehörige Album "Wenn schon nicht für immer, dann wenigstens für ewig" wird "Platin-Bestseller".

Genauso schnörkellos wie erfolgreiche Platten und Tourneen erwähnt sie auch Zeiten der Stagnation und vorübergehenden Orientierungslosigkeit. 1996 ist so ein Jahr. Sony Music möchte keine weitere Platte mehr von ihr, mit dem Tod von Tamara Danz und Rio Reiser verliert sie zwei Freunde. Eindringlich beschreibt sie, wie Reisers Tod zum Medienereignis wird und sich verschiedenste WeggefährtInnen als die wahren Rio-Exegeten präsentieren.
Sie selbst steht vor der Wahl, aufzugeben oder einen neuen Weg zu suchen.
Und schnell wird ihr klar: "Wenn sie einem die Tür zunageln, klettert man eben staubig aus dem letzten Kellerfenster."

"Ich wollte spielen. Das war immer der Lieblingsteil meines Berufes gewesen", schreibt sie in diesem Kapitel. Und so wagt sie sich, begleitet nur von Reinmar Henschke am Piano, auf die Bühnen von Theatern und kleineren Clubs - mit großem Erfolg. Mittlerweile spielt sie wieder mit größerer Besetzung vor einem nach wie vor treuen Publikum. Fester Bestandteil ihrer Konzerte sind kleine Geschichten, die alltägliche Begebenheiten oder Phänomene schmunzelnd oder stirnrunzelnd, aber immer präzise beschreiben. Einige sind auch im Buch nachzulesen.

Die so beliebten Fotos mit anderen Größen aus der Branche sind rar, weil Meinecke derartige Erinnerungsstücke nicht in ihren Schubladen hortet. Die Begegnungen und Erlebnisse selbst seien ihr wichtiger gewesen, schreibt sie im Epilog.
"Im Augenblick" konnte dennoch mit vielen schönen Fotos bestückt werden, darunter einigen von Jim Rakete.

Es steht viel zwischen den Zeilen, die Ulla Meinecke über die Stationen ihres Weges schreibt. Im Epilog kommentiert sie kurz, was beim Lesen angenehm auffällt. Sie gibt Einblicke in ihre musikalische Entwicklung, zerrt dafür aber weder ihr Privatleben noch das ihrer FreundInnen ins Scheinwerferlicht. Sie braucht kein name-dropping, um sich zu präsentieren. Diese Frau hat sich keiner Bewegung angeschlossen und sich nicht "machen" lassen. Sie ist ihrem inneren Kompaß gefolgt und hat sich in der intensiven Zusammenarbeit mit anderen MusikerInnen weiterentwickelt.

AVIVA-Tipp: "Im Augenblick" ist ein Muß für alle Fans und eine Entdeckung für Leute, denen zu Ulla Meinecke nur der Refrain von "Die Tänzerin" einfällt.

Neben ihrem Buch hat Ulla Meinecke ein gleichnamiges Album herausgegeben.
Die offizielle, sehr schön gestaltete Homepage der Künstlerin, unter www.ulla-meinecke.de, bietet weitere Informationen und eine Möglichkeit, sich mit anderen Fans auszutauschen.

Lesen Sie auch das Interview mit Ulla Meinecke.


Ulla Meinecke
Im Augenblick

Texte / Fotografien / Bühnengeschichten
Verlag Schwarzkopf und Schwarzkopf, erschienen am 15. März 2005
272 Seiten, 111 Abb., Premium Paperback auf Kunstdruckpapier
ISBN 3-89602-617-8
19,90 Euro

http://www./isbn/3896026178?r=aviva-berlin"



Literatur Beitrag vom 28.03.2005 AVIVA-Redaktion 

   




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