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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 05.04.2005

Als verberge sich ein Nichts im Schweben
Gabriele Mittag

Der Portrait-Band "Berlin ist eine Frau" versammelt die besten Reportagen von Waltraud Schwab. Eine gelungene Mischung aus Lesebuch, Geschichtsdokument und Stadtführer der besonderen Art



Bücher über Berlin gibt es bekanntlich viele: Sachbücher, Reiseführer oder auch historische Abhandlungen. Aber wie viele Berlinbücher gibt es, in denen die Toilettenfrau eines Berliner Clubs ihre Lebensgeschichte unterhaltsam und berührend erzählt oder eine Berlinerin zu Wort kommt, die sich mit großer Liebe ein Schwein hält wie andere Katzen oder Hunde? Solche Geschichten finden sich in dem Buch "Berlin ist eine Frau". Der Portraitband ist eine Mischung aus Lesebuch, Geschichtsdokument und Stadtführer der besonderen Art - die "Sehenswürdigkeiten" sind keine historischen Gebäude, Straßen oder andere architektonische Vermächtnisse, sondern Menschen: genauer gesagt Berlinerinnen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: bekannte Künstlerinnen und Mitstreiterinnen der Frauenbewegung wie Sarah Schumann oder Laura Galatti, die ehemalige Rotarmistin Guenia Smuschkewitsch, die behinderte Schauspielerin Martina Nitz, die kämpferische Rechtsanwältin Seyran Ates, die "Weddinger Göre" Ariane Damerow oder die türkische Unternehmerin Yasemin Tasev.

Insgesamt versammelt der Band 27 Porträts, allesamt erschienen in den letzten Jahren in der Frankfurter Rundschau, der "tageszeitung", dem "Freitag" oder der FAZ. Sie repräsentieren das journalistische Destillat der Berliner Autorin.

Die Sprache der Portraits ist originell, genau, literarisch, humorvoll und tiefgründig, immer mit Respekt und ohne Wertung, Bewertung der Portraitierten. Die Autorin zoomt sich ganz nah heran und verschmilzt doch nie mit dem Objekt der Erzählung. Nie wird in der ersten Person erzählt, immer in der dritten, immer von außen. Die Porträts gehören in ihrer sprachlichen Brillanz einer selten gewordenen Spezie des literarischen Journalismus an, der einerseits das Individuum in den Mittelpunkt stellt und nichts anderes will, als diesem einen Menschen gerecht zu werden, gleichzeitig aber auch immer in einem hohen Maße soziale Realität und Zeitgeschichte einfängt. Die Portraits gehören keineswegs der Protokollliteratur an wie sie in der DDR und der BRD in den 70er und 80er Jahren besonders von Frauen viel gelesen wurde. Dennoch stellt sich die Erinnerung an Bücher wie Maxie Wanders "Guten Morgen, du Schöne" ein. Denn, um portraitiert, befragt zu werden, müssen die Frauen nichts Besonderes sein, weder reich noch schön oder erfolgreich: Jeder Mensch ist ein Stück Welt, ein Stück Berliner Geschichte und Gegenwart, die es verdient, erzählt zu werden. Aber zugegeben: Die Texte der Journalistin sind in erster Linie eine Liebeserklärung an Frauen, die den Mut und das Talent haben, aus vorgegebenen Bahnen auszuscheren, die ihrem existenziellen Bedürfnis nach Aneignung der Welt durch Musik, Lyrik und Kunst nachgeben, die weiterleben trotz Trauma, Behinderung, Entwurzelung. Es sind eher die "outlaws", die Über(-lebens)künstlerinnen, Migrantinnen verschiedener Generationen, ungewöhnliche Ost- und Westbiographien, Transsexuelle und psychische Grenzgängerinnen, die hier portraitiert werden. Frauen, die sich nicht zufrieden geben mit dem was ist, die sich nicht unterkriegen lassen, die sich und ihren (politischen) Idealen treu bleiben wollen. Und der Titel? "Berlin", so heißt eine real existierende und im Buch porträtierte Türkin, die von ihren Eltern so genannt wurde. Berlin, so finden sie, das klingt zart und herb, extravagant und einfach, wild und widerspenstig in einem. In jeder Frauenbiographie spiegelt sich ein anderes Stück Berliner Geschichte. Die Texte archivieren, was mit atemberaubender Geschwindigkeit aus dem Stadtbild, aus dem Gedächtnis, aus dem Bewusstsein verschwindet.

Natürlich wird auch auf diese Stadt geschimpft: Auf den Lärm, den Dreck, die Unverbindlichkeit der Menschen. Aber der Zorn hält nicht lange an, wer einmal hier ist und den Freiraum sucht, der bleibt. "Leicht ist es, mit Miss Lata über den bösartigen Charme Berlins zu sprechen. Am Anfang hat ihr die Stadt nicht gefallen", schreibt die Autorin über die Designerin Miss Lata. "Aber dann, nachdem jeder Mensch, den sie kennen lernte, ihr das Besondere auf eine andere Weise schilderte, hat sie Feuer gefangen." Manchmal hält man es nicht mehr aus, schreit: Ich muss weg! Kaum ist man weg, bekommt man Heimweh nach Berlin." Die gebürtige Spanierin, Spezialistin des Blechbearbeitungshandwerks, hat eine Kollektion entworfen, die heißt "Berlin macht mich süchtig". Ein Titel aus dieser Kollektion lautet: "Wenn Berlin lacht." "Miss Lata hat dazu einen Hosenanzug mit weitem Beinschlag aus leeren Zahnpastatuben gefertigt. Ein bißchen Hippie- und Ich-bin-bei-mir-Look. Eigenwillig natürlich. Leicht. Als verberge sich im Nichts ein Schweben", sagt die Designerin.

"Berlin ist eine Frau" ist eine Einladung für Fremde und Einheimische, hinabzutauchen in die Lebenswelten und verschiedenen Epochen einer Stadt, Metropole, die nicht aufhört ein Abenteuer zu sein an Spuren historischer Epochen, Rätseln, Vermächtnissen und Abenteuern. Das Buch ist eine Ermutigung für alle Frauen, sich von allen vorgestanzten Sätzen und vorfabrizierten Bildern der bunten, fröhlichen Medien- und Werbewelt freizumachen und sich für den ganz eigenen, individuellen Weg zu entscheiden.


Waltraud Schwab
Berlin ist eine Frau

Reportagen und Porträts
Jaron Verlag, erschienen März 2005
14,90 Euro
ISBN/EAN 3-89773-518-0200770392975"


Literatur Beitrag vom 05.04.2005 AVIVA-Redaktion 

   




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