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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 07.04.2005

Geschichte meines Lebens
Sarah Ross

Aharon Appelfeld schildert die Erinnerungen eines jüdischen Jungen, dessen behütete Kindheit mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges abrupt endet. Er zeichnet ein berührendes Bild seines Lebens nach.



"Manchmal genügt der Geruch von gammeligem Stroh oder ein Vogelschrei, um mich weit weg und tief in mich hinein zu schleudern". So beschreibt Appelfeld in seinem jüngsten Roman die plötzlichen Ereignisse, die jederzeit die verborgenen Erinnerungen an seine frühe Kindheit wachrufen können - denn der "Krieg [sitzt] in allen Gliedern".
Die Erinnerungen und Erfahrungen des kleinen, jüdischen Jungen an seine behütete Kindheit und seine assimilierten Eltern in Czernowitz und schließlich an den Holocaust, sind gebündelte Aspekte von Appelfelds Leben. Er erzählt sie so, wie das Leben sie in sein Gedächtnis eingebrannt hat, nämlich flüchtig und selektiv.
Sein Leben beschreibt er aus der Perspektive des kleinen Jungen, der er einmal war: Somit verzichtet er auf Zahlen, Fakten, tatsächliche Namen und stringente Zusammenhänge, da Kinder sich diese nicht merken. Die "Geschichte meines Lebens" ist keine Autobiographie im üblichen Sinne, sondern eine bewegende Reflexion und Zusammenfassung von Fragmenten seiner Erinnerungen an den Holocaust und die Nachkriegsjahre in Israel.

Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges ist der in Czernowitz geborene Schriftsteller, Aharon Appelfeld, sieben Jahre alt, als seine Kinderwelt zusammenbricht. Diese rekonstruiert er mittels der Figur des kleinen Jungen Erwins: Die Todesschreie seiner Mutter, als Deutsche und Rumänen sie ermordeten, begleiteten ihn sein Leben lang, ebenso wie die Erfahrungen, die er auf seiner Flucht sammelte. Nach dem Aufenthalt im Ghetto und einem Todesmarsch durch die Steppen der Ukraine trifft er im ukrainischen Lager ein und wird von seinem Vater getrennt. Hier beginnt Erwins persönliche Odyssee: Ihm gelingt die Flucht aus Auschwitz in die Wälder, wo er sich alleine, von Tieren umgeben, versteckt. Ein Baum mit roten Äpfeln soll sich dem hungernden Kind unauslöschlich einprägen. Der gejagte, elternlose Junge findet bei einer Dorfhure Arbeit und gerät in Durchgangslagern in die Fänge von Gauklern, Schmugglern und Dieben, bis er schließlich die Gesichter seiner Eltern und sein Zuhause fast vergessen hat.

1946 kommt der Holocaust-Waise über Italien mit einem Schiff nach Israel, erlebt dort die Staatsgründung und die Aufbauphase: "Er kommt allein und ohne Sprache, ein vierzehnjähriger Junge der alles verloren hat und von vorn beginnen muss", so der Verlag. Doch im jüdischen Pionierstaat waren die Erinnerungen, die Appelfeld in sich trug, unerwünscht. Daher war Palästina auch kein Ort, an dem das Erlebte verarbeitet und reflektiert werden konnte, was schließlich das Vergessen zur Folge hatte. Auch wenn der Autor denkt, dass es Quellen gibt, die tiefer liegen als die Sprache, so dreht sich seine Lebensgeschichte letztendlich doch um diese:
Um die deutsche Muttersprache, um Jiddisch als ein Relikt aus der Vergangenheit, und um das Hebräische, der Sprache der Zukunft und es Fortbestands.

AVIVA-Tipp: Die "Geschichte meines Lebens" ist eine Geschichte vom Verlust der Heimat und der Sprache, von der Angst, dem Misstrauen, dem Fremden und einem inneren Widerstand sich mitzuteilen. Auch wenn sich diese Erinnerungen lesen, als hätte sie ein anderer erlebt, stellen sie ein unmißverständliches und nüchternes Zeugnis der Shoah und ihrer Auswirkungen dar. Den Kampf zwischen Erinnerung und Vergessen, Reden und Schweigen übermittelt der Autor in diesem klugen und poetischen Buch.

Über den Autor: 1932 wurde Aharon Appelfeld im ehemals rumänischen Czernowitz, der Hauptstadt der Bukowina, geboren. Nach sechs Jahren Verfolgung und Krieg, die er im Ghetto, im Lager, dann in den ukrainischen Wäldern und schließlich als Küchenjunge bei der Roten Armee überlebte, kam er nach Israel. Seine Romane sind international hochgelobt und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Der in Jerusalem lebende Autor wurde auch mit dem National Jewish Book Award ausgezeichnet.

Jetzt als Taschenbuch im Rowohlt Verlag erschienen
Aharon Appelfeld: Geschichte eines Lebens
Originaltitel: sippur chajim

rororo Taschenbücher
Übersetzt von Anne Birkenhauer.
Rowohlt Taschenbuch Verlag, erschienen 1. Juli 2006
ISBN: 3499242478
EAN: 9783499242472
Libri: 8474583
Kartoniert, 201 Seiten
8,90 Euro90008115&artiId=5178400&nav=5081"


Aharon Appelfeld
Geschichte meines Lebens

Ins Deutsche übersetzt von Anne Birkenhauer
Rowohlt Berlin, Januar 2005
208 Seiten, gebunden
ISBN 3-87134-508-3
17,90 Euro90008115&artiId=2834751"


Literatur Beitrag vom 07.04.2005 Sarah Ross 

   




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