Im Schatten des Bruders - Fanny Hensel, geb. Mendelssohn - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
Aviva-Berlin .
.
P
R
.
.

AVIVA_gegen_AFD Happy End
Aviva-Berlin > Literatur AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   Jüdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Romane + Belletristik
   Biographien
   Jüdisches Leben
   Sachbuch
   Graphic Novels
   Art + Design
   Lesungen in Berlin
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Chanukka 5778




Gleichstellung weiter denken. Ein Leitbild für das Land Berlin

Gleichstellung weiter denken
Mehr Infos unter:
www.gleichstellung-weiter-
denken.de



Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 14.06.2005

Im Schatten des Bruders - Fanny Hensel, geb. Mendelssohn
Ruth Niehaus

Anhand ihres Briefwechsels mit dem geliebten wie verehrten Bruder Felix sowie 11 Liedern gelingt dem Label o-ton-produktion ein wundervolles Portrait der außergewöhnlichen Musikerin und Komponistin



In diesem Jahr jährt sich der Geburtstag von Fanny Hensel, bestenfalls bekannt als Schwester des großen Felix Mendelssohn Bartholdy, zum 200. Mal. Neben Robert Schumann und Carl Maria von Weber gilt sie als ebenbürtige Schöpferin des romantischen Kunstliedes: Über 300 Lieder und größere Kammermusikwerke und Kantaten hat sie in ihrem nur 41jährigen Leben komponiert.
Sie habe mit ihrem Bruder auch die Schwesternschaft des Talents geteilt, und in der Musik einen Grad der Ausbildung erreicht, dessen sich nicht viele Künstler, denen die Kunst ausschließlicher Lebensberuf ist, rühmen dürften, urteilte ein zeitgenössischer Musikkritiker in einem Nachruf auf Hensel.

1805 als erstes von vier Kinder und Enkelin des Philosophen Moses Mendelssohn geboren, wird sie ganz im Sinne einer äußerst bildungsfreundlichen Familientradition erzogen. Vater Abraham, ein erfolgreicher Bankier, den die antisemitische Gesetzgebung in den Kaufmannsberuf gezwungen hatte, und Mutter Lea verwirklichten ihr Bildungsideal nunmehr in der Förderung ihrer Kinder. Bachsche Fugenfinger habe das Mädchen, freute sich Frau Mendelsohn, selbst eine begnadete Pianistin, über ihr Erstgeborenes. Die musikalische Ausbildung und Förderung erfolgt zunächst ungeachtet des Geschlechts - der vier Jahre jüngere Felix und Fanny haben Unterricht bei denselben Lehrern.

Doch bald muss Fanny erkennen, dass sie sich als Frau in ihrer Arbeit nur begrenzt entfalten darf. Die Musik zu ihrem Beruf zu machen erscheint dem Vater wie dem Bruder undenkbar. Nur Zierde, niemals Grundbass ihres Seins und Tuns, sei das Musizieren, schreibt Abraham seiner 15jährigen Tochter. Auftrittsmöglichkeiten und Veröffentlichungen bleiben ihr, im Gegensatz zu ihrem Bruder weitgehend verwehrt.

Das musikalische Wirken ist streng beschränkt auf den häuslichen, wenn auch im Rahmen der Salonkultur halböffentlichen Bereich. Mit großem Erfolg engagiert sich Fanny als Dirigentin und Solistin, bei den von ihrem Vater initiierten "Sonntagsmusiken" im Hause Mendelssohn. Nach dem Fortgang des Bruders übernahm Fanny die Leitung. Mit Heinrich Heine, den Brüdern Humboldt, Rahel Varnhagen von Ense und Clara Schumann liest sich die Gästeliste wie ein "Who is Who" des kulturellen Lebens im Berlin des frühen 19. Jahrhunderts.

In ihrer Rolle als Ehefrau des Malers Wilhelm Hensel, den sie 1829 heiratet, fühlt sie sich unerfüllt und unerkannt, Depressionen rauben ihr in dieser Zeit jede Kreativität. Anders als ihr Bruder Felix, zeigt sich Hensel aber von einer fortschrittlicheren Seite: er zeigt nicht nur Verständnis für die Begabung seiner Frau, sondern fördert auch ihre musikalischen Ambitionen.

Ohne den Segen ihres Bruders traut sich Fanny jedoch lange nicht, ihre Werke zu publizieren. Obschon ein großer Verehrer der Kunst seiner Schwester, stellt sich Felix quer: "...zu einer Autorschaft hat Fanny, wie ich sie kenne, weder Lust noch Beruf - dazu ist sie zu sehr eine Frau, wie es recht ist, sorgt für ihr Haus und denkt weder an das Publikum noch an die musikalische Welt."

Kurz vor ihrem Tod ringt er sich durch und erteilt "seinem liebsten Fenchel" in einem knappen Brief den "Handwerkssegen". Fanny Hensel darf veröffentlichen. Sie hat nur wenig Zeit, am 14. Mai 1847 erleidet sie während einer Probe einen Gehirnschlag und stirbt.

AVIVA-Tipp: Ein Dank an das kleine Label O-Ton für diese schöne Produktion: Eingerahmt werden die Lieder von leicht und lebendig vorgetragenen Briefen, die ein facettenreiches Bild der Künstlerin und ihrer Beziehung zu ihrem Bruder zeichnen. Und die Musik von Fanny Hensel gehört in die Kategorie "Es gibt noch so viel Wunderbares zu entdecken und das Leben ist so kurz."


Nach Süden
Fanny Hensel, geb. Mendelssohn
Komponistin - Dirigentin - Schwester
Ein Briefwechsel und 11 Lieder

Länge: 62 Minuten
ISBN: 39810256-1-X
Preis: 15,90 Euro

Besetzung:
Der Erzähler: Markus Hoffmann
Fanny Hensel: Beate Kurecki
Felix Mendelssohn Bartholdy: Andreas Hueck
Johanna Kinkel: Lale Yanick
Abraham Mendelssohn Bartholdy: François Smesny
Klavier: Mechthild Winter
Gesang: Barbara Tisler
Textfassung: Aloysia Assenbaum

Erhältlich über O-Ton-Produktion:
www.o-ton-produktion.de
kontakt@o-ton-produktion.de


Literatur Beitrag vom 14.06.2005 AVIVA-Redaktion 

   




   © AVIVA-Berlin 2017  
zum Seitenanfang suche sitemap impressum home Seite weiterempfehlenSeite drucken