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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 20.07.2005

Schnitt - Minutenromane
Karin Effing

Mit scharfen Schnitten seziert Corinna Waffender die Wirklichkeit. Die Texte blitzen kurz in aller Schärfe auf und beleuchten Krankheit, Trennung und Selbstverlust. Sie beeindrucken nachhaltig.



"Du. Das dort hinter der Glasscheibe bist du. Dein Kopf und alles, was du jemals gedacht hast, ist eingewickelt in einen weißen Verband, dein Gesicht ist so klein, dass ich dich kaum wiedererkenne, obwohl ich dich im Schlaf auswendig weiß.
"Fass mich nicht an", hast du heute Morgen gesagt, "ich will, dass du mich nie wieder anfasst!" Hier bist du vor jeder Berührung meiner Liebe sicher. Musstest du soweit gehen?"

Hier ist das Krankenhaus, in dem Anna im künstlichen Koma liegt, nachdem ihr ein Brett auf den Kopf gefallen ist.
Nun besucht die Protagonistin sie im Krankenhaus. Eine spärliche Unterhaltung findet über das Senken und Heben der Augenlider statt. Das Minimum einer Kommunikation: einmal Heben und Senken bedeutet "ja", zweimal Heben und Senken bedeutet "nein" als Antwort auf die Fragen, die die eine der Frauen stellt.
Ironie des Schicksals: Anna war schon immer der Meinung, dass ihr irgendwann ein Ziegel auf den Kopf fällt.
"Hinter Glas I" heißt dieser knappe schmerzhafte Text, der mit der Unmöglichkeit der Nähe arbeitet und vom Autorinnenforum Rheinsberg ausgezeichnet wurde.

Zerbricht man Glas, bleiben nur Scherben.
Hinter Glas ist die Geliebte, wodurch die Annäherung, die Berührung nicht möglich ist. Erst das Zertrümmern das Glases würde Begegnung möglich machen, aber Scherben schneiden auch. Eine Scherbe kann einen Schnitt, so der Titel des Buches, verursachen.
Und Schnitte sind wiederum eine sozusagen schmerzhafte Berührung, eine die zerstört, statt zu Erkunden.
Alle Texte ranken sich um dieses Bild des Schnitts. Als Einschnitt in die Geschichte mit der Öffnung der Mauer oder als Schere im Kopf. Als Einschnitte durch Krankheit und Operation, als Trennung, sozusagen Zerschneidung des Bandes zwischen zwei Menschen, als Schnitte in den Körper eines transsexuellen Menschen. Oder auch als Schnitt innerhalb der Seele eines Menschen, in dem die verschiedenen Stimmen sich bekämpfen und das Leben mit den Anderen so unmöglich macht.

Aus 16 Prosatexten setzt Corinna Waffender ein Mosaik aus Momentaufnahmen, kleinen Szenen und Dialogen zusammen, das durch seine präzise und poetische Sprache überzeugt.
Dabei hat jeder Teil seinen eigenen Stil und seine eigene Perspektive.
Die Knappheit der Beschreibung, die kleinen Fetzen Leben, die sich die Figuren abringen, fesseln die Leserin und einmal auf das Buch eingelassen, zieht es einen in seinen Bann.

Zur Autorin:
Corinna Waffender
geboren in Mainz, nach mehrjährigem Aufenthalt in Spanien Studium der spanischen und katalanischen Literaturwissenschaft in Deutschland. lebt als Autorin, Übersetzerin und Dozentin vorwiegend in Berlin. Seit 1983 Veröffentlichungen von Prosa und Lyrik in Anthologien. Literarische Auszeichnung (Autorinnenforum Rheinsberg 2000) für die in diesem Buch enthaltene Kurzprosa "Ohne Ende leben". Ihr erster Roman Zwischen den Zeilen erschien 2002 im Querverlag. Weitere Veröffentlichungen: Sevilla: Eine Liebeserklärung in "Einmal hin und quer!" (2004), Unberührt in "Bisse und Küsse 3" (2004), Szenen keiner Ehe in "Sappho küsst die Sterne" (2004) - alle im Querverlag erschienen.
(Verlagsinformation)


Schnitt. Minutenromane
Corinna Waffender

Querverlag, März 2005
ISBN 3-89656-112-X
Kartoniert, 164 Seiten
14,90 Euro200731742575v"



Literatur Beitrag vom 20.07.2005 AVIVA-Redaktion 

   




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