Angela Merkel - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
Aviva-Berlin .
.
P
R
.
.

Happy End AVIVA_gegen_AFD
Aviva-Berlin > Literatur AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   JĂŒdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Romane + Belletristik
   Biographien
   JĂŒdisches Leben
   Sachbuch
   Graphic Novels
   Art + Design
   Lesungen in Berlin
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Chanukka 5778




Gleichstellung weiter denken. Ein Leitbild fĂŒr das Land Berlin

Gleichstellung weiter denken
Mehr Infos unter:
www.gleichstellung-weiter-
denken.de



Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 29.08.2005

Angela Merkel
Karin Effing

Wer ist die Frau, die vielleicht mit der Wahl am 18. September 2005 unsere Kanzlerin werden wird? Zwei BiographInnen erkunden den Weg der studierten Physikerin zur Parteivorsitzenden der CDU.



An Angela Merkel kommt vor der immer nĂ€her rĂŒckenden Wahl zur neuen Bundesregierung niemand mehr vorbei. Aus der jungen Frau, die uns zum ersten Mal als Frauenministerin im Kabinett Helmut Kohls zu Bewusstsein kam, ist die Kanzlerkandidatin der CDU geworden, die uns von den Wahlplakaten entgegenlĂ€chelt.
Auch die Titelseite der Septemberausgabe der "Emma" ist ganz Angela Merkel gewidmet und auf der Wochenzeitung die "Zeit" kann der/die WĂ€hlerIn ihre Entwicklung gleich auf vier Bildern in einer Reihe verfolgen. Darunter steht neben dem Kreuzchen die Frage: "Ja, weil sie eine Frau ist?"

Alice Schwarzer stellt diese Frage im Editorial der neuen Emma-Ausgabe in Ă€hnlicher Weise. Sie fragt "Nur eine Frage des Geschlechts?" und stellt den Vergleich auf, wie es wohl wĂ€re, wenn der erste Schwarze (es ist tatsĂ€chlich nur die mĂ€nnliche Form benutzt) in den USA zur Wahl stĂŒnde. WĂŒrden dann nicht auch die Schwarzen in Betracht ziehen, ihn zu wĂ€hlen?
Sie formuliert an zwei Stellen desselben Textes fast sinngemĂ€ĂŸ: "Die konkreten Errungenschaften in diesen Bereichen [A.S. bezieht sich auf Frauen- und Familienpolitik, aber auch die Gleichstellung von Homosexuellen] werden in absehbarer Zeit von keiner zukĂŒnftigen Berliner Regierung zurĂŒck gedreht werden - egal welcher parteipolitischen Couleur sie ist - so lange es das gesamtpolitische Klima nicht zulĂ€sst." Ganz nach dem Motto, das Erreichte kann eine konservative Regierung nicht rĂŒckgĂ€ngig machen.
Was ist denn da passiert? Wirbt Frau Schwarzer fĂŒr Frau Merkel? Die CDU hat auf jeden Fall prompt reagiert. Auf der Startseite der Internetseite der CDU wird auf das Interview gleich unter dem Foto der Kanzlerkandidatin hingewiesen.
Karin Junker, Mitglied des SPD-Parteivorstandes und Vorsitzende der Kommission Gleichstellungspolitik, hat verstÀndlicherweise sofort mit einer Pressemeldung reagiert:
"WĂ€re ein Unionsmann Kanzlerkandidat, wĂŒrde es Emma bestimmt nicht schwer fallen, unter Hinweis auf das vorliegende Wahlprogramm den Daumen zu senken. Mit Ursula MĂ€nnle, Irmgard Karwatzki und Rita SĂŒssmuth hat EMMA drei Kronzeuginnen gefunden, die ĂŒberzeugender als alle politischen Gegnerinnen die frauen- und gleichstellungspolitischen Defizite der Union offen legen. "Frauenpolitik kommt in dem Programm nicht vor" (MĂ€nnle). "Das Wort Frau kommt in dem Programm gar nicht vor" (Karwatzki). "Ganz klar. Die Beteiligung der Frauen ist rĂŒcklĂ€ufig" (SĂŒssmuth)."
Außer dem im Zitat angesprochenen Interview findet die Leserin in der "Emma" ein Interview mit Frau Merkel, in dem sie sich zu ihrem Frausein bekennt. "Und damit meine ich jetzt nicht nur das Schminken [...] sondern auch einen sicher eher weiblichen Stil - wie ein bestimmter Humor oder eine manchmal andere Sprache - mit einzubringen in die Politik."
Woraufhin Alice Schwarzer endlich Tacheles reden möchte: "Nur, Frau Merkel, ist da auch Frau drin, wo Frau drauf ist."
Frau Schwarzer, deren Verdienste unbestritten sind, fĂŒhrt hier vor, was in den Geschlechterwissenschaften schon lange postuliert wird: Emanzipationspolitik kann und darf nicht an den Biologismen fest gemacht werden, durch die Diskriminierung selbst definiert wird. Das biologische Geschlecht von Angela Merkel sagt nichts ĂŒber ihre Genderkompetenz aus!

Wer ist Angela Merkel?
Sie wurde als Angela Dorothea Kasner am 17. Juli 1954 in Hamburg, der Heimatstadt der Mutter, geboren. Der aus Berlin-Pankow stammende Vater war in die Hansestadt gekommen, um evangelische Theologie zu studieren, denn in der DDR war dies nicht möglich. Horst und Herlind Kasner, geborene Jentzsch, traten sechs Wochen nach der Geburt des ersten von drei Kindern einen Weg ein, der ungewöhnlich war. WĂ€hrend im gleichen Jahr 180.000 Menschen die DDR verließen, entschieden sie sich, sich in Quitzow in der brandenburgischen Prignitz niederzulassen. Diese Entscheidung ging hauptsĂ€chlich auf den Wunsch des Vaters zurĂŒck, der seinen Platz da sah, wo er gebraucht wurde. In der DDR mangelte es an seelsorgerischen KrĂ€ften.
Drei Jahre spĂ€ter siedelte die Familie nach Templin um, einem beschaulichen StĂ€dtchen in der Uckermark. Der "Waldhof" außerhalb der historischen Stadtmauer wurde der endgĂŒltige Sitz der Familie Kasner.
Als Ehefrau eines Pfarrers durfte die Mutter trotz wiederholter AntrĂ€ge ihren erlernten Beruf als Lehrerin nicht ausfĂŒhren und widmete sich der Familie und der Erziehung der Kinder.
Die junge Angela Dorothea Kasner konnte erstaunlich frĂŒh sprechen, nur laufen wollte sie nicht so recht. Ihre Eltern mussten ihr erklĂ€ren, wie sie einen Berg hinunterlĂ€uft. Das spiegelt die erwachsene Frau wider, die mehr im Kopf als im Körper zuhause zu sein scheint.
Die Eltern vermittelten den Kindern frĂŒh, dass sie als Pfarrerskinder besonders gute Leistungen erbringen mĂŒssten, um spĂ€ter studieren zu können. Die SchĂŒlerin glĂ€nzte mit ausgesprochen guten Noten. SpĂ€ter studiert sie von 1873 bis 1978 Physik in Leipzig. Sie war dann wissenschaftliche Mitarbeiterin im Zentralinstitut fĂŒr Physikalische Chemie an der Akademie der Wissenschaften in Berlin. Mit einer Arbeit zur Teilchenbeschleunigung bei einfachen Kohlenwasserstoffen promovierte sie 1986 zum Dr. rer. nat.
Dann kam die Wende im doppelten Sinne, denn mit der sogenannten Wende in der DDR Àndert sich auch das Leben der Angela Merkel, die den Namen des Mannes, mit dem sie zwischenzeitlich verheiratet war, beibehalten hat. 1989 trat sie dem "Demokratischen Aufbruch" bei und wurde dessen Pressesprecherin. 1990 wurde sie dann zur stellvertretenden Regierungssprecherin der Regierung de MaziÚre ernannt.
Von 1991 bis 1998 war sie erst Bundesministerin fĂŒr Frauen und Jugend, dann Bundesministerin fĂŒr Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, wĂ€hrenddessen auch stellvertretende Parteivorsitzende. Von November 1998 bis April 2000 war sie dann GeneralsekretĂ€rin der CDU. Seit April 2000 Parteivorsitzende der CDU.
Sie ist mit dem Quantenchemiker Joachim Sauer verheiratet.

Evelyn Roll beleuchtet die Entwicklung Angela Merkels aus journalistischer Sicht. Sie geht ausfĂŒhrlich auf die Rolle der Medien und den Umgang der Politik mit diesen ein. Die Biographie "Die Erste" beruht auf der Veröffentlichung der Autorin "Das MĂ€dchen und die Macht", die sie 2001 geschrieben und 2005 umgearbeitet und um zwei Kapitel ergĂ€nzt hat.

Die StĂ€rke der Biographie von Gerd Langguth besteht in der sachten AnnĂ€herung an das PhĂ€nomen Angela Merkel. Der Ansatz des Politikwissenschaftlers ist akademischer. Die Quellen werden benannt und mit ausfĂŒhrlichen Fußnoten belegt. Im Anschluss an den Haupttext versucht er sich in 10 Thesen dem PhĂ€nomen Angela Merkel zu nĂ€hern. Das Buch schließt ein Interview mit Angela Merkel ab.

Fazit:
Das Leben der Angela Merkel ist weniger interessant als die Stolpersteine, die ihr in den Weg gelegt wurden und die manchmal hilflosen Kommentare und Verhaltensweisen ihrer mĂ€nnlichen Kollegen. Sie ist letztendlich ein ganz normaler Mensch, der zielstrebig ihre Karriere verfolgt. Wie manche Angehörige einer benachteiligten Gruppe hat sie dabei die Gabe, Diskriminierungen einfach nicht wahrzunehmen. Was fĂŒr sie selbst ein Segen ist, wird in dem Moment zum Problem, in dem von ihr eine klare Position verlangt wird: sie soll sich zu etwas bekennen, was fĂŒr sie bisher kein Kriterium war.
Angela Merkel hat das Bekenntnis zu einem frauenpolitischen Programm dabei außerdem durchaus nachgeholt und es fĂŒr ihre Ziele genutzt. Die inszenierte NĂ€he zu Alice Schwarzer ist einer ihrer genialen SchachzĂŒge auf ihrem Weg ganz an die Spitze des Staates.

AVIVA-Tipp: Wer mehr ĂŒber die Kanzlerkandidatin Angela Merkel erfahren möchte findet bei Evelyn Roll und Gerd Langguth die passenden Informationen. Bei der LektĂŒre der beiden BĂŒcher, die sich bis auf die unterschiedlichen AnsĂ€tze wenig unterscheiden, entpuppt sich das öffentliche Bild der Angela Merkel als völlig irrefĂŒhrend. Hinter dem "naiven MĂ€dchen" steckt eine intelligente, machtbewußte Frau.

Die AutorInnen:
Evelyn Roll, geboren 1952, studierte Politische Wissenschaften in Freiburg und schrieb zunĂ€chst als freie Autorin fĂŒr verschiedene Zeitungen und Sender. Seit 1983 arbeitet sie bei der SĂŒddeutschen Zeitung. Nach Stationen in MĂŒnchen und Frankfurt wurde sie Leiterin des Berliner BĂŒros der SĂŒddeutschen Zeitung, seit 1999 ist sie freie Autorin. 2000 erhielt sie fĂŒr ihre journalistische Arbeit den Theodor-Wolff-Preis.
Ihr Buch "Weil der Mensch ein Mensch ist - Johannes Rau im GesprÀch mit Evelyn Roll" erschien 2004.

Prof. Dr. Gerd Langguth lehrt Politische Wissenschaft an der UniversitÀt Bonn. Er war lange im Bundesvorstand der CDU sowie Mitglied des Bundestages und hat bereits einige Veröffentlichungen vorgelegt.
(Quelle: Pressemitteilung von Karin Junker, Mitglied des SPD-Parteivorstandes und Vorsitzende der Kommission Gleichstellungspolitik, vom 24. August 2005)

Evelyn Roll
Die Erste

Rowohlt Taschenbuch Verlag, August 2005
ISBN: 3-499-62128-2
9,90 Euro
Kartoniert, 352 Seiten200479264575"

Gerd Langguth
Angela Merkel

Deutscher Taschenbuch Verlag, August 2005
ISBN: 3-423-24485-2
14,50 Euro
Kartoniert, 398 Seiten200733704375"




Literatur Beitrag vom 29.08.2005 AVIVA-Redaktion 

   




   © AVIVA-Berlin 2017  
zum Seitenanfang suche sitemap impressum home Seite weiterempfehlenSeite drucken