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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 07.11.2005

Das Kairohaus – Samia Serageldin
Tatjana Zilg

Eine Frau kehrt nach einem Jahrzehnt Exil aus den USA in die ägyptische Heimat zurück, um ihren zurückgelassenen Sohn wiederzugewinnen. Giha Seif-el-Islam entstammt einer Familiendynastie, die...



... vor den politischen Umbrüchen in Ägypten eine hohe Machtposition innehatte. Ihr Urgroßvater Seif-el-Islam Pasha war mit seinem Clan von der Heimat am Nildelta nach Kairo gezogen. Von einer Italienreise brachte er einen Architekten mit, der für ihn eine repräsentative Villa am Rande von Kairo errichtete. Die Familie nannte sie "Das Kairohaus". Pashas Sohn erhielt einen Sitz im Parlament, sein erster Enkel wurde Vorsitzender der mächtigsten politischen Partei im Land und Premierminister unter König Faruk. Doch diese Karriere endete 1952 mit der Revolution. Die Monarchie wurde abgeschafft und Oberst Gamal Abd-el Nasser, der später den ägyptischen Sozialismus einführen wird, ergriff das Präsidentenamt. Dem entlassenen Premierminister bleiben Wohlstand und Einfluss zunächst erhalten. Er verwaltet und bewohnt die große Villa, welche ihm und seinen acht Geschwistern gemeinsam als Erbe zuteil geworden war. Sein jüngster Bruder Shamel ist Gihans Vater.

Giha, von allen in der Kurzform liebevoll Gigi genannt, wächst auf in der Widersprüchlichkeit, als Mitglied einer der angesehensten Familien zugleich für diesen Umstand diskreditiert zu werden. Den Eltern ist es möglich, in der Villa zu bleiben und der Tochter die Geborgenheit eines behüteten Umfeldes zu geben. Zeitweise muss der Vater jedoch in ein Internierungslager, was ihn allmählich psychisch zerbrechen lässt. Gigi leidet daran, zu sehen, wie er sich verändert und fühlt sich hilflos ausgeliefert gegenüber der Diskriminierung durch das sozialistische Regime. In der Schule wird der Stand der reichen Landbesitzer im Lehrmaterial als "Volksfeind" dargestellt. Dennoch wächst sie fürsorglich umsorgt von den Eltern und unter Betreuung einer französischen Gouvernante ohne größere finanzielle Nöte und mit einer sehr guten Schulbildung auf. Sie nimmt ein Studium der Literaturwissenschaften auf und steckt viel Energie und Fleiß hinein. Zu ihrer Überraschung teilen ihr die Eltern nach dem achtzehnten Geburtstag mit, dass sie ihr dazu raten, einen Heiratsantrag von Yussef Zeitouni, dem Sohn eines einflussreichen Kairoer Geschäftsmanns, anzunehmen. Es handelt sich um eine arrangierte Heirat. Gigi kannte den jungen Mann zuvor nicht. Eine Tante sprach mit der Familie Zeitouni, um die Verbindung anzuregen. Obwohl die Eltern ihr die endgültige Entscheidung überlassen, willigt sie nach einigen kurzen Begegnungen mit dem künftigen Bräutigam ein. Die Heirat bietet ihr die Chance, gemeinsam mit Yussuf in England weiterzustudieren, und sie spürt, dass die Eltern von ihr erwarten, das Jawort zu geben. Sie möchte ihren Vater nicht enttäuschen.

Der Roman beschreibt den Versuch einer jungen Frau, zwischen den traditionellen Rollenerwartungen und den Privilegien eines außergewöhnlich hohen sozialen Status, der auch während der politischen Veränderungen erhalten bleibt, einen Platz zu finden für eigene Träume, Wünsche und Erwartungen. Die Ehe läuft von Anfang an extrem schlecht. Yussuf nimmt sie als "Frau an seiner Seite" für selbstverständlich und bemüht sich nicht, ihre Liebe zu gewinnen oder zumindest ein partnerschaftliches Verhältnis herzustellen. Als Gigi einen Sohn zur Welt bringt, gibt sie dem Kind ihre ganze Energie und Liebe. Von England nach Kairo zurückgekehrt kann sie zudem als Journalistin und Übersetzerin für eine Tageszeitung arbeiten. Nach einer kurzzeitigen Verbesserung der Verhältnisse unter dem Sadat-Regime ist ihre Familie jedoch erneut von Verfolgung bedroht. Mittlerweile hat sie der Tante anvertraut, dass sie die Scheidung möchte. Da sich ihr Ehemann aber sperrt und das islamistische Recht gegen sie ausnutzt, verlässt sie das Land. In Paris findet sie ihren zweiten Ehemann, den Franzosen Luc, mit dem sie nach Amerika auswandern wird.

In zwei Teilen lässt der Roman die Leserin an dem Schicksal von Giha Seif-el-Islam teilhaben: Als reife Frau Ende Dreißig kehrt sie nach Kairo zurück, um ihre Familie wiederzutreffen, um beim Verkauf des Kairohauses mitzubestimmen und um ihren Sohn für das Studium zu sich in die USA zu holen. Der erste Teil schildert in Rückblicken, die ihre Erinnerungen während des Blätterns in einem Fotoalbum widerspiegeln, ihre Kindheit, die Ehe mit Yussuf und die vielfältigen Beziehungen innerhalb der berühmten Familie. Der zweite Teil beschreibt die Sicht der Rückkehrerin auf ihr Heimatland in der Gegenwart und zeigt, wie sich die Konflikte während ihrer Abwesenheit weiterentwickelt haben.

AVIVA-Tipp: Enttäuschend ist die Fokussierung auf die Kindheitserinnerungen und die Eheproblematik, die sehr viel Raum in dem Roman einnimmt. Die politischen Hintergründe werden eher komprimiert dargestellt und sind dadurch teilweise für Nicht-Ägypten-KennerInnen schwer verständlich. Wünschenswert wäre gewesen, mehr über Gigis Arbeit als Journalistin und Übersetzerin zu erfahren. Beispielsweise ist der Pasha zu Beginn des Sadat-Regimes Führer einer Oppositionspartei, die er in einer spektakulären Pressekonferenz auflöst, da die Regierung sie integrieren will, wodurch er die eigentlichen Ziele gefährdet sieht. Gigi ist auf dieser Konferenz die Übersetzerin des Pasha. Aber anstatt mehr über die Inhalte dieser Partei zu erfahren, steht die erste Begegnung mit Luc, der ebenfalls als französischer Korrespondent auf dieser Konferenz ist, im Mittelpunkt der Erzählung.

Zur Autorin:
Samia Serageldin
wurde 1952 in Kairo geboren und verbrachte die ersten Jahre ihres Lebens in Ägypten. Nach Schule und Studium in Frankreich und England, wo sie in Politikwissenschaften ihr Examen absolvierte, ließ sie sich 1980 mit ihrer Familie in den USA nieder. Neben ihrer belletristischen Arbeit und ihrer Tätigkeit als Kolumnistin, Essayistin und Herausgeberin setzt sie sich auf zahlreichen Veranstaltungen immer wieder mit dem Thema Islam auseinander. "Das Kairohaus" ist ihr erster Roman, der stark autobiographische Züge trägt.


Samia Serageldin
Das Kairohaus

Aus dem Amerikanischen von Violeta Topalova
Gebundenes Buch, 384 Seiten
Verlag: Limes, erschienen August 2005
ISBN: 3-8090-2506-2
19,90 Euro90008115&artiId=3554979"


Literatur Beitrag vom 07.11.2005 AVIVA-Redaktion 

   




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