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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 30.11.2005

Der Krieg zu Hause. Nora Eisenberg
Tatjana Zilg

Lucy und ihr Bruder Nick wachsen im New York der 50er Jahre auf. Der Vater, ein Kriegsrückkehrer, ist aggressiv gegen die Familie. Auch die Mutter, einst Tanzlehrerin und liebevoll, verändert sich



Die Lehmanns sind in der Bronx wohlbekannt. Sie gelten als exzentrisch, denn ihr Lebensstil ist anders als der einer normalen Familie. Gerade das macht sie für die Freunde und Bekannte, die sich um sie scharen, interessant. Die Mutter, Tippy Lehmann, ist sehr künstlerisch und gefühlsbetont. Die Geschwister Lucy und Nicky sind stolz auf sie. Sie denkt sich oft Überraschungen für sie aus, die andere Kinder nie bekommen würden. Auch erlaubt sie ihnen viel mehr. Das Leben wird schwieriger, als der Vater aus dem Krieg zurückkehrt. Er bringt die Gewalt mit und terrorisiert seine Frau und Kinder mit Schlägen, Beschuldigungen und Verboten.

Nach außen versucht er ein Image als "Working Class Hero" aufrechtzuerhalten, was ihm auch lange Zeit gelingt. Er hält sozialistisch eingefärbte Reden, mit denen er das bürgerliche Leben angreift. Vieles, was in seiner Abwesenheit in der kleinen Familie üblich war, ist ihm zu bürgerlich. Den Freundeskreis der Kinder sortiert er danach, ob die Eltern körperliche Arbeit verrichten oder nicht. Der Sohn eines Schuhverkäufers, mit dem Lucy gerne spielt, fällt bereits durch das Netz seiner pseudomoralischen Ansprüche.

Als der Vater eine eigene Firma gründet, scheint endlich die schwerste Zeit überwunden. "Snack Fair" ist ein Kleinst-Lebensmittelvertrieb, der Spezialitäten der vielen unterschiedlichen Kulturen in der Bronx an Läden in der ganzen Stadt liefert. Nach einem Jahr sinkt das Interesse an den außergewöhnlichen Speisen rapide. Der Neuheitswert, der die Firma zunächst florieren ließ, ist verschwunden. Dauerhafte Kunden können nicht gewonnen werden. Die Eltern starten einen Krieg, der kein Ende mehr finden wird. Der Vater ist spöttischer und destruktiver als je zuvor. Die Mutter verliert ihre Energie, mit der sie das Leben von Lucy und Nicky erträglicher machte.
Sie war bisher eine begehrte Lehrerin, erteilte Tanzunterricht für die Kinder und Jugendlichen der Bronx und trug so einen erheblichen Teil zum Familieneinkommen bei. Nun verändert sie sich rapide und wird schließlich tablettensüchtig.

Lucy und Nicky sind sehr einfallsreich, um innerhalb dieses Chaos für sich Räume zu gestalten, in denen sie dennoch Freude am Leben gewinnen und Anerkennung finden können. Zu Beginn ihrer Teenager-Zeit gründen sie die "Lucky Kids". Als Musikduo werden sie tatsächlich zu Veranstaltungen und Feiern in der Bronx engagiert und können so früh ihr erstes eigenes Geld verdienen. Lucy findet in einer Angestellten des Botanischen Gartens eine Mentorin, die ihr zeigt, dass ihr trotz der zunehmenden Vereinnahmung durch die drogensüchtige Mutter, das Recht auf ein eigenes Leben zusteht. Lucy hatte bereits begonnen die Schule zu vernachlässigen, um sich um die Mutter zu kümmern, nachdem der Vater die Familie wegen einer anderen Frau verlassen hatte.

Die Menschen, die den Geschwistern im Laufe der Kindheit und Jugend begegnen, werden feingezeichnet charakterisiert, wodurch der Roman sehr facettenreich und farbig ist. Etwas schade, dass einige der Nebenpersonen relativ schnell wieder verschwinden, nachdem die Leserin sie so intensiv kennengelernt hat. Aber dies spiegelt die Realität von Lucy wieder, die zwar in ihrem Stadtteil viele Menschen kennt und diese sich zeitweise auch liebevoll um sie kümmern, sich dann aber schnell wieder zurückziehen und die Augen vor den familiären Verhältnissen verschließen.

AVIVA-Tipp: Der Roman ist in einer eindringlichen, dichten Sprache geschrieben, die tief unter die Haut geht. Es berührt sehr, zu erleben, wie die beiden Geschwister trotz der vielen Hindernisse, die ihnen die Eltern in den Weg legen, mit einem offenen Blick auf die Welt zu kleinen Glücksmomenten finden und ihren eigenen Lebensmut nicht verlieren.

Zur Autorin:
Nora Eisenberg
ist Anglistikprofessorin an der City University of New York. Ihre Kurzgeschichten und Essays wurden in zahlreichen Anthologien und Zeitschriften veröffentlicht, z. B. in The Partisan Review, The Village Voice Literary Supplement und Tikkun. "Der Krieg zu Hause" ist ihr erster Roman.


Der Krieg zu Hause
Nora Eisenberg

256 Seiten, gebunden
Verlag: Parthas, erschienen Oktober 2005
ISBN: 3-86601-170-9
EAN: 9783866011700
24,00 Euro90008115&artiId=3094735"


Literatur Beitrag vom 30.11.2005 AVIVA-Redaktion 

   




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