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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 02.12.2005

Uns wirft nichts mehr um. Die Lebensreise der Carola Stern
Sabine Grunwald

Die unendlich vielen Rollen und Leben einer Frau, die bereits in der Kindheit etwas Besonders aus ihrem Leben machen wollte und viele Wendepunkte in ihrem Leben meisterte



Carola Stern alias Erika Assmus ist 1926 in Ahlbeck geboren und nach ihren eigenen Aussagen in einem Matriarchat aufgewachsen. Ihre Gro├čmutter und sp├Ąter ihre Mutter organisierten ein Fremdenheim auf der Badeinsel und hatten das Sagen. Erst sp├Ąter, als sie in die Welt hinauskommt, merkt die junge Frau, dass die M├Ąnner darauf aus waren zu bestimmen und die Frauen offenbar willens, das auch zu akzeptieren.

Erika bezeichnet sich als wenig ansprechendes rothaariges M├Ądchen mit Sommersprossen und O-Beinen, das aber schon beizeiten etwas Besonders sein m├Âchte und die Kurg├Ąste mit ihren Sp├Ą├čen unterhielt. Sie wollte auf keinen Fall ihr Leben auf der Insel verbringen, auf der es im Winter todlangweilig war.

Ihre Kindheit wurde durch die Nazis gepr├Ągt. Mit 10 Jahren wird sie Jungm├Ądel und in den Alltag des Hitlerschen Regimes eingegliedert. 1944 bekommt sie mit, dass ZwangsarbeiterInnen gefoltert wurden, was f├╝r sie zu einem pr├Ągenden Erlebnis wird. 1945 fl├╝chtet sie mit ihrer Mutter und j├╝ngerem Vetter und kommt zuletzt auf einem Bauernhof unter.

In Bleicherode im S├╝dharz hat die sowjetische Besatzungsmacht ein Forschungsinstitut. Hier bekommt Erika per Zufall eine Anstellung als Bibliothekarin. Danach beginnt sie eine Lehrerinnenausbildung und reist an den Wochenenden zu Verwandten nach Westberlin. Auf das Versprechen hin, dass die krebskranke Mutter operiert wird, l├Ąsst sie sich von den Amerikanern als Spionin anheuern. Erika tritt in die SED ein, besucht die Parteihochschule in Kleinmachnow und f├╝hrte fortan ein Doppelleben. Als ihre T├Ątigkeit aufzufliegen droht, fl├╝chtet sie in den Westen.

Nach harten Lehrjahren arbeitet sie als Lektorin bei Kiepenheuer und Witsch, sp├Ąter beim WDR, ist Gast beim Internationalen Fr├╝hschoppen und jederzeit bereit, ihre Meinung zu ├Ąu├čern. Sie ist Mitgr├╝nderin von Amnesty International und die erste Frau, die die Tagesthemen kommentieren durfte.

AVIVA-TIPP:
Ein einf├╝hlsames Portrait einer faszinierenden Frau und Pers├Ânlichkeit, die an keinem Abschnitt ihres Lebens daran gedacht hat, aufzugeben.

Carola Stern, eine der bedeutendsten Politischen Publizistinnen in der Bundesrepublik, hat als Lektorin und Journalistin gearbeitet, bevor sie ihre autobiographischen B├╝cher In den Netzen der Erinnerung und Doppelleben schrieb. Sie ver├Âffentlichte au├čerdem eine Reihe erfolgreicher Biographien, unter anderem ├╝ber Dorothea Schlegel und Rahel Varnhagen.

Thomas Schadt arbeitet als Regisseur und Autor. Er ist Professor an der Filmakademie Baden-W├╝rttemberg, Ludwigsburg. Sein Film "Carola Stern ÔÇôDoppelleben" entstand 2004 als Gemeinschaftsproduktion on Bayerischem Rundfunk, Westdeutschem Rundfunk und arte.


Carola Stern
Uns wirft nichts mehr um

Eine Lebensreise
Aufgezeichnet von Thomas Schadt
Rowohlt Taschenbuch Verlag, erschienen November 2005
ISBN: 3-499619865
235 Seiten, gebunden, mit zahlreichen Abbildungen90008115&artiId=3564698&nav=5081"


Literatur Beitrag vom 02.12.2005 Sabine Grunwald 

   




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