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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 11.12.2005

CyberGender – Geschlecht und Körper im Internet
Christiane Sanaa

Verschwinden die Grenzen zwischen Frau und Mann, Mensch und Maschine, Realität und Virtualität im Cyberspace? Welche Rolle spielt der Körper im körperlosen Raum? Valeska Lübkes sucht nach Antworten.



Die Autorin beantwortet diese Fragen auf einer empirischen und einer theoretischen Ebene. Einerseits untersucht sie die geschlechtsspezifischen Unterschiede von Männern und Frauen bei der Nutzung des Internets. Andererseits diskutiert sie die Frage, "ob das Internet die Kategorie Geschlecht und die damit verbundenen Grenzziehungen revolutionieren kann".

In den drei theoretischen Kapiteln "Kategorie Geschlecht", "Reale und virtuelle Körper" und "Das Netz als sozialer Raum" erörtert sie zunächst die grundlegenden Kategorien ´Geschlecht´, ´Körper´ und ´Raum´.
Valeska Lübkes stellt heraus, dass das Internet ein Raum ist, der nicht einfach "da" ist, sondern sich erst durch Handlungen konstituiert. Das gleiche gilt für die Kategorie Gender. Sie entwickelt sich nicht aus den Kategorien Sex und Natur, sondern entsteht durch performative, sich wiederholende Akte in einem ständig neu hervorgebrachten Prozeß. Bis hierher bezieht sich die Autorin vor allem auf die Theorien von Judith Butler, die in ihrem 1990 veröffentlichten Werk "Das Unbehagen der Geschlechter" das performative Modell entwickelt hat. Demnach sind die Kategorien "männlich" und "weiblich" keine natürlichen und unabänderlichen Absolutheiten. Sie entwickeln sich vielmehr ständig durch sich wiederholende Handlungen neu.
Über diesen Ansatz geht Valeska Lübke mit dem Gedanken hinaus, "dass auch im Cyberspace, gerade mit Hilfe neuer Formen der Verkörperung ´Leiblichkeit´ nicht obsolet wird, sondern vielmehr dazu beiträgt, virtuellen Wirklichkeiten eine Qualität von Sozialität zu geben."

Hieraus leitet sich ihre wichtigste These ab: "Wir können in der virtuellen Realität zwar ´Körper haben´, ´Körper sein´ hingegen nicht."

Der Körper wird zur leiblichen Schnittstelle zwischen realen und virtuellen Räumen. Er wird zwar auf vielfältige Weise im Netz simuliert, auch jenseits des traditionellen Geschlechterbegriffs. Denn gerade die Anonymität des Internets ermöglicht das sogenannte "Genderswapping", bei dem man sich nicht als der zu erkennen gibt, der man in Wirklichkeit ist. Doch das bleibt die Ausnahme. Denn nicht nur in Chat- und Flirträumen halten die UserInnen an einer strikten Geschlechterordnung fest.
Die Autorin stellt heraus, dass auch im virtuellen Räumen die Normen und Werte der sozialen Wirklichkeit eine authentizitätsstiftende Funktion besitzen, was früheren gender-utopischen Annahmen widerspricht. Die Internet-UserInnen wollen wissen, mit wem sie es zu tun haben - besonders auch, mit welchem Geschlecht. Diese Gewißheit dient der Akzeptanz und Verständigung im körperlos erscheinenden Netz.

Der empirische Teil greift in weiten Teilen auf vorhandenes statistisches Material zurück. Die Abschnitte "Bundesdeutsche Internetpopulation" und "Netz als Gender-Werkstatt" referieren die Resultate anderer Forscherinnen. Im dritten Teil "Wie Chatterbots Menschen werden" stellt die Autorin hingegen die Ergebnisse ihrer eigenen explorativen Studie zum Thema "Gender" von drei computeranimierten und konversationfähigen Internet-Geschöpfen vor. Sie zeigt, dass der "Transhumanismus", also die Auflösung der Grenzen zwischen Mensch und Maschine weniger beunruhigend zu sein scheint, als die Auflösung der Geschlechtergrenze.

Als Fazit ihrer Untersuchung kann festgehalten werden, dass Körper, auch die Geschlechtskörper in virtuellen Interaktionen, nicht überflüssig werden. Vielmehr spielt die Simulation von "leiblich-affektiven Zuständen" bei der "Herstellung von Glaubwürdigkeit" eine wichtige Rolle.
Auch wenn die empirischen Erhebungen zeigen, dass geschlechtliche Eindeutigkeit im Netz eingefordert wird, bietet das Internet gleichzeitig viel Spielraum, um mit den Geschlechterrollen zu experimentieren. Er fasziniert einerseits als "Identitätswerkstatt", andererseits bleibt Authentizität für die UserInnen von großer Bedeutung. Denn trotz aller Spielräume stoßen Verhaltensmuster, die von den Geschlechterstereotypen abweichen, auf wenig Akzeptanz.

AVIVA-Tipp: Das Buch ist nicht als Bettlektüre geeignet, sondern eine wissenschaftliche Dissertation. Valeska Lübke führt den aktuellen Theoriediskurs zur Konstruktion von Geschlecht, Körper- und Raumkonzepten zusammen und gibt einen Überblick über die Forschungsliteratur zum Thema "Genderlosigkeit" im Cyberspace. Wer sich dazu auf den aktuellen Stand der soziologischen und feministischen Diskussion bringen will, darf Valeska Lübkes Ausführungen nicht links liegen lassen.

Zur Autorin:
Valeska Lübke
studierte Soziologie, neuere deutsche Literatur und Erziehungswissenschaften an der Universität Bonn. Hier unterrichtet sie seit 2004 als Studienreferentin die Fächer Sozialwissenschaften und Deutsch. Als Forscherin widmet sie sich den Themen Gender Studies, Wissenschaftssoziologie, Internet und Sozionik.


Valeska Lübke
CyberGender

Geschlecht und Körper im Internet
Ulrike Helmer Verlag, erschienen März 2005
ISBN 389741175X
26,95 Euro
kartoniert, 269 Seiten90008115&artiId=3116489"



Literatur Beitrag vom 11.12.2005 AVIVA-Redaktion 

   




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