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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 30.12.2005

Kanzlerinnen schwindelfrei - Herausgegeben von Corinna Waffender
Rukshana Adrus-Wenner

Anlässlich der 300-Jahr-Feier von Charlottenburg besetzten fünfzehn Frauen einen prominenten Platz auf dem Ku´damm. Vom Hochsitz aus haben sie Menschenmengen und Autokarawanen beobachtet



Das politische Berlin hat erst eine Bundeskanzlerin aufzuweisen, das literarische aber schon fünfzehn Kanzlerinnen. Corinna Waffender, die Initiatorin des Projekts, hat unterschiedliche Autorinnen an eine ungewöhnliche Kreuzung in der Stadt eingeladen.

Treffpunkt war die denkmalgeschützte und leerstehende Verkehrskanzel aus den 50er Jahren, die sich für zwei Wochen in ein Literaturcockpit verwandelte. Die Kanzel am Kürfürstendamm Ecke Joachimsthaler Straße steht an einem geschichtsträchtigen Platz Berlins, wo in den 20er Jahre das Großstadtleben mit vielen Cafes und Ausgehlokalen pulsierte.

Das Schreiben, das sich ansonsten meistens im Verborgenen abspielt, wurde in die Öffentlichkeit verlagert. Die Autorinnen mussten schon schwindelfrei sein, um die vier Meter hohe Kanzel mit Hilfe einer Leiter zu erklimmen. Hinter der verglasten Verkehrsinsel hatten die PassantInnen, falls ihre Blicke nach oben gerichtet waren, Gelegenheit, jemand beim Schreiben zuzuschauen.

Die Berlinerinnen saßen alleine oder zur zweit ganz oben und haben das Geschehen unten auf der Straße beobachtet und beschrieben. Einige haben sich inspirieren lassen von der Atmosphäre. Andere hingegen sind abgeschweift, haben Kopfreisen unternommen, über Altes nachgedacht oder Zukunftspläne geschmiedet. Durch Perspektivenwechsel versuchen die Erzählerinnen, Lyrikerinnen, Essayistinnen und Kolumnistinnen andere Sichtweisen darzustellen.

Ines Geipel und Antje Ravic Strubel sind gemeinsam hochgestiegen und haben ihren Dialog in die Höhe geführt, doch man hätte gerne auch tiefere Töne vernommen. Zu einer Sex & Crime Verfolgungsjagd auf dem Ku´damm hat sich Anne Hahn vom ehemals berühmten Cafe Kranzler inspirieren lassen. Obwohl der Aufenthaltsort klein, eng, fast beklemmend ist, lassen die Autorinnen ihren Gedanken freien Lauf. In das Prosagedicht von Ulrike Draesner wird auf die Schreibsituation Bezug genommen und darüber ironisch, fast spielerisch erzählt. Zum Schreiben nur den Ort gewechselt hat Tanja Dückers, die als einzige in der Gegend gewohnt hat. Sie erinnert sich an ihrem Schulweg und die alltägliche Abenteuer. Annett Gröschner geht mit Konrad Fröhlich spazieren und hört dabei die Erzählungen. Er kam als kleiner Junge immer mit seiner Mutter aus dem Ostteil bis die Mauer gebaut wurde.

Obwohl laut Statistiken stündlich eine rege Menschenmenge unterwegs ist, ist das, was die Autorinnen jetzt beobachten bei weitem nicht so interessant und faszinierend. Das temporeichen Trubel auf den Strassen und Plätzen rundherum, mitten im Gedränge der Großstadt, die frühere FlaneurInnen auf dem Berliner Boulevard erlebten, findet keine Entsprechungen in den Texten der Teilnehmerinnen. Das alte Westberlin und Ku´damm spielt nicht die Hauptrolle nach der Mauerfall.

Interessant wäre es gewesen, wenn die Kanzel benutzt worden wäre für eine Live-Performance, für die PassantInnen, tags oder nachts. Eins aber ist der Herausgeberin bestimmt gelungen: Dass in Zukunft das Wort Kanzlerinnen leicht über die Lippen gehen wird!

Zur Herausgeberin:
Corinna Waffender
, 1964 in Mainz geboren, Übersetzerin und Literaturwissenschaftlerin, Veröffentlichungen in zahlreichen Anthologien, Preisträgerin des Autorinnenforums Rheinsberg (2000), Teilnahme an der Alfred-Döblin-Werkstatt (Literarisches Colloquium Berlin, 2005). Lebt als freie Journalistin und Autorin in Berlin. Zu ihren letzten Veröffentlichungen gehören: "Zwischen den Zeilen" (Roman 2002), "Schnitt". Minutenromane, Querverlag 2005.
Weitere Informationen im Netz finden Sie unter: www.wortgut.de.


Kanzlerinnen, schwindelfrei über Berlin
Hg. von Corinna Waffender

Transit Verlag, Berlin. Erschienen Oktober 2005
135 Seiten, gebunden
14,80 Euro
ISBN 3-88747-206-390008115&artiId=3555667"

Literatur Beitrag vom 30.12.2005 AVIVA-Redaktion 

   




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