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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 04.01.2006

Jossel Rakovers Wendungen zu Gott
Sarah Ross

Für die "Jiddische Zeitung" in Buenos Aires verfasste Zvi Kolitz 1946 das fiktive Testament eines Juden im Warschauer Ghetto. Paul Badde hat das berühmte Dokument übersetzt und neu herausgegeben.



Seit seinem erstmaligen Erscheinen 1946 hat der hier vorliegende Text, aus dem Jiddischen übersetzt und herausgegeben von Paul Badde, sowie mit Zeichnungen von Tomi Ungerer ergänzt, immer wieder die Herzen der Menschen berührt.
"Jossel Rakovers Wendungen zu Gott" ist ein fiktives Testament eines Warschauer Juden, "aufgeschrieben in der Stunde seines Todes, versteckt in einer leeren Flasche, gefunden in den Trümmern des Warschauer Ghettos", das von Zvi Kolitz als Auftragsarbeit für die "Jiddische Zeitung" in Buenos Aires verfasst wurde. Seither hat sich das Testament auf seltsamste Weise verselbständigt.
Über Jahre hinweg erschien der Text, unter dem Deckmantel eines authentischen Dokuments aus dem Holocaust, in unzähligen Sprachen in Zeitungen, Anthologien und dem Rundfunk. Sogar der berühmte französisch-jüdische Philosoph Emmanuel Levinas hat diesem Text 1962 eine eigene Studie gewidmet, in Amerika fügte man die Schrift in jüdische Gebetbücher und in Deutschland in Schulbücher ein.

Als das Warschauer Ghetto bereits in Flammen steht und nur noch wenige Juden am Leben sind, beginnt einer der letzten Widerstandskämpfer, Jossel Rakover, das niederzuschreiben, was einer von Millionen von Juden fühlt, dessen Familie im Holocaust ermordet wurde und dessen Volk vernichtet werden sollte. Versteckt in einem Haus, neben seinen gefallen Kameraden ausharrend, schreibt Jossel jedoch nicht nur über den Schmerz, den er erfahren musste, sondern auch über sein Verlangen nach Rache. Und obwohl Jossel Rakover, in der Stunde, als er selbst dem Tod ins Auge blickt, hart mit seinem Gott ins Gericht geht, hält er bis zuletzt an seinem Glauben fest. Und so schreibt er: "Nun kann ich nicht sagen - nach all dem, was ich miterlebt habe -, dass meine Beziehung zu Gott sich nicht geändert hätte. Mit absoluter Sicherheit kann ich aber wohl sagen, dass mein Glaube an Ihn sich nicht um Haaresbreite verändert hat". Mit diesem Testament wurde Jossel Rakover zu einer mythischen Figur der Weltliteratur, hinter der dessen Erfinder und Urheber dieser Schrift, Zvi Kolitz, oft völlig in Vergessenheit geriet, obwohl er seine Autorenschaft nie geleugnet hat.

Dem Herausgeber Paul Badde ist es jedoch im zweiten Teil des Buches gelungen, sowohl den phantasievollen Entstehungsmythos des Textes auf den Boden der Tatsachen zurückzuführen, als auch den Autor und seinen Text nach Jahrzehnten wieder zusammenzuführen. Nicht selten hieß es, der Autor sei anonym und Jossel hätte wirklich gelebt. In seinem detaillierten Nachwort rekapituliert der Herausgeber die Erscheinungs- und Rezeptionsgeschichte des Textes und schildert die letzte Begegnung mit Zvi Kolitz in New York.
Zusammen mit Tomi Ungerers intensiven und eindrucksvollen Zeichnungen, die die Dramatik der Erzählung hervorheben und geistreich akzentuieren, fügt sich dieses Buch zu einem harmonischen Ganzen zusammen.

AVIVA-Tipp:
"Jossel Rakovers Wendungen zu Gott", verfasst von Zvi Kolitz, ist nicht nur ein fiktives Testament, halb Brief halb Gebet, das das Schicksal des jüdischen Widerstandskämpfers im belagerten Warschauer Ghetto erzählt, sondern auch einer der schönsten, bewegendsten und unerschütterlichsten Mythen der Weltliteratur.
Der Herausgeber Paul Badde hat diese Schrift aus dem Jiddischen neu übersetzt, ausführlich kommentiert und zusammen mit dem Faksimile des jiddischen Manuskripts in einer aufwendigen, zweisprachigen Ausgabe herausgegeben. Durch das Wechselspiel zwischen dem Originaltest und der deutschen Übersetzung, sowie auch mit den beeindruckenden Zeichnungen von Tomi Ungerer, entfaltet der Text einen ganz neuen und einzigartigen Charakter.

Zum Autor:
Zvi Kolitz
wurde 1912 in Alytus, Litauen, als Sohn eines hoch angesehenen Rabbiners geboren. 1937 verließ er seine Familie auf dem Weg nach Palästina, um in Florenz zu studieren. 1940 erreichte er Jerusalem, wo er sich in verschiedenen jüdischen Bewegungen engagierte. Als Abgesandter des zionistischen Weltkongresses reiste er nach Basel und Buenos Aires. Später arbeitete er unter anderem als Journalist, Werber, Redner, Filmemacher, Produzent sowie Lehrer und lebte, trotz festem Apartment in Tel Aviv, viele Jahre mit Frau und Kind in Hotelzimmern aller Welt. Zvi Kolitz starb 2002 in New York.

Zum Herausgeber:
Paul Badde wurde 1948 geboren, Er ist Historiker und Journalist. Er schrieb für die Frankfurter Allgemeine Zeitung und das FAZ-Magazin. Seit 2000 arbeitet er als Redakteur für Die Welt, zuerst als Korrespondent in Jerusalem, heute in Rom und beim Vatikan. Paul Bade lebt in Rom.

Zu Tomi Ungerer:
Er wurde 1931 geboren und stammt aus einer Straßburger Uhrmacherfamilie.
Mitte der 50er Jahre ging er nach New York, wo sein unaufhaltsamer Aufstieg als Zeichner, Maler, Illustrator, Kinderbuchautor und Werbegrafiker begann. Nach einigen Jahren auf einer Farm in Nova Scotia/Kanada lebt er heute mit seiner Familie im Südwesten Irlands und in Straßburg.


Zvi Kolitz
Jossel Rakovers Wendung zu Gott

Jiddisch - Deutsch
Hrsg. von Paul Badde, mit Zeichnungen von Tomi Ungerer
Diogenes Verlag, September 2004
ISBN 3-257-06448-9
Gebunden, 185 Seiten
22,90 Euro90008115&artiId=2828954&nav=5081"


Literatur Beitrag vom 04.01.2006 Sarah Ross 

   




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