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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 06.01.2006

Georg Kreisler gibt es gar nicht - Die Biographie
Karin Effing

Hans-Juergen Fink und Michael Seufert erzählen auf unterhaltsame und eindrückliche Weise das Leben des aus Österreich stammenden Kabarettisten und Komponisten, der zu den Größten seiner Zunft zählt.



"Georg Kreisler gibt es gar nicht" verkündet der Titel des interessanten und informativen Buches. Schon als Kind flüchtete sich der scharfe Beobachter
lieber in seine eigene Traumwelt, um den lieblosen Eltern und der antisemitischen Hetze seiner Umgebung auf diese Weise zu entgehen..."Ich glaube nicht, dass ich meine Kindheit als Tatsache erlebt habe." Zur Mutter gab es zwar emotionale Nähe, trotzdem war das Verhältnis nicht sonderlich gut. "Sie lächelte mich stets an, vor allem, wenn sie mich verprügelte. Sie war lieb, aber was sollte sie machen, da ich der Einzige war, vor dem sie keine Angst hatte!“

Er wuchs im Wien der zwanziger Jahre als Kind einer jüdischen Familie auf.
Der Glaube spielte für seine Eltern kaum eine Rolle, nur am höchsten Feiertag,
an Jom Kippur, dem Versöhnungsfest, ging man manchmal und widerstrebend in die orthodoxe Synagoge im IX. Bezirk und brachte den Tag im Tempel zu.
"Das unheimliche Wien“ nennen die Autoren Hans-Juergen Fink und Michael Seufert die Stadt in der der junge Georg Kreisler aus heiterem Himmel damit konfrontiert wurde, Jude zu sein. Das war bisher nicht wichtig und ihm auch gar nicht bewusst gewesen. "Sei nicht so laut, wir sind Juden." ermahnte ihn jedoch plötzlich seine Mutter und einige seiner Mitschüler lauerten ihm nach Schulschluss auf, um ihn zu verprügeln und zu beschimpfen. "Wenn es keinen Antisemitismus gäbe, wäre ich wahrscheinlich auch kein Jude. Ich weiß mehr über das Judentum, weil ich verfolgt wurde, als wenn das nicht der Fall gewesen werde." bringt Kreisler den Widerspruch der Identitäten auf den Punkt,
die erst durch Erfahrungen der Diskriminierung gefestigt werden.
Die Lage in Österreich spitzte sich langsam zu und die Familie bereitete sich auf die Flucht nach USA vor, wo Verwandte lebten. Eindrücklich beschreiben die Autoren die absurden Amtsgänge, die die AuswandererInnen tätigen mußten, um das Land, das sie nicht mehr wollte, verlassen zu können.

Schon in Wien näherte sich Kreisler der Musik, er erhielt Klavier-, und Geigenunterricht. Er blieb zeitlebens ein begnadeter und geradezu manischer Auswendiglerner, noch heute kann er die Besetzung aller Opern, die er im Wien von 1938 sah und hörte, wiedergeben. Dirigent wollte er werden und ergänzte den Unterricht auf den Instrumenten mit Musiktheorie.
In Amerika wurde er in die Army eingezogen und dolmetschte in Deutschland die Verhöre von Nazi-Größen wie Julius Streicher und Hermann Göring. Zurück in den Staaten baute er sich seine Karriere als Musiker auf, arbeitete als Bar-Pianist und Entertainer, assistierte Charlie Chaplin.
1955 kehrte Kreisler nach Europa zurück und machte mit Qualtinger, Wehle und Bronner Kabarett. Er entschied sich dann jedoch für eine Solo-Karriere, ihm war es zu seicht, was seine Kollegen auf die Bühne brachten.

Kreisler, bitterböse und mit scharfen Urteilen, pfeift auf diplomatische Beziehungen innerhalb des Kunstbetriebes und fällt so auch immer wieder aus dessen Rahmen. Mit aggressiven Chansons, wie seinem bekanntesten "Taubenvergiften im Park", meldet er sich gegen das Vergessen und die alltägliche Verlogenheit zu Wort. Georg Kreisler traut den Mächtigen nicht und auch nicht dem unheimlichen Frieden, der in die Stadt Wien nach dem Krieg eingekehrt ist.

1996, da lebte Kreisler in Basel, schrieb er einen offenen Brief an seine vermeintliche "Heimatstadt".Er wünschte, von der Geburtstagsliste des österreichischen Staates gestrichen zu werden. Als Begründung gab er an, gar kein Österreicher zu sein: "denn im Jahre 1945, nach Kriegsende, wurden die Österreicher, die 1938 Deutsche geworden waren, automatisch wieder Österreicher, aber diesmal nur diejenigen, die die Nazizeit mitgemacht hatten. Wer unter Lebensgefahr ins Ausland geflüchtet war, also auch ich, bekam seine österreichische Staatsbürgerschaft nicht zurück. Ich habe mich genau erkundigt: Da ich kein Nazi war und mir überdies die Flucht vor den Nazis gelungen ist, müsste ich bei Gericht um meine österreichische Staatsbürgerschaft ansuchen, und Sie werden vielleicht verstehen, warum ich mich nicht in diese Situation begeben möchte. Es widerstrebt mir zutiefst, jemanden um die österreichische Staatsbürgerschaft bitten zu müssen. Ich bin seit 1943 amerikanischer Staatsbürger."

Er fand mit seiner vierten Ehefrau Barbara Peters sein persönliches Glück und eine treue Partnerin auf der Bühne. Heute lebt Georg Kreisler in Basel und schreibt Opern, kleine Musicals, Geschichten und Romane.

Die Autoren:
Michael Seufert,
Jahrgang 1943, lernte sein journalistisches Handwerk bei den "Bremer Nachrichten". Von 1970 bis 1997 arbeitete er beim "Stern", zuletzt in der Chefredaktion. Seither schreibt er Romane und Sachbücher und arbeitet als freier Journalist.
Hans-Juergen Fink, Jahrgang 1953, studierte Germanistik, Geschichte, Politikwissenschaft und Pädagogik in Mainz und Marburg. Er schreibt seit 1969 für Tageszeitungen, seit 1980 für das "Hamburger Abendblatt". Dort ist er Kultur-Chef.

AVIVA-Tipp: Michael Seufert und Hans-Jürgen Fink legen mit "Georg Kreisler gibt es gar nicht" eine kongeniale Biographie des großen Kabarettisten vor. An dem wunderschönen Band stimmt einfach alles: leichter Ton ohne Tiefenverlust, gute Lesbarkeit, schöne Bilder und ausführliche Informationen. Dazu gibt es eine CD mit den ersten Aufnahmen des Ausnahmekünstlers, die verloren geglaubt waren.

Georg Kreisler gibt es gar nicht
Die Biographie
Aufgeschrieben von Hans-Juergen Fink & Michael Seufert
Scherz Verlag, 2005
ISBN: 3-502-15021-4
24,90 Euro
Gebunden, 319 Seiten mit CD, SW- und Farbabbildungen90008115&artiId=3584385"



Literatur Beitrag vom 06.01.2006 AVIVA-Redaktion 

   




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