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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 19.04.2003

Shocking-Prinzip
Kirsten Eisenberg

Wie schon in ihrem Erstlingswerk "Born Free" fesselt die schottische Jungautorin Laura Hird in der Kurzgeschichten-Sammlung "Nägel" durch schonungslose Direktheit



In zehn Geschichten, die es in sich haben, beschreibt der Shooting-Star aus Edinburgh gnadenlos die hässlichen, schmerzhaften, bitteren Seiten des Lebens. Hautnah sehen wir uns Menschen gegenüber, deren Schicksal es nicht besonders gut mit ihnen meinte...

Beklemmend: der kotzbrockenartigen, bitterbösen Protagonistin in "Nägel" wachsen unerklärliche Gewebepfropfen aus Fingerkuppe und Nase. Die Leserin merkt: Die Dinger sind surrealistischer Ausdruck des stachelartigen Übels im Inneren der Hauptfigur, die mit ihrer fiesen, arroganten Art ihre seelische Labilität und Einsamkeit überspielt. Doch die Fassade beginnt zu bröckeln und das durchgestylte Leben gerät aus den Fugen...

Bestürzend: Ein kleines Mädchen wird von ihrem Klavierlehrer missbraucht.
In schrecklichem Kontrast zu dem, was objektiv geschieht, versetzt Hird uns durch die Erzählperspektive des Opfers in eine Welt kindlicher Phantasie, in der Feuervögel existieren und man Fliegen lernen kann. Wie das Kind Vertrauen fasst und ahnungslos das schreckliche Spiel mitspielt, macht furchtbar traurig.

Trostlos: Im grauen Edinburgher Arbeitermilieu spielt "Das letzte Abendmahl", die Geschichte einer Männerfreundschaft, die an Anonymität, Lieblosigkeit und Gleichgültigkeit ihrer Umgebung kaputtzugehen droht.
Nur Alkohol, Tabletten und der Kick eines Einbruchs lassen Dave und Darren die Härte des Alltags vergessen und bringen fast verlorene Gefühle von Wärme und Zusammengehörigkeit zurück...

Ernüchternd: Schmuddeligen Sex ohne Liebe erlebt die 44jährige Lizzy in "Schwer an den Mann zu bringen". Die Kürze der Handlung und ein schmuckloser, knapper Schreibstil vermitteln Lizzys traurige Frustration: Sie erwartet nichts mehr von den Männern, sieht in ihnen nur noch den billigen One-Night-Stand hinterm Pub.

Widerlich: Menschliche Abgründe tun sich auf in "Von Katzen und Frauen".
Hat man anfangs noch Mitleid mit der vom Ehemann verlassenen Protagonistin, empfindet man schon bald nur noch Horror und Ekel. Von Hass und Eifersucht zerfressen, ist ihr Leben von einem einzigen Gedanken beherrscht: Wie kann ich es ihm und dem jungen Flittchen heimzahlen? Erschreckend, wie eine scheinbar normale Frau zur rachsüchtigen Psychopathin, Kidnapperin und Mörderin werden kann...

Laura Hird wurde 1966 in Edinburgh geboren, und noch immer ist die Stadt ihre Heimat und Inspirationsquelle. Bekannt wurde Hird durch ihr zum Orange Prize und zum Whitbread Prize for first novel nominiertes Romandebüt "Born free". In "Nägel" hält die Jungautorin an ihrem Shocking-Prinzip aus "Born free" fest: Der Familienkosmos ohne jegliche Idylle, finanzielle und psychische Zerrüttung, Alkoholismus und Pubertätsdramen sind in beiden Büchern thematisiert.

Die Autorin besitzt ein großes Talent dafür, zwischen ganz unterschiedlichen Perspektiven zu springen und gegensätzlichen Charakteren glaubwürdig Leben einzuhauchen. Vom zickigen über den träumerischen Tonfall bis hin zum rauen Jargon des unteren sozialen Milieus der Edinburgher Vororte beherrscht Hird eine bemerkenswerte Sprachstil-Palette.

"Als würde man sich an einer Papierkante schneiden", "sehe ich Menschenmengen plötzlich zu schwarzen Fleischstückchen zerplatzen" - mit ihrer Begabung für drastische und unter die Haut gehenden Formulierungen (Achtung an den empfindlichen Magen!) ist die Leserin von Hird gleichzeitig geschockt und fasziniert. Trotz des Schüttelns, das frau nach einer ausgelesenen Geschichte verspürt, blättert sie wie unter Zwang zum nächsten, mindestens genauso schockierenden Kapitel um. Denn trotz aller Bitterkeit blitzt in den Geschichten immer wieder ein kleiner Zipfel einer noch nicht ganz abhanden gekommenen Menschlichkeit auf...
Hird erfasst kameraartig jedes Detail, und die Leserin ist gefangen in den packenden Szenarien.



Laura Hird
Nägel. stories

Eichborn Verlag, 2003
ISBN 3-8218-0846-2
18,90 €200530321475"

Laura Hird
Born Free

Eichborn Verlag, 2001
ISBN 3-8218-0847-0
19,90 €200336247775"

Literatur Beitrag vom 19.04.2003 AVIVA-Redaktion 

   




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