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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 23.04.2003

Eine schwierige Freundschaft in Jerusalem
Jessica Cohen

Der Briefwechsel zwischen einer 17jährigen muslimischen Palästinenserin und einer gleichaltrigen jüdischen Israelin gewährt Einblick in den Alltag der jungen Generation in der israelischen Hauptstadt



Amal und Odelia fühlen sich in derselben Stadt zuhause. Beide sind in Jerusalem aufgewachsen und wünschen sich, dort später auch ihre eigenen Kinder großziehen zu können.
Die Gründe, die sie für ihr Heimatempfinden anführen, sind allerdings sehr unterschiedlich und spiegeln grundlegend verschiedene Sozialisationen wider.
Die Israelin Odelia betrachtet Jerusalem als ihr Zuhause, weil sie dort geboren ist und mit der Stadt vertraut ist, ihre Freunde auch aus Jerusalem stammen und sie den gleichen Dialekt sprechen. Die historische Verbundenheit des jüdischen Volkes mit der Stadt hat für sie keine zentrale Bedeutung.
Die Palästinenserin Amal sieht Jerusalem als ihre Heimat an, weil ihre Vorfahren aus der Stadt stammen: "In meiner Vorstellung kommt jemand von dem Ort, an dem sein Vater oder Großvater geboren wurde. Wir empfinden das so: Wenn du jemandem das Zuhause nimmst, den Ort, an dem er und seine Vorfahren geboren wurden, dann nimmst du ihm das Leben."

Amals und Odelias Wohnviertel liegen nur zehn Minuten voneinander entfernt, und gleichzeitig trennen sie Welten voneinander.
Odelia sind in ihrer Erziehung "westliche", liberale Werte mitgegeben worden. Sie möchte sich ihre eigene Meinung bilden und ist voller Hoffnung und Optimismus, die Welt ein Stückchen verändern zu können. Vor dem Antritt ihres Wehrdienstes in der israelischen Armee leistet sie als Mitglied der sozialistisch-zionistischen Jugendorganisation HaSchomer Ha Zair ein Jahr Sozialdienst. Odelia liebt Theater und möchte Schauspiel studieren, vorzugsweise in London oder New York.
Bei Amal spielen Traditionen eine wesentliche Rolle. In ihrer Erziehung wurde sie vorrangig von Personen geprägt, insbesondere von ihrem Vater und von ihrer Schwester. Mit 17 Jahren hat sie sich verlobt. Sie hat ein israelisches Abitur gemacht und arbeitet mit Kindern an einer arabisch-israelischen Grundschule.

Eigentlich hätten eine zukünftige palästinensische Ehefrau und eine zukünftige israelische Soldatin keinerlei Gelegenheit gehabt, sich kennen zu lernen.
Doch Organisationen wie "Frieden Jetzt" oder "Peace Child Israel" versuchen, trotz der brisanten politischen Lage Kontakte zwischen Israelis und Palästinensern herzustellen. Die Schulen von Amal und Odelia nahmen so an einem Theaterprojekt von "Peace Child Israel" teil. Als die Gruppen zu einem Schüleraustausch mit jungen Schweizern eingeladen wurden, begegneten sich Odelia und Amal zum ersten Mal.

Ihr erstes Treffen war nicht der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.
Vielmehr war es geprägt von Missverständnissen, die mangels Kenntnis der anderen Kultur zustande kamen. Die palästinensischen Jugendliche waren verärgert, von den Israelis in Diskotheken eingeladen zu werden, obwohl sie doch hätten wissen müssen, dass Muslime keinen Alkohol trinken dürfen. Die israelischen Jugendlichen waren beleidigt, dass die Palästinenser ihre Vorschläge nicht annahmen.

Amal und Odelia sind einen großen Schritt weitergegangen und haben durch einen intensiven Briefwechsel die Kultur der Anderen kennen gelernt.
Beeindruckend sind ihre Mühe und Geduld, sich zu öffnen und sich zu erklären, ihre Bereitschaft, die eigene Situation und bestimmte Ansichten darzulegen.
Kritisch decken sie Vorurteile ihrer Brieffreundin auf und versuchen gleichzeitig, die Position der Anderen zu verstehen und nachzuvollziehen.

Der etwas beseelt-pedant klingende Titel des Buches sowie einiger Kapitel sollte nicht von der Lektüre dieses Briefwechsels abschrecken. Er verdeutlicht, wie fern sich Normalität und Alltag im Nahen Osten sind.

Die Gedanken der beiden Mädchen zu ihren Lebensumständen vermitteln einen Eindruck der Komplexität der Konfliktsituation, die einem Teufelskreis gleicht.
Wie sollte sich die politische und materielle Ohnmacht der Palästinenser nicht in Wut verwandeln? "Wie jeder Palästinenser fühle ich in mir die Wut wie eine Flamme. Ich habe das Gefühl, dass ich alles, was ich mir erträume, tief in mir drin begraben muss. Dass ich niemals das machen kann, was ich mir für mein Leben wünsche, solange diese Situation andauert. Kann mir bitte jemand sagen, wann das endlich vorbei ist, wann, wann, wann???" – Amal
Wie könnte sich die Angst der Israelis vor Selbstmordattentätern nicht in wachsendem Misstrauen gegenüber den Palästinensern ausdrücken?
"Ich fühle mich schrecklich. Weil ich Angst habe und weil ich misstrauisch gegenüber jedem sein muss, der arabisch aussieht. Ein Rassist ist das Letzte, was ich sein will. Aber wenn man wirklich Angst hat, dann denkt man nicht darüber nach, ob man `intolerant´, fühlt und handelt, man fürchtet um sein Leben." – Odelia



Amal Rifaái / Odelia Ainbinder
Mit Sylke Tempel
Wir wollen beide hier leben. Eine schwierige Freundschaft in Jerusalem

Rowohlt Berlin, März 2003
ISBN 3-87134-475-3
€ 14,90 (D)
Hardcover, 175 Seiten90008115&artiId=2076268" .

Literatur Beitrag vom 23.04.2003 AVIVA-Redaktion 

   




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