Das Zeugenhaus. Nürnberg 1945 - Als Täter und Opfer unter einem Dach zusammentrafen - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 20.10.2005

Das Zeugenhaus. Nürnberg 1945 - Als Täter und Opfer unter einem Dach zusammentrafen
Sarah Ross

Die Autorin Christiane Kohl wirft 60 Jahre nach den Nürnberger Prozessen erstmals einen Blick auf die Gästebücher der Gräfin Ingeborg Kálnoky, die erzählen, was im Gästehaus des Weltgerichts geschah



Die hard facts der Nürnberger Prozesse sind uns allen bekannt: Während im Herbst 1945 die Stadt in Trümmern liegt, tritt im weitgehend unversehrten Justizpalast das Gericht der Alliierten zusammen, um über Nazi-Deutschland und seine Repräsentanten zu urteilen. Doch was geschah in der Villa am Stadtrand, wo die deutsch-ungarische Gräfin Ingeborg Kálnoky im September 1945 von den Alliierten den Auftrag bekommt, die ZeugInnen der Nürnberger Hauptkriegsverbrecher zu bewirten? Die Autorin Christiane Kohl wirft einen neuen Blick auf das historische Großereignis und die illustre Gästeschar, die auf ihre Vernehmung warten. Dieses Buch ist zugleich spannend, informativ und menschlich.

Auf der Flucht von Ungarn strandete die hochschwangere Gräfin Kálnoky im August 1945 in Nürnberg und wird von amerikanischen Militärs in ein Krankenhaus gebracht. Schnell erkennen die US-Offiziere, dass die junge Frau die richtige Person für die Ausführung einer heiklen Mission ist: sie ist adelig, politisch unbelastet und beherrscht einige Fremdsprachen. Vom Wochenbett weg engagiert, soll sie künftig als Hausdame für eine sehr spezielle Herberge arbeiten. Getreu ihrem Auftrag "Keep things runnig smoothly" - "sorgen Sie dafür, dass alles ruhig verläuft" führt Gräfin Kálnoky fortan das Zeugenhaus der Nürnberger Prozesse mit Nonchalance.

In Gräfin Kálnokys Villa vereinen sich unter der Regie der Alliierten Menschen, die gegensätzlicher nicht sein könnten: Einstige MitläuferInnen und Repräsentanten des NS-Regimes sitzen mit GegnerInnen und Opfern der Nazi-Bürokratie im Zeugenhaus an einem Tisch, und Hitlers Protégés treffen auf KZ-Überlebende. In diesem einzigartigen Mikrokosmos der deutschen Gesellschaft in der Stunde "Null" nach Kriegsende entwickeln sich zwischen den einen zarte Bande von Vertrautheit und Zuneigung, während sich andere im Zorn und Verbitterung, Selbstverleugnung, Schuldzuweisung, Angst und Amnesie verlieren.

Überall in Deutschland versuchen die Menschen, die NS-Diktatur und den Krieg zu vergessen und einen Neuanfang zu machen, und im Zeugenhaus überstürzen sich die Ereignisse: "Hitlers Leibfotograf Heinrich Hoffmann streitet mit Überlebenden des Holocaust, der Gründer der Gestapo Rudolf Diels legt sich mit dem einstigen sozialdemokratischen Innenminister Carl Severing an und der Schriftsteller Eugen Kogon beschwert sich über die Verhältnisse…".

AVIVA-Tipp: Christiane Kohls Buch ist eine einzigartige historische Momentaufnahme der Nürnberger Prozesse von 1945. Anhand der beiden Gästebücher der Gräfin Ingeborg Kálnoky erzählt die Autorin, wie die Zeugen der Anklage und der Verteidigung im Zeugenhaus aufeinanderprallen - eine grausame und zugleich entlarvende Konfrontation. Im Zeugenhaus der Nürnberger Prozesse trafen nie geahnte Einzelschicksale zusammen, die in einer hochexplosiven Stimmung zwischen Abrechnung und Neuanfang, Bitternis und Ausgelassenheit mündeten. Auf einfühlsame Art und Weise erzählt die Autorin eine der spannendsten Geschichten der Welt, die jedoch keine Fiktion ist sondern auf einer wahren Begebenheit beruht.

Zur Autorin:
Christiane Kohl
war zunächst als Bonner Korrespondentin des Kölner Express und später als Pressesprecherin im Hessischen Umweltministerium tätig. Von 1988 bis 1998 arbeitete sie als Redakteurin beim Spiegel. Von 1999 bis zum Sommer 2005 war sie Korrespondentin der Süddeutschen Zeitung in Rom, seit August 2005 arbeitet sie als Deutschland-Korrespondentin in Dresden. Berühmt für detailgenau recherchierte Dokudramen, u. a. ‚Der Jude und das Mädchen´, ist sie bei ihren Nachforschungen zum Nürnberger Prozess auf das so genannte Zeugenhaus gestoßen, das abseits der Weltöffentlichkeit unter einem Dach Opfer und Täter beherbergte. Eine Konstellation, die kontrastreicher nicht sein konnte.



Christiane Kohl
Das Zeugenhaus

Nürnberg 1945: Als Täter und Opfer unter einem Dach zusammentrafen
Goldmann Verlag, September 2005
ISBN: 3-442-31066-0
288 Seiten, gebunden mit 16 Bildtafeln
21,90 Euro
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Literatur Beitrag vom 20.10.2005 Sarah Ross 

   




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