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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 31.10.2005

Katias Mutter - eine Biographie von Inge und Walter Jens
Sabine Grunwald

Hedwig Pringsheim, den meisten nur bekannt als Thomas Manns Schwiegermutter, wird in dieser Biographie als geistreiche Gastgeberin und talentierte Briefschreiberin gewürdigt.



Hedwig Pringsheim, am 13. Juli 1855 in Berlin geboren, wuchs in einer Familie auf, die zwar nicht reich mit irdischen Gütern gesegnet war, aber literarische und politische Bildung besaß. Die Mutter, Hedwig Dohm, begann als Schriftstellerin und wurde, nachdem sie ihre vier Kinder großgezogen hatte, zu einer der bekanntesten Kämpferinnen für die Gleichberechtigung der Frau. Der Vater, Ernst Dohm, stammte aus einer armen jüdischen Familie und gründete 1948 die politisch-satirische Zeitschrift Kladderadatsch.

In einer eher unkonventionellen Umgebung war es den Kindern vergönnt, sowohl emotional geborgen als auch geistig gefördert zu werden. Die vier Mädchen erhielten eine gute Schulausbildung, hatten die Möglichkeit, Fremdsprachen zu lernen und sich literarisch zu bilden. Neben der schulischen Ausbildung wurde auch Wert auf sportliche Betätigung gelegt. Jeden Sommer suchten Mutter und Töchter noch vor Schulbeginn, das Askanische Bad zum Schwimmen auf.

Bekannt und beliebt waren die Montagabende, zu denen die Familie die Berliner Gesellschaft einlud, wo alle Altersstufen und Kreise vertreten waren. Der Bankier Carl Fürstenberg beschrieb diesen jour fixe folgendermaßen: "Einer der amüsantesten Menschen, die Berlin beherbergen, war zweifellos der immer witzige und niemals zahlungsfähige Ernst Dohm. Er bewohnte mit seiner hochbegabten Frau Hedwig eine ziemlich bescheidene Wohnung, in der seine vier reizenden Töchter mehr geistige Anregung als Licht und Sonnenschein genießen konnten."

Nach einem kurzen Ausflug als Schauspielerin, bei den Meiningern dem herzoglichen Hoftheater, heiratete Hedwig Dohm den Mathematiker Alfred Pringsheim. Der junge, jüdische Privatdozent war der Sohn von Rudolf Pringsheim, der den Weg vom oberschlesischen Bahnspediteur zum Rittergutsbesitzer und Multimillionär in Berlin geschafft hatte.

Die jungen Pringsheims führten ein offenes Haus, in ihrem Palais in der Arcisstraße in München gingen die "Promis" aus Kultur und Politik ein und aus. Der Kunstmäzen und Wagnerianer Alfred Pringsheim liebte seine schöne, elegante und gesellschaftlich gewandte Frau ohne jede Einschränkung, doch treu war er ihr nicht. Die selbstbewusste und pragmatische Ehefrau, mit viel Sensibilität und kritischem Witz gesegnet, war jedoch klug und souverän genug, um nicht an ihrer Zeit und ihrem Milieu zu Grunde zu gehen.

Die Fortschritte und Entwicklungen ihrer fünf Kinder wurden sorgfältig beobachtet und notiert, sowie das Lernbedürfnis gefördert. Auch wenn die Pringsheim-Kinder nie eine öffentliche Volkschule besuchten, durften sie doch mit Gleichaltrigen aus allen Gesellschaftsschichten spielen. Schon früh besuchten die drei Ältesten Amsterdam, Paris, Venedig und London, wo sie die klassischen Kunstwerke und die Theater erlebten. Am aufregendsten waren die legendären Radtouren mit Vater und Mutter, wobei die ambitionierte Radlerin die offizielle Erlaubnis ihres Gemahls benötigte.

Der Machtantritt der Nazis 1933 beendet abrupt das gesellige und geachtete Leben der Pringsheims. Die Familie wird geschäht, gedemütigt und letztendlich vertrieben, 1939 gelingt Hedwig und Alfred noch knapp die Flucht nach Zürich, wo sie ihre letzten Lebensjahre zusammen verbringen.

Über die AutorInnen:
Inge Jens,
1927 in Hamburg geboren, studierte Germanistik, Anglistik und Pädagogik in Hamburg und Tübingen. Sie promovierte 1953 mit einer Arbeit über "Die expressionistische Novelle". Mitarbeiterin an zahlreichen kulturhistorischen Forschungsprojekten. 1999 erhielt sie von der Bayerischen Akademie der Schönen Künste die Wilhelm-Hausenstein-Ehrung für kulturelle Verdienste.
Walter Jens, 1923 in Hamburg geboren, studierte klassische Philologie und Germanistik in Hamburg und Freiburg. Promotion 1944, Habilitation 1949. Ab 1962 Inhaber des Lehrstuhls für Klassische Philologie und Allgemeine Rhetorik an der Universität Tübingen. Von 1989 bis 1997 Präsident der Akademie der Künste in Berlin.

AVIVA-Tipp: Ein kluges und unterhaltsames Zeitdokument einer Familie, die maßgeblich das Zeitgeschehen mitbestimmte Die zahlreichen Quellen und besonders die amüsanten und intelligenten Briefe von Katia Manns Mutter Hedwig machen das Buch lesenswert.



Inge und Walter Jens
Katias Mutter

Das außerordentliche Leben der Hedwig Pringsheim
Rowohlt Verlag, Hamburg Juli 2005
ISBN 3-498-03337-9
Geb. 237 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen und Quellenmaterial
19,90 Euro90008115&artiId=3095283

Literatur Beitrag vom 31.10.2005 Sabine Grunwald 

   




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