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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 03.06.2003

Lesesüchtig
Kirsten Eisenberg

Nach bisher drei in Deutschland erschienenen Krimis fesselt Maria-Antònia Oliver ihre LeserInnen in Mondsüchtig mit der tragischen Liebesgeschichte zweier Aidskranker



Bartomeu - für gute Freunde Tomeu, für intimste Freunde Tomeva - ist schwul und hat Aids. So mancher Autor würde ein Buch schreiben, das einem nach seinem Verzehr schwer im Magen liegt. Nicht so Maria-Antònia Oliver. Die bekannte katalanische Schriftstellerin, von der in Deutschland bisher leider erst drei Krimis publiziert wurden, macht aus diesem Stoff einen lebendigen, witzigen und trotzdem durch und durch ergreifenden Roman.

In "Mondsüchtig" erzählt der heute 47jährige Tomeu rückblickend sein Leben, das sich an dem Tag seines Coming-Outs schlagartig verändert.
Er, der doch "ein ganzer Mann" ist, bekommt einen Wutanfall ob der überraschenden Gelassenheit seiner Mutter.
Er schildert, wie er langsam in seine neue Identität hineinwächst, dabei manchmal verzweifelt ist, Demütigungen ertragen muss aber schließlich die Liebe findet.
Mit Fabrizio verbringt er drei stürmische, lustige, sinnliche, lebendige Jahre. Bis Fabrizio an Aids stirbt.

"Unsere Liebe war wohl nicht so anders als bei vielen anderen Paaren, ob hetero oder homo, aber für uns war diese Liebe einzigartig, überlegen, groß, anders, und für mich war sie eine Offenbarung, eine Entfesselung von Körper und Geist zugleich." Die beiden schweben auf Wolke Sieben. "Mondsüchtig" erzählt eine wunderbare Liebesgeschichte - ohne Kitsch werden große Gefühle in schlichte Worte gefasst.

"Aids war mir scheißegal." Eine Einstellung, die viele Menschen an den Tag legen, und die auch Tomeu aus allen Wolken fallen lässt, als bei einem Unfall im Krankenhaus ein Test gemacht wird und positiv ausfällt. Oliver beschreibt eindrucksvoll, wie das Bewusstsein um die Krankheit einen Menschen vor Angst lähmen, zu blinder Hoffnung oder zu Verzweiflungstaten treiben kann.

"Ja, er [Fabrizio] war ein Gott...oder ein Teufel. Und ich kam mir neben ihm vor wie ein Scheißhaufen mit Schleifchen".
Tomeus unverblümte Ehrlichkeit amüsiert und macht den Katalanen zu einer äußerst liebenswerten Person.
Dies liegt sicher daran, dass die Autorin ihren Protagonisten eben nicht nur als den aidskranken Homosexuellen darstellt. Sondern als romantischen Verliebten, als erfolglosen Schriftsteller, als trotzigen Sohn, als jähzornigen Freund, als liebenswerten Träumer, als pedantischen Spinner.

1946 auf Mallorca geboren kämpfte Oliver in der Franco-Zeit für Demokratie und die Gleichberechtigung der Geschlechter.
Durch eine schwere Krankheit wurde sie lange Zeit am Schreiben gehindert.
Es ist daher anzunehmen, dass Tomeu, Gelegenheits-Schriftsteller mit zeitweiliger Schreibblockade, auch ein Stück weit persönliche Erlebnisse der Autorin widerspiegelt.

In Barcelona sorgte Olivers Roman in der Lesbenszene für Empörung. Warum, zum Teufel, hatte die Schriftstellerin sich nicht ihres eigenen Geschlechts angenommen? "Die einzige Lesbe, die im Roman vorkommt, ist unsympathisch und hässlich", so Oliver selbst. "Männer und Frauen unterscheiden sich in ihren Empfindungen ohnehin nicht wesentlich", erklärt sie weiter. Und da viele Schwule und wenig Lesben zu ihrem Freundeskreis zählen, lag es nahe, ihren Roman eben in der Homosexuellenszene Barcelonas spielen zu lassen.

"Mondsüchtig" - ein Buch, dessen Titel die Wirkung auf die Leserin schon erahnen lässt. Es macht süchtig, lässt einen gierig Seite um Seite verschlingen und bereitwillig in die komplexe Gedanken- und Emotionswelt Tomeu ´s hineinfallen. Dass es sich bei ihm um eine fiktive Gestalt handelt, kann man schon nach den ersten Seiten kaum mehr glauben. Mit so viel Lebendigkeit füllt sich die Persönlichkeit des Protagonisten, dass der Roman fast autobiografische Züge annimmt.

Klicken Sie hier, wenn Sie das Interview mit Maria-Antònia Oliver lesen wollen.



Maria-Antònia Oliver
Mondsüchtig

Titel der katalanischen Originalausgabe: Tallats de lluna
Argument Verlag, 2003
ISBN: 3-88619-480-9
Preis: 9,90 €>

Literatur Beitrag vom 03.06.2003 AVIVA-Redaktion 

   




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