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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 10.04.2006

Meine Sprache wohnt woanders
Sarah Ross

Lea Fleischmann und Chaim Noll - zwei deutsche SchriftstellerInnen, die sich in ihrem neuen Buch mit ihrer Vergangenheit in Deutschland und der Gegenwart in Israel auseinandersetzen.



Das j├╝ngst im Scherz Verlag erschienene Buch "Meine Sprache wohnt woanders. Gedanken zu Deutschland und Israel" beschreibt auf einf├╝hlsame wie auch kritische Art und Weise ein Ph├Ąnomen, das besonders nach Israel ausgewanderte SchriftstellerInnen, wie Lea Fleischmann und Chaim Noll, betrifft: Zwar haben sie ihr Geburtsland hinter sich gelassen, ihre Muttersprache jedoch nicht. Beide wurden in Deutschland geboren und fanden in Israel eine neue Heimat. In ihrem gemeinsam herausgegebenen Buch setzen sie sich sowohl mit ihrer alten wie auch mit ihrer neuen Heimat auseinander und symbolisieren somit auf au├čergew├Âhnliche Art und Weise das besondere Verh├Ąltnis zwischen Deutschland und Israel: Sie leben in Israel und schreiben auf Deutsch.

Im Leben von Chaim Noll und Lea Fleischmann findet man all das wieder, womit sich die ├ťberlebenden des Holocausts und deren Nachkommen in den vergangenen 60 Jahren auseinandersetzen mussten: Angst, Terror, die unaussprechlichen Worte, die das Leben immer begleiten, das Erforschen der eigenen j├╝dischen Identit├Ąt, das Suchen und Finden einer neuen (spirituellen) und die Auseinandersetzung mit der alten Heimat. All diese Erlebnisse sprechen beide AutorInnen in ihrem neuen Buch offen aus und gehen dabei mit ihrer Vergangenheit in Deutschland und der Gegenwart in Israel kritisch und leidenschaftlich ins Gericht.

Tagt├Ąglich erleben sie das Land, in dem Milch und Honig flie├čt, in seiner ganzen Widerspr├╝chlichkeit, beide beschreiben sie den israelischen Alltag mit seinen sch├Ânen und negativen Seiten, berichten als unmittelbar Betroffene von den Terroranschl├Ągen und stellen ihre Sicht zum Nahost-Konflikt dar. Das Besondere an dem hier vorliegenden Buch ist jedoch, dass die Verbundenheit und Liebe beider SchriftstellerInnen zu Israel, aber auch die zu ihrer alten Heimat - dem Land, in dem ihre Sprache wohnt - in einem einzigartigen Zeitdokument zum Ausdruck gebracht wird. Denn vor allem ihre Erinnerungen an Deutschland sind auch Erinnerungen an ein geteiltes Land: Lea Fleischmann wuchs in der BRD auf, Chaim Noll in der DDR.

Fleischmanns Eltern haben, seelisch und k├Ârperlich sehr geschw├Ącht, den Holocaust ├╝berlebt. 1947 kam ihre Tochter Lea in einem Lager f├╝r ÔÇÜdisplaced persons´, bei Ulm zur Welt. Auch wenn ihre Eltern von den Konzentrationslagern und der Brutalit├Ąt des Krieges nie sprachen, so wurde Leas Kindheit im Nachkriegsdeutschland, und schlie├člich auch ihr Deutschlandbild, doch von den Erlebnissen ihrer Eltern gepr├Ągt. Als Lea 10 Jahre alt ist, wird ihre Familie nach Frankfurt am Main umgesiedelt. Hier besucht sie die Schule und sp├Ąter auch die Universit├Ąt und lernt dabei ihr eigenes Deutschland kennen. W├Ąhrend ihres P├Ądagogikstudiums erlebte sie die Zeit der Studentenbewegung, macht sich in der Frauenbewegung aktiv und arbeitete sp├Ąter als Lehrerin in Hessen. 1979 entschloss Lea Fleischmann sich schlie├člich dazu, ihre Heimat zu verlassen, um mit ihren zwei Kindern nach Israel auszuwandern. Seitdem lebt sie in Jerusalem, wo sie auch das Judentum wieder f├╝r sich entdeckte. Sie lernte Hebr├Ąisch, um die Tora lesen zu k├Ânnen. Doch was sie, ebenso wie Chaim Noll, nachhaltig gepr├Ągt hat, war die Erfahrung: "Meine deutsche Staatsb├╝rgerschaft konnte ich zur├╝ckgeben, die deutsche Sprache nicht."

Chaim Noll kam als Sohn des Schriftstellers Dieter Noll 1954 in Ostberlin zur Welt. Ebenso wie die Kindheit von Fleischmann, waren auch seine Kindertage in der DDR von dem Unaussprechlichen ├╝berschattet. Beide Elternteile waren Kommunisten, aber dennoch gab es da etwas, was sie von den anderen Nachbarn und Mitmenschen unterschied. Klarheit bekam Chaim Noll schlie├člich, als er nebenbei erf├Ąhrt, dass seine Gro├čmutter den Judenstern tragen musste. Damals begann seine Suche nach seiner j├╝dischen Identit├Ąt. Das Verlangen, wissen zu wollen, woher man stammt und wer man ist wurde f├╝r Noll zur treibenden Kraft seines Lebens. Zun├Ąchst studierte er Kunst und Kunstgeschichte in Jena und Berlin, ging dann nach West-Berlin und von dort nach Rom. In Rom begann er die antiken Wurzeln des Juden- und Christentums zu studieren und die Synagoge zu besuchen. Mit seiner Auswanderung 1995 nach Israel fand auch er den Weg ins religi├Âse Judentum. Seither lebt er in der Negev W├╝ste.

AVIVA-Tipp: Beide AutorInnen beobachten und erleben das Leben und die Menschen in Israel und erinnern sich an Deutschland. Aus dieser Symbiose heraus entstand dieses wunderbare Buch, das interessante Einblicke ins religi├Âse und weltliche Alltagsleben in Israel bietet - ein Buch, das von der Sorge um die eigene Sicherheit und die der Familie erz├Ąhlt, sowie von dem moralischen Widerstand gegen die Selbstmordattentate. Obwohl sie beide ihre neue Heimat als ein Land der Lebensfreude und des Gottvertrauens beschreiben, sehen sie Israel - aber auch die heutige Lage in Deutschland - mit kritischer Anteilnahme und schonungsloser Offenheit. Das Buch ist auch aus literarischer Sicht ein wichtiges Dokument der Zeitgeschichte und Gegenwart.

Zu den AutorInnen:
Lea Fleischmann
wurde 1947 in Ulm geboren und verbrachte ihre Jugend in Frankfurt am Main. Bis sie 1979 Deutschland verlie├č, war sie als Lehrerin t├Ątig. Sie lebt und arbeitet als deutschsprachige Autorin in Jerusalem und widmet sich dem deutsch-israelischen und christlich-j├╝dischen Dialog. Lesereisen f├╝hren sie regelm├Ą├čig nach Deutschland, in Israel liest sie vor deutschsprachigen Reisegruppen.
N├Ąhere Informationen: www.leafleischmann.com

Chaim Noll wurde 1954 in Ostberlin als Sohn des Schriftstellers Dieter Noll geboren. Er studierte Kunst und Kunstgeschichte an den Universit├Ąten Jena und Berlin. Seine ersten Manuskripte wurden in den Westen geschmuggelt. 1983 reiste er nach Westberlin aus, 1991 verlie├č er Deutschland. Er lebt seit 1995 in Israel. Weitere Ver├Âffentlichungen: Nachtgedanken ├╝ber Deutschland (1992), Die W├╝ste l├Ąchelt (2001) u. a.



Meine Sprache wohnt woanders. Gedanken zu Deutschland und Israel
Lea Fleischmann / Chaim Noll

Scherz Verlag, erschienen Januar 2006
ISBN 3-502-15023-0
255 Seiten, gebunden
17,90 Euro90008115&artiId=5165400"

Literatur Beitrag vom 10.04.2006 Sarah Ross 

   




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