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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 20.04.2006

Ich ergebe mich - Ein erotisches Geständnis
Danielle Daum

Wenige Frauen tun es, und noch weniger reden offen darüber. Die New Yorkerin Toni Bentley setzt sich mit dem vielleicht letzten großen Tabu im Bereich der Sexualität literarisch auseinander.



Ab und an gibt es diese Bücher, die entweder "schmutzig" aber trotzdem so unerwartet literarisch oder eben literarisch wertvoll, aber so "außerordentlich schmutzig" sind, daß es einfach zum MUSS wird, sie gelesen zu haben. Bis sie dann schließlich von genau den Leuten kontrovers diskutiert werden, die sich sonst in der Videothek nicht mal in die Nähe des Pornoregals trauen würden.

"Das Sexuelle Leben der Catherine M." war so ein Buch. Die sexuelle Autobiographie der renomierten französischen Kunstkritikerin Catherine Millet war 2002 monatelang auf den Bestsellerlisten. Nach dem erotischen Tagebuch "Mit geschlossenen Augen" von Melissa Panarello, in dem die junge Sizilianerin von ihren ersten extremen und demütigenden sexuellen Erfahrungen erzählt ist "Ich ergebe mich" von Toni Bentley nun also der amerikanische Beitrag zur erotischen Literatur der Gegenwart.
Doch während Madame Millet den sexuellen Akt in ihrem Buch entmystifiziert und stets versucht, Sex frei von Emotionen und als einen rein physischen, von Hormonen gesteuerten, Prozess zu beschreiben fühlt sich Miss Bentley wohl eher der Tradition Henry Millers und Anaïs Nins verbunden, die die sexuelle Vereinigung als eine spirituelle Form der Selbsterkenntnis betrachtet.
Doch genau wie auch Catherine Millet entspricht Toni Bentley nicht ganz dem Bild, wie man sich die Autorin eines solchen Buches vorstellt. Sie tanzte 10 Jahre im New York City Ballet unter George Balanchine und veröffentlichte bereits 1982, im Alter von 21 Jahren, ihr erstes Buch "Winter Season: A Dancer´s Journal". Sie ist Mitverfasserin der Biographie ihres Idols Suzanne Farrell und machte zuletzt mit ihrer Studie über Striptease "Sisters of Salome" von sich reden, für die sie selbst als Stripperin im Blue Angel in TreBeCa recherchierte und beachtliche Trinkgelder kassierte. In ihrem neuen Buch richtet Toni Bentley ihre schriftstellerische Aufmerksamkeit nun auf ein ganz anderes Thema, welches ebenso wie das Ballett Körper, Geist und Seele aufs höchste beansprucht: Anal Sex.
Der Grund für den vielen Wirbel um dieses Buch liegt zunächst einmal ganz einfach an seiner Thematik selbst. Diese sexuelle Praktik ist zwar längst kein Tabu mehr, aber reden tut man trotzdem nicht darüber und sogar Ms. Bentley gesteht, anfangs daran gedacht zu habe, den Titel unter einem Pseudonym zu veröffentlichen. Wenige Frauen tun es, und noch weniger geben es offen zu. Doch in ihrem schohnungslosen und intimen Geständnis bekennt sich Toni Bentley zu diesem sexuellen Akt und zelebriert den Spaß jenseits der Konventionen. Nach einer gescheiterten Ehe und mehreren sexuellen Eskapaden trifft sie schließlich auf einen Liebhaber, der sie mit neuen Formen der Lust bekannt macht, bis hin zum "heiligen Akt", der für sie zu einer ganz besonderen Form des sexuellen Erwachens wird:

"Ich liebte einmal einen Mann so sehr, daß ich nicht mehr existierte - Er war alles, Ich war nichts. Jetzt liebe ich mich selbst gerade so sehr, daß kein Mann existiert - Ich bin alles, sie sind nichts. Früher waren sie alle Gott und ich war eine Ausgeburt meiner Phantasie. Dasselbe Spiel, andere Positionen. Ich kenne keine andere Art zu spielen. Jemand muß oben sein, jemand unter. Nebeneinander ist langweilig. Ich habe es mal ein paar völlig verwirrende Minuten lang probiert. Gleichheit negiert den Fortschritt und verhindert Taten. Aber ein Oben und ein Unten, die schaffen es bis zum Mond und zurück, bevor Gleiche aushandeln können, wer bezahlt, wer flachgelegt wird und wer die Schuld bekommt.

Meine Umstellung verlief jedoch nicht von unten nach oben, sondern von unten nach unten: Sie führte von meiner elenden emotionalen Unterwerfung zu meiner gepriesenen sexuellen Unterwerfung. Diese Geschichte erzählt von meiner Wandlung - und von ihrem Preis. Sehr teuer. Unbezahlbar."


AVIVA-Tipp: "Ich ergebe mich" ist die freizügige, aber immer intelligente und eloquente Erforschung der Obsession einer Frau, die bei vielen Leserinnen zur Hinterfragung der eigenen Bedürfnisse führen wird.

Zur Autorin:
Toni Bentley war 10 Jahre lang Tänzerin bei George Balanchines New York City Ballet. Sie ist Autorin mehrerer Bücher, die allesamt zu New York TimesNotable Books gekürt wurden. Darüber hinaus schreibt sie für Publikationen wie die New York Times, Los Angeles Times, Allure oder den Rolling Stone.


Toni Bentley
Ich ergebe mich

Originaltitel: The Surrender
Wilhelm Heyne Verlag, München, erschienen März 2006
ISBN 3-453-67500-2
240 Seiten
8,95 Euro http://www./?r=aviva-berlin90008115&artiId=3588611"

Literatur Beitrag vom 20.04.2006 AVIVA-Redaktion 

   




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