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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 30.07.2003

Queer Crime
Jana Scheerer

Mord und Totschlag zwischen zwei Buchdeckeln: Die im Querverlag erschienene Anthologie versammelt 14 lesbisch-schwule Krimigeschichten. Und Vorsicht: Ermittelt wird sogar im Heterosexuellenmilieu!



Es ist dunkel. Sie sind allein zu Hause. Der Wind pfeift ums Haus. Die Dielen quietschen...Das ist die einzige Lebenslage, in der Sie auf keinen Fall "Queer Crime" lesen sollten. Denn in den Erz├Ąhlungen ├╝ber lesbische und schwule KommissarInnen, M├ÂrderInnen und Opfer geht es unheimlich zu - und das ist unheimlich spannend.

Dabei treffen sich Schreibweisen, die unterschiedlicher kaum sein k├Ânnten. Manuela Kay ist mit einem eher parodistischen Lesben-Krimi-Verschnitt ├╝ber einen Mord im Szenemagazin "Motzstra├če" vertreten - wohl frei nach dem Motto "Siegess├Ąule meets Lindenstra├če": Innerhalb k├╝rzester Zeit wird ein riesiges Figurenensemble erschaffen, das sich in immer verwickelter werdenden Beziehungs- und Aff├Ąrenkonstellationen um den Ermordeten gruppiert und viel Sex, aber keine Erotik bietet. Hier m├Âchte die geneigte Leserin nicht die T├ĄterIn erfahren, sondern wer f├╝r diese Personen wohl Modell stand...

Stella Duffy liefert mit "Der Versicherungsmann" eine Variation des "unzuverl├Ąssigen Erz├Ąhlers": Die T├Ąterin selbst berichtet die Geschichte und enth├Ąlt dem Leser wichtige Informationen bis zum Schluss vor. Auch hier ist die Frage nach der M├ÂrderIn nicht entscheidend - die gro├če ├ťberraschung ist das Motiv der T├Ąterin, das eine wirklich gelungene Pointe darstellt.

Unter den sechs im Buch vertretenen Autorinnen sind au├čerdem Ursula Steck, Katrin Kremmler, Thea Dorn, und Susanne Billig. Letztere ├╝berzeugt durch einen psychologisch interessanten Plot und eine mitrei├čende Sprache.
Ihre Protagonistin sitzt bereits im Gef├Ąngnis, als sie ihre Geschichte erz├Ąhlt - oder doch nicht? Traum- und Erinnerungsfrequenzen lassen die Realit├Ąt beim Lesen fragw├╝rdig werden.

Herausgeberin Lisa Kuppler hat Amerikanistik und Geschichte studiert. Sie arbeitet als freie Lektorin, Ghost-Writerin und ├ťbersetzerin, unter anderem hat sie das Hauptwerk des Krimi-Autors Mickey Spillane ins Deutsche ├╝bertragen. Und falls es die M├ÂrderInnen und Totschl├ĄgerInnen mal nicht mehr in den B├╝chern halten sollte, ist sie als Kampfsportlerin gut vorbereitet.

Auf jeden Fall bietet "Queer Crime" einen interessanten Querschnitt durch lesbisch-schwules Schreiben und zugleich ein paar Stunden spannende Unterhaltung. Ein gutes Buch f├╝r unterwegs, denn die T├ĄterIn ist schon nach einer S-Bahnfahrt ermittelt. Noch besser ist es nat├╝rlich, sich mit der S├╝├čen auf┬┤ s Sofa zu kuscheln und eine Runde vorzulesen. Dann k├Ânnen die Dielen ruhig quietschen...



Lisa Kuppler (Hsg.)
Queer Crime
Lesbisch-Schwule Krimigeschichten

Querverlag, Februar 2002
ISBN 3-89656-076-X
Paperback, 303 Seiten
15,50 ÔéČ90008115&artiId=1419441"

Literatur Beitrag vom 30.07.2003 AVIVA-Redaktion 

   




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