Sauberer Abgang - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
Aviva-Berlin .
.
P
R
.
.

Happy End AVIVA_gegen_AFD
Aviva-Berlin > Literatur
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   Jüdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Romane + Belletristik
   Biographien
   Jüdisches Leben
   Sachbuch
   Graphic Novels
   Art + Design
   Lesungen in Berlin
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 
  Hier suchen, oder zur Sucheseite!


AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook
 


AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2017




Happy Birthday AVIVA




Gleichstellung weiter denken. Ein Leitbild für das Land Berlin

Gleichstellung weiter denken
Mehr Infos unter:
www.gleichstellung-weiter-
denken.de



<< Kleine Suche
Nutzen Sie gern unsere Suche in größerer Schrift!

TIPP: über den Zurück-Button Ihres Browsers kommen Sie erneut zur Suche.




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 26.04.2006

Sauberer Abgang
Christiane Müller

Der Krimi von Anne Chaplet ist vor allem wegen der sensiblen Beschreibung eines Vater-Sohn-Konfliktes lesenswert. Ihre präzise Sprache und ihr Witz machen die Lektüre zu einem Vergnügen.



Laut Verlagsinformation soll Anne Chaplet selbst über ihr neues Buch gesagt haben: "Es ist schon seltsam, dass man oft erst hinterher weiß, was im soeben beendeten Roman das Thema hinter dem Thema ist. Dabei ist es das, was es schon in `Caruso singt nicht mehr´ war: Die Liebe."
Damit hat sie sehr Recht, und die "Nebengeschichte" über eine Liebe zwischen Vater und Sohn ist auch der Grund, warum es sich lohnt "Sauberer Abgang" zu lesen. Die Hauptgeschichte, eine Krimistory, ist weit weniger gelungen.

Doch eins nach dem anderen: Dalia Sonnenschein (was hat sich Chaplet bei diesem einfältigen Namen bloß gedacht?) ist Putzfrau. Eine sehr clevere Putzfrau, die gerne die Manager, deren Büros sie nachts reinigt, ausspioniert und erpresst. Bei ihrer einträglichen Arbeit findet sie mehr als einmal einen Toten, der nicht auf natürlichem Wege starb. Staatsanwältin Karen Stark (noch so ein Name wie aus einer Vorabend-Krimiserie) ermittelt und stößt auf eine alte Verschwörung einer Männer-Clique, die vor 25 Jahren eine unheilvolle Geschichte erlebte, die sie jetzt wieder einholt.
Die sechsköpfige Gruppe - fast alles gut situierte Männer Ende vierzig - muss erleben, wie einer nach dem anderen von ihnen ermordet wird. Wer hat einen Grund, sich nach so langer Zeit zu rächen und vor allem: Wer ist der nächste?
Einer von ihnen ist der 48jährige Will Bastian, der gerade seinen Job als Reporter und seine Freundin verloren hat (sie will ein Kind, er nicht). Um Geld zu sparen zieht er bei seinem 82jährigen Vater Karl ein. Seinen Freunden erzählt er, dass der alte Mann gepflegt werden müsse. Mit dem Einzug beginnt eine spannende Annäherung der beiden Generationen und die zärtliche Liebe, die unter einer rauen Schale der Ablehnung und jahrelangen Verachtung (der alte "Betonkopf") verborgen ist, kommt allmählich zutage.

Wie Chaplet das schwierige Zusammenleben von Will und seinem Vater beschreibt, seine Gefühle und Ängste, seine Gedanken über das Älterwerden und das Leben an sich - das ist einfach großartig. Ihre Vater-Sohn-Figuren sind äußerst vielschichtig angelegt und nach wenigen Seiten hat man das Gefühl, die Protagonisten sehr gut zu kennen. Ihre Sprache ist knapp, aber auch sehr pointiert und spricht mit wenigen Worten die Gefühle der LeserInnen an.
Sie beherrscht die seltene Gabe, eine Situation tragikomisch zu beschreiben, so wie das Leben eben oftmals ist.
Ein Beispiel: Will geht mit Karl bummeln. "Als sie beim Vogelsbergbauern angelangt waren, dem Stand mit den besten Bratwürsten des Marktes, ließ der Alte sich nicht lange nötigen. Da ging immer noch was rein in die Figur, sogar nach dem Riesenschnitzel im Kaufhausrestaurant. Und zum Schluss ließ er sich zu einem Glas an Winzerausschank überreden. Zwei soignierte Frankfurter rückten an ihrem Stehtisch die Rotweingläser ein wenig zur Seite, damit Karl und Will die ihren dazustellen konnten. Hier standen überwiegend Menschen der Generation 50plus, der er sich mit Riesenschritten näherte und die das Geld und die Zeit hatten, sich schon am Nachmittag die Kante zu geben.
Die Zeit hatte er schon heute.
"Das machen wir jetzt öfter", sagte Karl nach dem zweiten Schoppen.
"Von deiner Rente", sagte Will.
"Wovon sonst?"
Karl war nicht mehr nüchtern, und Will wurde melancholisch. Das Leben schien gurgelnd davon zu rinnen und mit einem letzten Seufzer wegzusacken."

Doch es ist nicht Wills Leben, das "gurgelnd davon rinnt", sondern das von Karl...

Leider sind die anderen Figuren nicht ganz so schön "ausgeleuchtet", sie wirken sogar recht flach dagegen. Auch die Krimistory vermag nicht wirklich zu fesseln, und die Auflösung ist enttäuschend und nicht überzeugend. Aber um alles zugleich zu sein - Frankfurter Milieustudie, Krimi, Gesellschaftsroman, Entwicklungsroman - dafür ist das Buch mit seinen gerade mal 288 Seiten einfach zu dünn.

AVIVA-Tipp: Sehr unterhaltsam und nachdenklich stimmend, wenn auch eher auf der zweiten Ebene (die Will-und-Karl-Geschichte). Wer einen superspannenden Thriller erwartet, wird enttäuscht sein. Die Krimistory ist nur schmückendes Beiwerk für eine melancholische und sehr realistisch erzählte Annäherung von Vater und Sohn, für die es fast zu spät gewesen wäre.

Zur Autorin: Anne Chaplet (ihr Pseudonym) wohnt mit drei Katzen in Oberhessen, Frankfurt am Main und in Südfrankreich. Unter ihrem richtigen Namen Cora Stephan hat sie zahlreiche Sachbücher verfasst. Sie ist Schriftstellerin, promovierte Politikwissenschaftlerin und Historikerin. Für ihre Romane erhielt sie den Deutschen Krimipreis 2001, den Radio-Bremen-Krimipreis 2003 und den Deutschen Krimipreis 2004.
Mehr Informationen zur Autorin unter ihrer Homepage www.anne-chaplet.de


Sauberer Abgang
Anne Chaplet

Verlag Antje Kunstmann, erschienen März 2006
ISBN: 3-88897-424-0
Gebunden, 288 Seiten
19,90 Euro90008115&artiId=5203780"


Literatur Beitrag vom 26.04.2006 AVIVA-Redaktion 

   




   © AVIVA-Berlin 2017  
zum Seitenanfang suche sitemap impressum home Seite weiterempfehlenSeite drucken