Ingrid Noll - Ladylike - gelesen von Maria Becker - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
Aviva-Berlin .
.
P
R
.
.

Happy End AVIVA_gegen_AFD
Aviva-Berlin > Literatur AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   J├╝disches Leben
   Interviews
   Literatur
   Romane + Belletristik
   Biographien
   J├╝disches Leben
   Sachbuch
   Graphic Novels
   Art + Design
   Lesungen in Berlin
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Chanukka 5778




Gleichstellung weiter denken. Ein Leitbild f├╝r das Land Berlin

Gleichstellung weiter denken
Mehr Infos unter:
www.gleichstellung-weiter-
denken.de



Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 22.06.2006

Ingrid Noll - Ladylike - gelesen von Maria Becker
Almut M├╝nch, Agnes Winklarz

Es ist keine leichte Aufgabe, den zynischen Tonfall von Ingrid Nolls Roman zu treffen. Aber Maria Becker gelingt es mit ihrer unverwechselbaren Stimme, dem Anspruch gerecht zu werden.



Wenn man ihren durchtrieben-lebenshungrigen, patenten und faltenlosen Frauengestalten begegnet - im besten Alter, mitten im Leben stehend und nie um einen flotten Spruch verlegen -, mag man kaum glauben, dass Ingrid Noll alterstechnisch gesehen ihre Gro├čmutter sein k├Ânnte. Vergangenen September wurde sie 70. Und hat sich mit "Ladylike" zur Abwechslung einmal ihre Altersgenossinnen vorgenommen. Ohne pardon und wie immer mit viel Humor.

Je oller...

Da sitzen sie nun, Lore und Anneliese, die beiden ungleichen Freundinnen - die eine dick, die andere d├╝nn, die eine wohlhabend, distinguiert und eben ladylike, die andere zwar nicht mit Verm├Âgen, doch mit einer unersch├╝tterlich guten Laune und einem zauberhaften H├Ąuschen mit Garten. Beide seit Jahren verwitwet, mit Kindern, Enkeln und Erinnerungen gesegnet. Sie wollen es nicht so richtig zugeben, aber mit 73 geh├Âren Lore und Anneliese zum alten Eisen. Das merken sie immer dann, wenn sie unbemerkt etwas mitgehen lassen k├Ânnen, Strickjacken oder Schmuckst├╝cke zum Beispiel, oder wenn sie einfach ├╝bersehen werden. Alte Damen fallen irgendwie nicht auf. Es sei denn, sie wanken des Nachts bekifft durch Heidelberg - aber soweit sind wir an dieser Stelle noch nicht.
Im Augenblick leben die beiden ein relativ unspektakul├Ąres Leben als Alten-WG und lassen sich zwischen Fr├╝hst├╝ck, Gartenarbeit, Kaffeetrinken und einem kleinen Schlummertrunk sanft durch den immer gleichen Alltag schaukeln. Solange, bis Ewald vor der T├╝re steht, ihrer beider Tanzschulbekanntschaft. Um cirka 50 Jahre gealtert zwar, aber das sind sie ja selbst.

Je doller!

Und ehe sie sichÔÇÖs versieht, hat Anneliese sich ├╝ber beide Ohren verliebt (ganz altersgem├Ą├č bei Kaffee und Kuchen zwar, doch mit s├Ąmtlichen k├Ârperlichen Anzeichen des Backfischs, der sie ja auch einmal war). Wen st├ÂrtÔÇÖs, dass Ewald verheiratet ist und seiner schwer kranken Gattin wegen ins Heidelberger Umland verschlagen wurde? Die Gute, das bekommen die beiden gewieften Freundinnen schnell heraus, ist schwer krank, ├╝bellaunig und auch ansonsten nicht gerade Ewalds Wunschvorstellung von einer Partnerin. Weshalb er auch ohne lange zu ├╝berlegen bei Lore und Anneliese einzieht.

Damit k├Ânnte alles so sch├Ân sein - der alte Freund entpuppt sich als echter Kavalier: lustwandelt mit Lore im Schwetzinger Schlosspark und h├╝pft nach dem Tee mit Anneliese im Dreivierteltakt durchs Wohnzimmer. Dass die Gute als gewieftes Kr├Ąuterweiblein Teekr├Ąuter sehr wohl von Eisenhut unterscheiden kann, kommt dem Trio weiterhin sehr zupass, denn als Ewalds kr├Ąnkelnde Gattin im besten Sinne des Wortes nach einer Teezeremonie ins Gras bei├čt, steht ihrem Gl├╝ck eigentlich nichts mehr im Wege.

Und: Wehe, wenn sie losgelassen

Aber wohin verschwindet er jeden zweiten Abend? Und wer von den beiden Damen bekommt ihn nun? Denn dass Lore einem dritten Fr├╝hling v├Âllig gleichg├╝ltig gegen├╝ber st├╝nde und die Zahl der Verehrer gr├Â├čer gleich null w├Ąre, kann sie nicht gerade behaupten. Deshalb kommt Ewald mit der Unschuldsminen-Nummer auch nicht davon: Die beiden Alten wollen es nun n├Ąmlich ganz genau wissen. Das Ger├╝cht, dass er in derselben Heidelberger Pflegeklinik, in der er seine verblichene Frau untergebracht hatte, eine Aff├Ąre mit einer bedeutend j├╝ngeren ├ärztin unterh├Ąlt, findet seinen Weg auch ohne gr├Â├čeres Zutun zu Lore und Anneliese. Als er dann aber auch noch mit der Dame zum Heiraten nach Italien verschwindet, sehen die beiden Damen rot... Einmal gestellt, gesteht Ewald auch prompt: Die sagenhafte Yolanda sei niemand anderes als seine Tochter - die neue, wiedergefundene sozusagen, aus einem Seitensprung mit einer feurigen Brasilianerin entsprungen. Und geheiratet habe nur sie - seinen Schwiegersohn n├Ąmlich.

Bleibt die Frage, wohin Ewald nach wie vor verschwindet, wenn er nicht bei Yolanda und ihrem Frischangetrauten in Heidelberg weilt. Lore und Anneliese wissen auch diesmal Rat: Sie dingen ein Studentenp├Ąrchen und heften die beiden jungen Leute an Ewalds Fersen. Immerhin geht es hier um Leben - oder seinen Tod. Sich einfach bei ihnen einnisten und sich dann mit anderen Frauen vergn├╝gen, das kommt den beiden resoluten alten Damen n├Ąmlich nicht in die T├╝te.

Jenseits von Gut ist noch lange nicht b├Âse

Dass es sich bei der Unbekannten, mit der Ewald in den besten Lokalen Heidelbergs gesichtet wird, um niemand anders als Yolandas total durchgeknallte Mutter handelt, beruhigt die beiden Alten nicht - sie wollen sich das neue Familiengl├╝ck Ewalds gerne genauer ansehen. Dass die Begegnung zwischen Lore, Anneliese und der mit halluzinogenen Drogen nicht gerade zimperlich umgehenden Luiza in einer Katastrophe endet, muss man bei Ingrid Noll vermuten. Und dass Lore und Anneliese im Endeffekt bekommen, was sie wollen - und das ganz ladylike, oder eben zuf├Ąllig, wen st├Ârt das schon - ist sowieso klar.

AVIVA-Tipp: Maria Becker gelingt es wie keiner anderen, mit ihrer charmant abgekl├Ąrten Art, Lore und Anneliese nicht nur eine Stimme, sondern zugleich ein Gesicht zu geben. Mit feinf├╝hligem Gesp├╝r trifft sie den zynischen Ton der beiden Protagonistinnen.

Zur Autorin: Ingrid Noll wurde 1935 in Shanghai geboren, wo sie bis zu ihrem 15. Lebensjahr lebte. Sie studierte Germanistik und Kunstgeschichte in Bonn, heiratete, bekam drei Kinder und fing, als der Nachwuchs aus dem Haus war, an zu schreiben. Und dies mit gro├čem Erfolg: Ihr Erstling, Der Hahn ist tot, wurde sofort ein internationaler Bestseller, ihr Krimi Die Apothekerin verfilmt, und die Literaturpreise kommen mit treffsicherer Wahrscheinlichkeit nach jedem neuen Roman.


Ingrid Noll: Ladylike. 7 CDs
Ungek├╝rzte Lesung.
Vorgelesen von Maria Becker
Diogenes Verlag, erschienen Mai 2006 - CD`s
ISBN: 3257800150
EAN: 9783257800159
Libri: 864462490008115&artiId=5179869" :


Literatur Beitrag vom 22.06.2006 AVIVA-Redaktion 

   




   © AVIVA-Berlin 2017  
zum Seitenanfang suche sitemap impressum home Seite weiterempfehlenSeite drucken