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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 03.09.2003

Vorübergehend nicht erreichbar
Jana Scheerer

Dani C. Mimo erzählt die Geschichte eines Rückzugs aus der Welt - und die einer Wiederkehr. Ein Frauenroman über die Liebe zwischen Mutter und Tochter und den Alltag einer lesbischen Beziehung



Franziskas Mutter liegt im Krankenhaus und ist kaum noch ansprechbar. Auch Franziska selbst hat sich in den Monaten der Krankheit der Mutter immer mehr aus dem Leben zurückgezogen: In der Gemeinschaftspraxis mit Kollegin Renate lässt sie sich kaum noch blicken, PatientInnentermine vergisst sie einfach. Auch die Beziehung zu ihrer Lebensgefährtin Cornelia besteht nur noch aus kurzen Telefongesprächen.

Für Franziska gibt es nur noch eines: Ihre Mutter Lotte muss zurück nach Hause kommen, damit alles wieder so werden kann wie früher. So kämpft sie an allen Ecken und Enden gegen den Verfall: Den des Häuschens, in dem sie als Kind mit Lotte gewohnt hat - und auch den Verfall ihrer Mutter. Als Ersatz für die weiße Krankenhauswäsche bringt sie Lotte deren schwarze Pyjamas mit, stellt Rosen auf den Nachttisch. Lotte soll Leben um sich haben.

So wie ihre Mutter nicht mehr wirklich bei Bewusstsein ist, verschwindet auch Franziskas Wahrnehmung hinter einem Schleier: Sie kann sich an Dinge, die sie vor Stunden getan hat, schon nicht mehr erinnern. Das kann ihre Außenwelt kaum akzeptieren und wirft Franziska Unwillen vor - sie funktioniert einfach nicht mehr auf eine Weise, die ihrer Rolle in der Gesellschaft entspricht.

Diese Distanz zur Welt setzt Dani C. Mimo fast eins zu eins in die Sprache des Romans um - ob meisterhaft oder unerträglich, ist hierbei schwer zu beurteilen. Perfekt geben die synoptischen Sätze die Zurückgezogenheit und Verwirrung der Protagonistin wieder - es stellt sich jedoch die Frage, ob tatsächlich alle Figuren des Romans diesen Sprachduktus übernehmen müssen.

Natürlich ist die Geschichte aus Franziskas Sicht geschildert - doch muss deshalb auch jede direkte Rede in ihrer Sprache wiedergegeben werden? Besonders eigenartig mutet das bei der italienischen Verwandtschaft an, die Franziska mit ihrem Temperament ein Stückchen zurück ins Leben holt und dabei doch auch nur in verkürzten Sätzen sprechen darf.

Das metaphernhafte "Vorübergehend nicht erreichbar" des Titels wird im Text immer wieder praktisch umgesetzt: Kaum jemand hat mal das Handy eingeschaltet, der Satz "The person you´ve called ist temporarily not available", wird zum Programm. "Schaltet doch verdammt noch mal eure Handys an!", möchte die geneigte LeserIn den ProtagonistInnen da zurufen, so unerträglich wird die sprichwörtliche Unmöglichkeit der Kommunikation.

Sehr positiv ist die Art und Weise, in der die Autorin mit der Homosexualität ihrer Protagonistin umgeht: Sie ist über weite Strecken des Buches hinweg schlicht kein Thema. Ein Roman, der eine lesbische Frau in einer Lebenskrise zeigt, die rein gar nichts mit ihrem Lesbischsein zu tun hat, ist wirklich erfrischend. Und auch als es durch die Anreise Franziskas lesbischer Nichte explizit um Homosexualität geht, bleibt die Autorin angenehm undogmatisch: Die Liebe zu einer Frau ist nicht das Wunderheilmittel in jeder Lebenslage, sondern eine Normalität, die auch mit Krisen verbunden ist.

Diese Krisen werden in der Beziehung zwischen Franziska und ihrer Freundin Cornelia besonders deutlich. Während Franziska sich nur noch mit Lotte beschäftigt, fängt Cornelia eine Affäre mit einer anderen Frau an. Besonders deprimierend ist gar nicht diese Tatsache an sich, sondern die unendliche Sprachlosigkeit, mit der die beiden Frauen der Situation begegnen.

Als Lotte schließlich stirbt, scheint bei aller Trauer auch ein Knoten zu platzen: Franziskas Schwester Ulrike kommt aus Afrika, Cornelia kehrt aus Berlin nach München zurück. Langsam finden alle wieder einen Weg zueinander.

Wer also eine Menge Traurigkeit ertragen kann, wird am Schluss mit Hoffnung belohnt. Auf jeden Fall aber mit einem Text, der sprachlich sehr dicht ist und wirklich berührt - wer dieses Buch in die Hand nimmt, ist garantiert zwei Tage lang vorübergehend nicht erreichbar!

Die AVIVA-Bewertung: Zu viel Tiefgang für den Liegestuhl: Sprachlich anspruchsvoll und menschlich berührend



Dani C. Mimo
Vorübergehend nicht erreichbar

Frauenoffensive, 2003
ISBN 3-88104-362-4
13,90 €,
Taschenbuch, 200 Seiten200884533675"



Literatur Beitrag vom 03.09.2003 AVIVA-Redaktion 

   




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