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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 13.10.2006

Alfred Hahn
Sarah Ross

Sophie-D. Fleisch stellt in ihrem Buch den Berliner Bankier vor, der keine berühmte Persönlichkeit, sondern ein normaler, integrierter, interessierter und deportierter deutscher Jude war.



In der Reihe "Jüdische Miniaturen" ist nun die Biographie des Berliner Bankiers Alfred Hahn (1873-1942) erschienen. Die kleinen Büchlein sind dafür bekannt, dass sie ihren LeserInnen in komprimierter, aber sehr präziser Form das Leben berühmter Persönlichkeiten nahe bringen. Doch die Autorin Sophie-D. Fleisch schlägt mit ihrer Jüdischen Miniatur den entgegen gesetzten Weg ein: Alfred Hahn war weder prominent, noch hat er sich "exorbitant durch wissenschaftliche, künstlerische, wirtschaftliche oder sonstige öffentlichkeitswirksame Taten hervorgetan", so die Autorin. Außer seiner Villa am Wannsee und einem verschollenen Liebermann-Gemälde ist auch von seinem Leben nicht viel Sichtbares geblieben.

Alfred Hahn und seine Geschwister Ernst, Felix, Hans, Margarethe, Kurt und Adolf stammen aus einer typischen Berliner Familie - und genau das macht sie schließlich Besonders. Denn der Bankdirektor der Dresdner Bank und seine Brüder und Schwester stehen, trotz ihrer "relativen Unbekanntheit", für die vielen einzelnen Opfer des Holocausts, die nur zu selten - wenn überhaupt - in Publikationen Erwähnung finden. Doch nicht nur deshalb hat sich die Autorin für Alfred Hahn entschieden, sondern auch, weil sie seine Urgroßnichte ist. Somit ist das Buch auch ein Stück Oral History und eine Anregung dafür, die Suche nach Verwandten nicht aufzugeben.

Sowohl die Karriere Alfred Hahns, der sich vom einfachen Lehrling zum Direktor hocharbeitete, sowie das plötzliche Aus seines Erfolges lassen die Verbindung dieses Einzelschicksals mit den gesellschaftspolitischen Geschehnissen vor und während des Zweiten Weltkrieges erkennen. Die Autorin hat anhand von Archivmaterial nicht nur das Schicksal seiner Familie, sondern auch seinen beruflichen Werdegang soweit wie möglich rekonstruiert. Dabei geht Sophie-D. Fleisch besonders eindrücklich auf die antisemitische Personalpolitik der Dresdner Bank ein und stellt gleichzeitig einen aktuellen Bezug zur jüngst veröffentlichten Studie der Bank her. Parallel zur beruflichen Ausgrenzung des Bankiers hat die Autorin auch den gesellschaftlichen, privaten und finanziellen Ausschluss der Familie Hahn, anhand der Grundstücke von Alfred und Clara, dargestellt. Aus diesem Kapitel geht nicht nur das Zusammenspiel von Behörden und Unternehmen bei der "Vermögensverwertung" hervor, sondern es ist auch - unter Angabe der Berliner Adressen und konkreten Umstände - die unmittelbare Verantwortung Albert Speers für die Deportationen der Geschwister Hahn erkennbar.

Sophie-D. Fleisch macht am Ende ihres Buches auch einen zeitlichen Sprung in die Jetztzeit: Hier verweist sie unter anderem auf die andauernde Ungerechtigkeit hinsichtlich der Rückübertragung von "zwangsveräußertem jüdischem Vorbesitz": Die Nachkommen der Familie Hahn sind heute über Deutschland, Südafrika, Südamerika, England, Israel, die USA und Holland verstreut. Bis 2004 haben die einzelnen Familieangehörigen untereinander weder von ihrer Existenz, noch von dem Erbe gewusst. Der Anspruch auf ihr Vermögen wurde den ErbInnen jedoch von Seiten der Jewish Claims Conference verwehrt, da "die Fristen zur Anmeldung eines Anspruchs in den neunziger Jahren nach der Wiedervereinigung abgelaufen" sind.
Und dies ist kein Einzelfall.

AVIVA-Tipp:
Über mehrere Jahre hinweg recherchierte die Schriftstellerin Sophie-D. Fleisch, um das Leben von Alfred Hahn - einem Berliner Bankdirektor bei der Dresdner Bank, Kunstinteressierten, fürsorglichen Mann mit Familiensinn - rekonstruieren zu können.
Dabei hat die Autorin ihm und seiner Familie nicht nur ein geistiges Denkmal gesetzt, sondern vor allem anonymen Zahlen in "Arisierungsverträgen" Namen, und diesen Namen Personen und individuelle Lebenswege zugeschrieben. Anhand des Schicksals des unbekannten Berliner Bürgers Alfred Hahn und seinen Geschwistern hat die Autorin noch einmal besonders deutlich gemacht, dass "das millionenfache Abschlachten des Normalbürgers […] den eigentlichen Völkermord aus[macht]."

Zur Autorin:
Sophie-D. Fleisch wurde 1962 in Norddeutschland geboren und lebt seit 14 Jahren im Elsaß. Nach ihrem Jurastudium (Assessorin) war sie zunächst Redakteurin in einer Werbeagentur, arbeitete dann als Konzernjuristin in der Energiebranche und absolvierte die Führungsakademie des Landes Baden-Württemberg.
Nach Arbeitsaufenthalten in Jena (bei Dr. Lothar Späth), Jerusalem (bei Ehud Olmert) und Leeds/Yorkshire (bei J. Mark Green) war sie Marketingleiterin in einem deutschen Beratungsunternehmen.
Seit 2003 ist sie Schriftstellerin. 2004 wurde sie von der verbandsfreien Loge Die Unabhängigen mit der "Medaille für Tapferkeit" ausgezeichnet. Von Sophie-D. Fleisch sind bisher erschienen: "Elsaß, Laptop, Rachelust" (2004), "Die Villa am Wannsee" (2005) und "Flittchen und Flusen" (2006).

Weitere Informationen zu Alfred Hahn und der Autorin finden Sie unter: www.sdfleisch.de/Biographie.html


Sophie-D Fleisch
Alfred Hahn (1873-1942)

Berliner Bankier. Integriert, interessiert, deportiert
Jüdische Miniaturen, Band 48
Herausgeber: Dr. Hermann Simon, Stiftung Neue Synagoge Centrum Judaicum Berlin
Hentrich & Hentrich Verlag, erschienen September 2006
ISBN 3-938485-30-2
Mit 17 Abbildungen, 64 S. Kartoniert.
5,90 Euro90008115&artiId=5288609"


Literatur Beitrag vom 13.10.2006 Sarah Ross 

   




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