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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 13.12.2007

Dara Horn - Die kommende Welt - Jetzt als Taschenbuch
Almut Münch

Stille Wasser sind tief, aber langweilig. Deshalb traut man dem Intellektuellen Benjamin Ziskind mit den zwei linken Händen auch kein Verbrechen zu. Und schon gar keinen...



...Kunstraub der aberwitzigsten Sorte.

Der Mann ohne Eigenschaften

Benjamin Ziskind ist Mitte Dreißig, und seine besten Zeiten sind seit über zwanzig Jahren vorbei: Aus dem Wunderkind mit dem phänomenalen Gedächtnis, dem kleinen Helden der Nation und viel bejubelten Quizkönig ist ein verschrobener Intellektueller geworden, der - wenn überhaupt - hinter den Kulissen agiert. Als Fragenschreiber für dieselbe Quizshow, in der er früher brillierte. Mehr als eine imposante Visitenkarte, eine ausgewachsene Lebenskrise und ein gestrichen Maß an schlechter Laune hat er allerdings nicht vorzuweisen, als er sich von seiner Zwillingsschwester zu einer Singleparty ins Jüdische Museum schleppen lässt. Dass Benjamin sich dort amüsieren könnte, glaubt zwar nicht einmal mehr Sara, was sie am nächsten Tag hört, allerdings noch viel weniger.

Der Fall Ziskind

Der durch sämtliche Medien geisternde mysteriöse Bilderraub im Jüdischen Museum, dieser dreiste Diebstahl eines kleinen Chagall-Gemäldes während cocktailgeschwängerten Small- und Eheanbahnungstalks wurde nämlich von niemand anderes als Benjamin Ziskind verübt. Der sich das Bild einfach unter den Arm klemmte und verschwand. Und der keinerlei Unrechtsbewusstsein empfindet, als er seiner Schwester die Eroberung vorführt. Sara ist fassungslos und verständnisvoll gleichzeitig - hing eben jenes Gemälde doch einst im elterlichen Wohnzimmer. Die Frage, wo die Grenze zwischen Recht und Unrecht verläuft und wie der zauberhaften Kuratorin beizukommen ist, die Benjamin auf der Spur und während ihrer Privatermittlungen mitten ins Herz gefallen ist, beantworten die Geschwister Ziskind ganz pragmatisch und unorthodox: Eine Fälschung muss her, und weil Benjamin weiß, wie das geht und Sara Malerin ist, steht dem Betrug des Betrügers und der ganz eigenen Form der Wiedergutmachung nichts mehr im Wege.

Die Geschichte eines Kunstwerks

Während Sara Schicht für Schicht mit der Entstehung des Gemälde-Zwillings beschäftigt ist, arbeitet die Autorin gleichsam rückwärts und legt die Geschichte des echten Kunstwerks über drei Besitzergenerationen frei. Und diese Geschichte ist keine andere als die Familiengeschichte der Ziskinds, die mit dem Leben Chagalls auf wunderbar fantastische und im besten Wortsinne mögliche Weise verknüpft ist: Benjamins und Saras Urgroßvater begegnete dem Maler nämlich im Russland der 1920er-Jahre in einer jüdischen Kinderkolonie, wo Chagall nach den schweren Pogromen nachweislich als Lehrer tätig war, und tauscht dort ein eigenes Bild gegen ein Gemälde des bereits bekannten Malers. Um als Dreingabe noch eine Geschichte des ebenfalls in der Kolonie untergetauchten Schriftstellers Pinhas Kahanowitsch, genannt ‚Der Nister’ zu erhalten.

Bald zieht Chagall jedoch in Richtung Hauptstadt weiter, während sein Schriftstellerkollege verarmt und schicksalsgebeutelt an seinem weltbekannten Epos Die Brüder Maschber arbeitet. Der Weg des Stammes Ziskind aber führt über Vietnam bis nach New York, wo Rosalie Ziskind, Benjamins und Saras Mutter, als Kinderbuchillustratorin die vergessenen jiddischen Geschichten illustriert, die ihr Vater aus der Kinderkolonie in die Neue Welt mitbrachte. Nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes verliert sie jedoch nicht nur die Gabe des Erzählens über ihre eigene Familiengeschichte, sondern auch ihr Vermögen und mit diesem das Chagall-Gemälde. Erst Benjamin und Sara gelingt die Vergangenheitsbewältigung im Akt des Bilder-Kopierens - und Dara Horn im Schreiben darüber eine der großartigsten und klügsten Geschichten dieses Herbstes.

AVIVA-Tipp: Die Autorin verschmilzt in ihrem zweiten Roman jüdische Mythologie mit Kunst- und Literaturgeschichte, indem sie eine fiktive Familiengeschichte in die historischen Zusammenhänge der Chagallbiographie einbettet, die sich ebenso spannend liest wie die Geschichte des wohl dreistesten Kunstraubs, der sich - so oder so ähnlich - tatsächlich in New York ereignet hat. Und dies mit einer Rasanz, der man sich nicht entziehen kann.

Zur Autorin: Dara Horn wurde 1977 geboren und promoviert an der Harvard University über hebräische und jiddische Literatur. Sie lebt in New York. Für ihren ersten Roman Ausgelöscht sei der Tag (ebenfalls im Berlin Verlag erschienen) wurde sie vielfach ausgezeichnet.


Dara Horn
Die kommende Welt

Originaltitel: The World to Come.
Aus dem Amerikanischen von Christine Buchner und Miriam Mandelkow
Berlin Verlag, erschienen September 2006
Gebunden mit Schutzumschlag, 386 Seiten
ISBN 3-8270-0629-5
EAN: 9783827006295
22,- Euro90008115&artiId=5474626"


Bvt Berliner Taschenbuch Verlag, erschienen November 2007
Broschiert, 384 Seiten
ISBN: 978-3-8333-0529-0
10,50 Euro

Literatur Beitrag vom 13.12.2007 AVIVA-Redaktion 

   




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