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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 24.10.2006

Denk nicht, wir bleiben hier
Yvonne de Andrés

Die Verfolgung war schon 1933 da, wo der Hitler ans Ruder kam. Da bin ich geboren und meine Mama hat mir den Namen Adolf gegeben. Ich heiße Hugo Adolf Höllenreiner.



So beginnt die Geschichte vom Sinto Hugo Höllenreiner. Direkt spricht er uns an und versetzt uns in das Giesing der 30er Jahre. Es ist eine lange nicht erzählte Geschichte die wir hier behutsam berichtet bekommen.

Anja Tuckermann ist die Chronistin des Überlebenden des Nationalsozialismus, Hugo Höllenreiner. Wenige Geschichten handeln vom Terror gegen Sinti und Roma.
Die große Familie Höllenreiner wird bereits vorher diskriminiert, ausgegrenzt und schikaniert. Vorurteile bestanden gegenüber "ZigeunerInnen" bereits vor dem Nationalsozialismus.

Die Jugend endet 1943 abrupt für Hugos mit der Deportation seiner Eltern, Geschwistern und vielen Verwandten nach Auschwitz-Birkenau BIIe ins "Zigeunerlager". Hugo wird dort die Nummer Z-3529 in den linken Unterarm eintätowiert. Die gefangenen Sinti und Roma werden zu schweren körperlichen Arbeiten am Bau von Gleisverlegungen zum Krematorium gezwungen. Danach werden die Gaskammern von Auschwitz-Birkenau in Betrieb gesetzt. Im Frühjahr 1943 befinden sich ungefähr 22 600 Sinti und Roma im "Zigeunerlager" von Auschwitz-Birkenau.

Nach dem Eintreffen von Josef Mengele als Lagerarzt im Lager BIIe wird dieses komplett vom Rest isoliert. Hugo und sein Bruder Manfred werden von Mengele zu Rassenhygienischen Experimenten missbraucht. Da ihr Vater sich bei der Wehrmacht zum Fronteinsatz meldet, konnte er seine Söhne vor dem Tod retten. Am 16. Mai 1944 soll das "Zigeunerlagers" aufgelöst werden.

Hugo Höllenreiner erinnert sich: "Es hat geheißen, das ganze Lager wird vergast. Wir waren hinten, von uns aus gab es noch drei Baracken. Das waren Zugangsblöcke für die Neuankömmlinge, wo ihnen die Nummern auf den Arm tätowiert wurden, bevor sie in andere Blöcke kamen. Die drei Blöcke waren voll mit ungarischen Roma. [...] Der Papa hat einen Schrei losgelassen. Die ganze Baracke hat gezittert, so hat er geschrieen: "Wir kommen nicht raus! Kommt ihr rein! Wir warten hier! Wenn ihr was wollt, müsst ihr reinkommen! [...] Da bin ich heute noch stolz drauf, das hat es selten gegeben, dass sich die Leute gewehrt haben."

Diese beeindruckende Geschichte des Widerstandes war für mich neu und hat mich sehr bewegt. Der Widerstand der Sinti und Roma verhinderte die Ermordung der 6000 Überlebenden. Freigelassen wurde die Familie jedoch nicht, sondern mehrfach "auf Transport" geschickt. Hugo Höllenreiner überlebte Ravensbrück, Mauthausen und schließlich das Konzentrationlager Bergen-Belsen.

Bergen-Belsen wird am 15. April 1945 von den Briten befreit. Der elfjährige Hugo, seine fünf Geschwister und die Eltern überlebten. Die Familie Höllenreiner hat 36 Mitglieder verloren. Nach der Rückkehr nach München ist die Familie physisch, psychisch und seelisch kaputt. Es sind die physischen Verletzungen, Folgen von Misshandlungen, Zwangssterilisation, Kälte und Hunger im KZ.

Erst vor zwei Jahren hat Hugo Höllenreiner begonnen, seine Geschichte zu erzählen. Das Buch ist entstanden aus langen Gesprächen mit Anja Tuckermann.

Zur Autorin: Anja Tuckermann, 1961 geboren, lebt als freie Schriftstellerin und Journalistin in Berlin. Sie schreibt Romane, Theaterstücke und Libretti sowohl für Jugendliche als auch für Erwachsene. Sie engagierte sich in der feministischen Mädchenarbeit, gründete die Zeitschrift "Tigermädchen". Von 1988 bis 1997 war sie Redakteurin für den RIAS-Kinderfunk. 1991/92 initiierte sie mit Brigitte Struzyk die Reihe "auf der Spur - Scheherazade nach dem Golfkrieg" in der LiteraturWERKstatt Berlin, eine Lesereihe mit 37 Autorinnen aus verschiedenen Ländern. Seit 1993 organisiert sie Schreibwerkstätten und Seminare für Kinder, Jugendliche & Erwachsene, u.a. in Schulen und am Jugendkunst- und Kulturzentrum Schlesische 27 in Berlin und arbeitet seit 1993 mit den Bildenden KünstlerInnen und KomponistInnen zusammen.
Für ihre Arbeit erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen 1992 den Kurt-Magnus-Preis der ARD, 1999 Gebrüder-Grimm-Preis des Landes Berlin, 2000 den Hans-im-Glück-Preis. Für dieses Buch ist sie gerade mit dem Deutschen Jugendbuchpreis ausgezeichnet worden.

AVIVA-Tipp: Die Lebensgeschichte ist ein bewegender Bericht, der niemanden kalt lassen kann. Die O-Töne von Hugo Höllenreiner sind kongenial verwoben mit dem sachlich deskriptiven Text von Frau Tuckermann. Die Bilder führen uns stimmungsvoll in die Familie ein.


Anja Tuckermann
Denk nicht, wir bleiben hier!

Die Lebensgeschichte des Sinto Hugo Höllenreiter
Mit vielen s/w Fotos und Dokumenten
Empfohlen ab 14 Jahre.
Hanser Verlag, erschienen August 2005
ISBN: 3-446-20648-5
EAN: 9783446206489
16,90 Euro
301 Seiten90008115&artiId=3528095"


Literatur Beitrag vom 24.10.2006 Yvonne de Andrés 

   




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