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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 19.12.2006

Alles auf dem Rasen
Constanze Geißler

Juli Zeh vereint gesellschaftliche Beobachtungen über unsere Zeit. Die viel gelobte Autorin geht in ihrem Buch prägnant zur Sache, ohne dass sie die literarische Qualität aus dem Auge verliert.



Lange vor der sich entzündenden Debatte um die Bildungsmisere, in der deutsche Schulen stecken, hat Zeh in einer fiktiven Welt die verschiedensten Symptome zu deuten verstanden. Mit dem fulminanten Roman "Spieltrieb", erschienen 2004, lieferte Autorin Juli Zeh ihren LeserInnen ein detailgetreues und zugleich erschreckendes Psychogramm zweier pubertierender SchülerInnen, die in einem Macht- und Gewaltrausch ihr Umfeld zu tyrannisieren wußten.

In ihrem neuen Werk "Alles auf dem Rasen" geht die Autorin anderen, aber ebenso gesellschaftsrelevanten Themen auf den Grund und beweist erneut, wie treffsicher ihr Gespür für den Nerv der Zeit ist.
Dass eine deutsche Familie nach einem schön verlebten Sonntag ein beachtliches Bußgeld zu zahlen hat, bleibt einer einzigen Tatsache geschuldet: Der Staat ist ein unüberblickbarer Gesetzesstaat. Da bleibt frau doch lieber gleich auf dem Stuhl sitzen und liest Zeitung. Was aber, wenn die Tageszeitungen angesichts sinkender Verkaufszahlen abgeschafft werden?
Dann gibt es noch Gregor, der eigentlich ein Prinzip ist. Das Prinzip des dynamisch erfolgreichen BWL-Studenten, der möglichst viel Geld verdienen will, aber auch mit einem klapprigen Kleiderschrank auf Rollen zufrieden wäre.

Bleibt eine weitere Frage: Wie hat Juli Zeh all diese Geschichten in einem einzigen Buch vereint? Antwort: "Alles auf dem Rasen" ist keinesfalls ein Roman oder eine Sammlung von Kurzgeschichten, sondern ein literarischer Streifzug, der eine Vielzahl von Deutschland- und einige Osteuropabilder entstehen lässt – juristisch, gesellschaftlich und kulturell durchdacht.

Die Autorin beleuchtet die Gegenwart und spielt mit der Zukunft. Mit ihrem aufmerksamen Blick bewegt sie sich jenseits von konsensgerechten Meinungen. Während das Krisengebiet Ex-Jugoslawien kaum mehr im öffentlichen Bewusstsein verankert ist – das Begräbnis von Slobodan Miloševic dürfte zuletzt diskutiertes Thema gewesen sein – forscht sie weiter über diese Region.
Mit einer präzisen Argumentation und immer neuen Einfällen verfolgt Juli Zeh die Phänomene unserer Zeit. Sie schreibt über das demokratische System, über Krakau und über junge AutorInnen ("Oder waren wir je vernünftig genug, um nichts zu beginnen, das wir nicht beherrschen?"). In einer Sprache, die niemals langweilig wird.

"Alles auf dem Rasen" ist keine endzeitliche Abrechnung mit gegenwärtigen, gesellschaftlichen Entwicklungen. Kein Untergang des Abendlandes wird darin prognostiziert, aber ein amüsanter Ton angeschlagen, der zuweilen ironische Klänge erreicht. Das ist der unschätzbare Wert des Buches. Denn: Resignation lohnt nicht!

AVIVA-Tipp:
Juli Zeh
ist die gesellschaftskritischste Stimme, die es zurzeit in der deutschen Literaturlandschaft gibt. Mit einer belebenden Sprache macht die junge Autorin Wind in den Köpfen.

Zur Autorin:
Juli Zeh
, geboren 1974 in Bonn, absolvierte 1998 das erste juristische Staatsexamen, 2003 das zweite. Gleichzeitig studierte sie am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Zahlreiche Auslandsaufenthalte, u.a. in New York, Krakau, Zagreb und Sarajevo. Sie belegte den juristischen Aufbaustudiengang "Recht der Europäischen Integration".
Ihr Debut-Roman "Adler und Engel" ist mittlerweile in 27 Sprachen übersetzt. Weiterhin sind bei Schöffling & Co. erschienen "Die Stille ist ein Geräusch" (2002), "Ein Hund läuft durch die Republik" (2004), "Spieltrieb" (2004) und "Kleines Konversationslexikon für Hunde" (2005).
Juli Zeh lebt und arbeitet als Autorin und freie Juristin in Leipzig und promoviert sich im Völkerrecht an der Universität Saarbrücken. Sie hat zahlreiche Preise, Auszeichnungen und Stipendien erhalten, darunter den Preis für Essayistik der Humboldt Universität Berlin (1999), den Deutschen Bücherpreis (2002), den Hölderlin-Förderpreis (2003), den Per Olov Enquist-Preis (2005) und zuletzt den Literaturpreis der Bonner LESE.
Weitere Infos: www.juli-zeh.de


Juli Zeh
Alles auf dem Rasen

Schoeffling + Co., erschienen März 2006
Gebunden, 300 Seiten
ISBN: 3895610593
19,90 Euro

Literatur Beitrag vom 19.12.2006 AVIVA-Redaktion 

   




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