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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 27.01.2007

Deutsche jüdische Architekten vor und nach 1933
Yvonne de Andrés

Jüdische Architekten prägten das Stadtbild Berlins entscheidend. Die Dokumente von 500 Architekten wurden von Myra Warhaftig publiziert.



Vor 1933 lebten und arbeiteten 450 jüdische Architekten in Deutschland. Diese entstammten alteingesessenen Familien, davon wurden über 135 in Berlin geboren. Bevorzugt studierten sie bei den damaligen Stararchitekten Hans Poelzig, Theodor Fischer und Paul Bonatz. Myra Warhaftig schreibt: "Vor 1933 führten 165 Architekten ihre eigenen Büros, teilweise in Partnerschaften, darunter über 100 in Berlin." Nicht alle Namen sind dem Jüdischen Adressbuch für Gross-Berlin von 1933 zu entnehmen, denn das Nachschlagewerk enthält im Hauptteil 71.000 Personen mit Namen, Anschriften und Berufsbezeichnungen, die aber nicht die Gesamtheit der 200.000 Mitglieder der jüdischen Bevölkerung darstellen, da nur die Haushaltsvorstände aufgenommen wurden. Der Antisemitismus hatte zur Konsequenz, dass nicht alle ihre Glaubenszugehörigkeit angaben, um so ihre Existenz nicht zu gefährden. So hielt es zum Beispiel auch Oskar Kaufmann, Architekt u. a. von folgenden wichtigen Gebäuden: Hebbel-Theater (1908), Volksbühne (1914), Renaissance-Theater (1927), Villa Konschewski (1922-23) oder der Villa Epstein (1922-25) und Erfinder der "Flurlosen Wohnung".

Weiter maßgebliche Architekten sind Alexander Klein (Siedlung Fischtalgrund) oder Erich Mendelsohn, der das Mossehaus 1921-23, 1925-31 den Woga-Komplex mit dem Universum Kino (heute die "Schaubühne"), sein eigenes Wohnhaus am Rupenhorn (1928-30) und das Hauptgebäude der Deutschen Metallarbeiter Gewerkschaft (1928-30) entwarf.

Mit der Verabschiedung und dem in Krafttreten des Reichskulturkammergesetzes 1933 wurden die jüdischen Architekten aus der Kammer ausgeschlossen. Manche konnten Deutschland verlassen. Raul Hilberg: "Jeder künftige Emigrant musste über ein Dutzend amtliche Papiere beantragen, die ihm Gesundheit, gute Führung, Vermögenshöhe, Steuerentrichtung usw. bescheinigten. Schon bald stießen die überlasteten Behörden an ihre Grenzen, und "Stagnation "setzte ein". Diejenigen, die diese Unterlagen nicht einreichen konnten oder deren Unterlagen nicht anerkannt wurden, kamen in Konzentrationslagern um.

Die Spuren der deutschen jüdischen Architekten führen in 16 Länder, mehrheitlich nach Israel, England und in die USA.

Zwanzig Jahre lang hat Myra Warhaftig in zahlreichen Archiven in Deutschland, Israel, den USA und England geforscht. Es ist ihr gelungen, Angehörige ausfindig zu machen, die ihr historische Dokumente, Briefe und Fotos, zur erstmaligen Veröffentlichung zu Verfügung gestellt haben. Myra Warhaftig "Die Auseinandersetzung mit den Biographien ist zugleich die Auseinandersetzung mit den politischen Ereignissen jener Jahre. Die schöpferische Kraft eines jeden Baukünstlers wurde von den politischen Ereignissen bestimmt." und weiter "Jedoch steht das Schicksal der deutschen jüdischen Architekten exemplarisch für alle jüdischen und die mit Juden verheirateten Künstler." Die Idee zu diesem Buch kam ihr durch die Lektüre der Biographien von Architekten wie Oskar Kaufmann, Alexander Klein, Erich Mendelssohn und Adolf Rading, die in den 20er Jahren in Berlin und in den 30er Jahren in Haifa bauten. Diesen Lebenswegen und den Hintergründen geht Frau Warhaftig in den einzelnen Biogrammen nach.

In der Fachliteratur nach 1945 kamen jüdische Architekten kaum oder gar nicht vor. Einzig Erich Mendelssohn war als jüdischer Architekt bekannt. Das Buch von Frau Warhaftig ist deshalb ein wahrer Augenöffner. Viele der in diesem Band beschriebenen Gebäude stehen heute noch in Berlin. Wer bislang achtlos an ihnen vorüberging, hat mit diesem Buch - das freilich nicht in eine Jackentasche passt - einen hervorragenden Begleiter. Ein Buch, das mit Jahrzehnten der Verdrängung und Missachtung aufräumt.

Zur Autorin: Myra Warhaftig, Dr.-Ing.; Architektin, Bauforscherin; Werkausstellungen; 1984 erscheint der Artikel Berlin 750 - Tel Aviv 75; Realisierung neuer emanzipatorischer Wohnformen im Rahmen der IBA Berlin 1987; zahlreiche Veröffentlichungen, u. a. 1996: Sie legten den Grundstein. Leben und Wirken deutschsprachiger jüdischer Architekten in Palästina 1918-1948. deu.archinform.net/arch/16325.htm

AVIVA-Tipp: Das Buch ist in mehrfacher Weise eine Fundgrube. Myra Warhaftig hat nicht nur die Spuren und Lebenswege der einzelnen Architekten nachgezeichnet, sondern auch eine hervorragende Chronik ihrer Zeit geschaffen. Für Berlin-Architektur-Interessierte ein Muss.


Myra Warhaftig
Deutsche jüdische Architekten vor und nach 1933 - Das Lexikon

Dietrich Reimer Verlag, erschienen November 2005
ISBN: 3496013265
EAN: 9783496013266
Gebunden, 504 Seiten. 500 Biographien. 750 Abbildungen
49,00 Euro

Literatur Beitrag vom 27.01.2007 Yvonne de Andrés 

   




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