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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 13.04.2007

Der Bastard von Istanbul. Elif Shafak
Sabine Grunwald

Von ultrarechten Gruppierungen aufs Schärfste kritisiert, verbindet der Roman Gegenwart und Vergangenheit, bricht Tabus, indem er die Armenienfrage und Themen wie Patriarchat und Inzest anprangert.



Asya Kazanci und Armanoush Tchakhmakhchian sind zwei junge Frauen, die gegensätzlichen Lagern angehören. Asya ist die Jüngste einer weiblich dominierten Istanbuler Familie, deren männliche Mitglieder alle auf mysteriöse Weise in jungen Jahren gestorben sind. Ihre Tanten, Mutter, Großmutter und Ur-Großmutter leben zusammen unter einem Dach und könnten gegensätzlicher nicht sein.
Die Frauenfiguren verkörpern Tradition und Moderne: Zeliha, Asyas Mutter trägt ultrakurze Miniröcke, einen Nasenring und betreibt ein Tattoo-Studio, Tante Banu ist die Wahrsagerin in der Familie, Tante Cevriye Lehrerin für Geschichte und Tante Feride komplett verrückt.

Die melancholische Rebellin Asya, die darunter leidet, unehelich geboren zu sein, erkennt bei dem Zusammentreffen mit der gleichaltrigen Armanoush, dass es Schlimmeres gibt als vaterlos zu sein, nämlich, nicht zu wissen wo der eigene Platz ist.

Armanoush, von ihrer Mutter Amy genannt, steht zwischen zwei Kulturen, ohne sich in einer wirklich heimisch zu fühlen. Die Ehe ihrer biederen amerikanischen Mutter mit einem Armenier ist früh gescheitert und so fühlt sie sich zwischen den liebevollen und fordernden Ansprüchen ihrer Mutter und dem armenischen Familienclan hin und her gerissen. Da sie sich zwischen den beiden Gruppen nicht entscheiden kann, entschließt sie sich, auf eigene Faust auf Spurensuche zu begeben. Ein guter Anlass ist ihr türkischer Stiefvater, den ihre Mutter nach der gescheiterten Ehe mit dem Armenier Barsam geheiratet hat. So kommt es schließlich, dass sie sich am Tisch der Familie Kazanci in Istanbul wieder findet, der ehemaligen Heimat ihrer eigenen armenischen Familie.

AVIVA-TIPP: "Der Bastard von Istanbul" ist ein wunderbar geschriebenes Buch. Hier sind Gegenwart und Vergangenheit, Menschlichkeit und grausame Vorurteile so geschickt ineinander verwoben, dass es ein wahres Lesevergnügen ist. Die Autorin hat keine Angst vor brisanten Themen und bringt den Genozid an den ArmenierInnen, Inzest und Mord zur Sprache. Ihre Charaktere sind fesselnd und lebendig beschrieben. Ein wahres Lesevergnügen, das uns anhand einer Familiengeschichte die Brisanz der türkisch-armenischen Historie erschließt.

Zur Autorin: Elif Shafak zählt zu den führenden Schriftstellerinnen der Türkei. Multikulturalismus ist ein Leitmotiv in den Werken der 1971 in Straßburg geborenen Autorin, die bislang in Spanien, Jordanien, in Deutschland und den USA gelebt hat. Sie hat in der Türkei Politikwissenschaft studiert und über das Thema "Staat, Weltlichkeit und die Maskulinitäten der Türkischen Modernisierung: Männliche Geschlechterrollen im Islamistischen/Säkularistischen Machtgefüge" promoviert, und an türkischen und amerikanischen Hochschulen unterrichtet. Momentan ist sie Assistenzprofessorin an der Universität Arizona im Institut für Nahoststudien.

Der Roman, im März 2006 in der Türkei veröffentlicht, wurde zum Bestseller, aber auch von nationalistischen Gruppierungen attackiert. Wie schon gegen den Schriftsteller Orhan Pamuk u.a. kam es zur Anklage durch den Anwalt Kerim Kerincsiz. Im September 2006 musste sich Elif Shafak vor Gericht verantworten, wo man ihr unter Berufung auf Artikel 301 des türkischen Strafgesetzes die "öffentliche Verunglimpfung der Republik und der Großen Türkischen Nationalversammlung" vorwarf. Neu an diesem Fall ist, dass sich die Anklage nicht auf Äußerungen der Autorin in Interviews oder Zeitungsartikeln stützte, sondern auf Äußerungen ihrer Romanfiguren. Am 21. September 2006 wurde Elif Shafak von einem Istanbuler Gericht frei gesprochen. So entging die Schriftstellerin einer möglichen Haftstrafe von drei Jahren.
(Verlagsinformation)


Elif Shafak
Der Bastard von Istanbul

Aus dem amerikanischen Englisch von Juliane Gräbener-Müller
Eichborn Verlag, erschienen März 2007
Gebunden 330 Seiten
22,90 Euro
ISBN 978-8218-5799-290008115&artiId=5869826" target="_blank">bestellen

Literatur Beitrag vom 13.04.2007 Sabine Grunwald 

   




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