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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 21.05.2007

Die Fotografin der magischen Sekunde und Frauenportraits
Rukshana Adrus-Wenner

Die weltweit erste umfassende Retrospektive der Künstlerin Ré Soupault wurde in 2007 im Martin-Gropius-Bau gezeigt. Im Verlag Wunderhorn ist dazu der Ausstellungskatalog erschienen.



Das fotografische Oeuvre der deutsch-französischen Bauhaus-Künstlerin Ré Soupaults (1901-1996), die eigentlich Meta Erna Niemeyer hieß, entstand zwischen 1934 und 1950. Erst spät wurde es aus der Vergessenheit ans Licht der Öffentlichkeit gebracht, da es lange als verschollen galt. Diese Wiederentdeckung war eine Sensation. Fast vier Jahrzehnte bis 1987 lagen ungefähr 1400 Negative, Vintage Prints und Glasplatten in einem Schuhkarton verpackt, verstaut und versteckt. Erst 1994 wurden die Fotos in einer Ausstellung in Paris gezeigt.

Ré Soupault – Die Fotografin der magischen Sekunde

250 Bilder, davon über 100 bisher unveröffentlichte, sind in der Ausstellung "Die Fotografin der magischen Sekunde" im Martin-Gropius-Bau ausgestellt. Begleitend dazu ist ein schöner typografisch hervorragend gestalteter Katalog - der zugleich der neueste Band ihrer Werkausgabe ist - im Verlag Das Wunderhorn erschienen. Herausgegeben von dem Heidelberger Verleger und Rechtsanwalt Manfred Metzner, der auch die Überblicksschau betreut hat.

In dem reich bebilderten Kunstbuch sind die berühmten Frauenportraits aus den verbotenen Vierteln in Tunis, dem Pariser Alltag der dreißiger Jahre, Reise- und Fotoreportagen aus Norwegen, Spanien, Deutschland, darunter viele bisher unbekannte Fotografien aus dem Nachlass Ré Soupaults enthalten. Sie begleitete und dokumentierte die Arbeiten ihres zweiten Mann, dem surrealistischen Autor Philippe Soupault, der für verschiedene Zeitschriften journalistisch tätig war.

Sehr lesenswert ist der Aufsatz des Kurators Manfred Metzner über "Neues Sehen – Neues Denken". Er zeichnet ausführlich den Lebensweg und künstlerischen Werdegang Ré Soupaults, von der Bauhaus-Studentin in Weimar bis zu Fotojournalistin und Modemacherin in Paris. Er geht auch auf ihr Leben im Exil, zunächst in Tunesien, später in Süd- und Nordamerika, sowie ihre Trennung und Rückkehr nach Europa nach dem Krieg ein. In Basel verdiente sie ihren Lebensunterhalt als Hörspiel-Autorin und Übersetzerin. Der Autor und Nachlassverwalter der Künstlerin schildert die unterschiedlichen Phasen im Leben de Künstlerin und vermittelt ein eindrucksvolles Portrait aus noch unveröffentlichten Auszügen aus Ré Soupaults Tagebüchern.

Ein Artikel des Kunsthistorikers Michael M. Thoss beschäftigt sich mit der Beziehung und Freundschaft zwischen Ré Soupault und der deutsch-jüdischen Soziologin Gisèle Freund. Bei beiden Fotografinnen finden sich viele Gemeinsamkeiten. Sowohl Soupault als auch Freund verließen Nazi-Deutschland, lebten und arbeiteten in Paris, bis ihnen die Flucht gelang. Weil sie erst spät zu Fotografie fanden, betrachteten die Künstlerinnen ihre fotografischen Werke in erster Linie nicht als Kunst.

Die Soziologin Gisèle Freund, sagte in einem Interview: "Niemals habe ich geglaubt, dass Fotografie Kunst ist, und ich habe mich das ganze Leben dagegen gewehrt, als Künstlerin betrachtet zu werden… Der Fotograf ist kein Künstler, sondern ein Übersetzer".
Auch Ré Soupault, die ihre Fotos mit einer "6x6"-Rolleiflex, später mit einer "4x4" und mit einer Leica-Kamera anfertigte, betrachtete sich in erster Linie als eine Chronistin. Sie begleitete ihren Mann, den Surrealismus-Mitbegründer und renommierten französischen Journalisten Philippe Soupault auf Reportage-Reisen. Sie legte Wert auf dokumentarische und nicht auf die gestellte Szene, sie bevorzugte, wie sie selbst sagt, den "gelebten Augenblick und das Alltägliche".

Eine übersichtliche chronologische Darstellung zum Leben und Werk rundet das handliche Buch ab. Wünschenswert wäre es gewesen, auch Abbildungen und ergänzende Angaben zu den Dokumenten in den Ausstellungsvitrinen mit einzubeziehen.

Ré Soupault – Frauenportraits aus dem "Quartier réservé" in Tunis

Ergänzend und empfehlenswert zu dem Ausstellungskatalog ist der großformatige Fotoband über die Frauenportraits. Als erste hat Ré Soupault 1939 im "Quartier Reservé" in Tunis fotografiert. In jenem Viertel, in das alleinstehende Frauen abgeschoben und unter dürftigsten Bedingungen gezwungenermaßen als Prostituierten leben mussten. Entstanden sind sehr beindruckende Aufnahmen, die einzigartig sind.
Aus Anlass des 100. Geburtstags von Ré Soupault im Jahr 2001 wurde die Publikation in einer Neuausgabe in Zusammenarbeit mit dem Goethe Institut herausgegeben. Der Schau mit 42 Fotografien tourte fünf Jahre lang auf fünf Kontinenten.

Beide Publikationen würdigen die verschiedenen Stationen der Fotografin und zeigen die Nomadin Ré Soupault, die sowohl in der ganzen Welt zuhause war als auch beruflich auf unterschiedlichen Gebieten bis ins hohe Alter erfolgreich tätig blieb. Die kurze fotografische Episode in ihrem großartigen Leben verdient einen bleibenden Platz in der Geschichte der Fotokunst.


Ré Soupault
Die Fotografin der magischen Sekunde

Herausgegeben von Manfred Metzner
Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg, erschienen April 2007
192 S., gebunden, 160 Duotone Fotos
25,80 Euro
ISBN: 388423282790008115&artiId=6279400" target="_blank">bestellen

Ré Soupault
Frauenportraits aus dem "Quartier résérve" in Tunis
Herausgegeben von Manfred Metzner
Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg, erschienen 2001
Nicht paginiert, gebunden, 50 Fotos
39,90 Euro
ISBN: 3884231405

Literatur Beitrag vom 21.05.2007 AVIVA-Redaktion 

   




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