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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 02.11.2007

Das Schwarzbuch zur Lage der Frauen
Anna Opel

Die französische Journalistin Christine Ockrent hat eine umfassende Bestandsaufnahme zur Sicherheit, Unversehrtheit, Freiheit, Würde und Gleichheit von Frauen vorgelegt. Vorwort: Maybrit Illner



Heute gelte es vor allem die strukturelle Benachteiligung von Frauen in den Ländern der Dritten Welt in den Blick zu nehmen, schreibt Maybrit Illner in ihrem Vorwort zur deutschen Ausgabe des Schwarzbuches. Sie verweist dabei auf eine 1979 getroffene Übereinkunft der Vereinten Nationen zur "Beseitigung jeder Form der Diskriminierung der Frau", die seither keineswegs überflüssig geworden sei.

Weltweit: Menschenrechte frauenspezifisch

Wer die Nachrichten aus aller Welt auch nur oberflächlich mit Blick auf Frauenrechte verfolgt, hatte sich das denken können. Ein Blick in das Inhaltsverzeichnis ruft viele altbekannte, immer wieder schmerzhafte Themen auf. Sie in den großen Zusammenhang von Menschenrechtsverletzungen gegenüber Frauen zu stellen, ist ebenso naheliegend wie erhellend. Das Verdienst dieser Textsammlung liegt zweifellos in der systematischen Bündelung von Berichten über Missstände weltweit. Die Frage, ob hierzulande alle Fragen der Gleichberechtigung erledigt seien, drängt sich ebenfalls auf. Zynisch, wer die Situation der Frauen in afrikanischen oder arabischen Staaten, wo Genitalverstümmelungen und extreme Ungleichbehandlung der Geschlechter schon vom Fötus an noch immer auf der Tagesordnung stehen, mit den oft weniger drastischen Unregelmäßigkeiten in Europa auf eine Stufe stellt. Dennoch gibt es auch in Europa diverse Themen, die weiterhin durchaus der Rede wert sind.

Beispiel pränatale Selektion in Asien

Unter Kapitelüberschriften, die wichtige Aspekte der Menschenrechte aufgreifen, finden sich im Schwarzbuch "Baustellen" in Sachen "Frauenrechte weltweit". Unter dem Kapitel "Sicherheit" sind Beiträge zu selektiven Abtreibungen in Asien, zum Problem der Vergewaltigung als kriegerisches Mittel, zu Steinigungen im Iran, aber auch zu "Ehrenmorden" in Europa versammelt. Unter dem Titel "Würde" geht es etwa um Sextourismus und Frauenhandel.
Die einzelnen Beiträge stammen von JournalistInnen, MenschenrechtlerInnen und SozialwissenschaftlerInnen, die den aktuellen Stand der jeweiligen Situation vor Ort, Maßnahmen und Initiativen meist kurz und gut lesbar referieren. So erfährt man beispielsweise in einem Beitrag mit dem Titel "Die ´fehlenden´ Frauen in Asien" Wissenswertes über die sozialen und kulturellen Hintergründe der Bevorzugung von Jungen gegenüber Mädchen in den asiatischen Kulturen. Auch Statistiken über das zahlenmäßige Ungleichgewicht zwischen Mädchen und Jungen in China, Indien, Südkorea, Vietnam und dem Kaukasus sind hier aufgeführt. Einzelne Gründe und Auswirkungen, sowie Versuche, der Entwicklung einer zahlenmäßig maskulin dominierten Gesellschaft entgegenzuwirken, werden schlüssig referiert.

In Europa: Pro und Contra Gender Mainstreaming

Dankenswerterweise findet sich unter dem Kapitel "Gleichheit" ein erhellender Beitrag zum hierzulande umstrittenen Instrument des Gender Mainstreaming. Ein Begriff, der in den Medien in aller Munde ist, dabei meist falsch verstanden und als verordnete Gleichmacherei zwischen Männern und Frauen ausgelegt wird.
Von der Genese über praktische Beispiele des "genderns" bis hin zu den arbeitsmarktpolitischen Nachteilen der Hartz IV Gesetze, Kritik aus verschiedenen Lagern und schließlich den Chancen, kann sich die Leserin ein umfassendes Bild vom Konzept des Gender Mainstreaming machen.
Weitere interessante Texte über Gleichberechtigungslücken im Westen sind zu finden. Es geht beispielsweise um Medienberichterstattung über Gewalt gegen Frauen, um Frauen im Gesundheitssystem und Frauen im Berufsleben.

Manifest der Entschlossenheit

Kein Ausdruck des Jammerns, sondern ein Manifest der Entschlossenheit sei dieses Buch, wird "le Monde" im Klappentext zitiert. Auch wenn die geballten Nachrichten darüber, wie viele Frauen in wie vielen Aspekten gedemütigt und klein gehalten werden, alles andere als erhebend sind: Die Lektüre dieses Buches ist mehr als erträglich und tut letzten Endes gut. Denn es leistet eine ausgewogene Bestandsaufnahme zwischen dem, was falsch läuft, was an aussichtsreichen Initiativen bereits vorhanden ist und was noch anzupacken ist, um die Lage der Frauen zu verbessern. Immer wieder geht es auch darum, diejenigen zu unterstützen, die sich wehren und sei es dadurch, dass man von ihnen und ihren Kämpfen überhaupt Kenntnis nimmt.

Zur Autorin: Christine Ockrent (Hg.), geboren 1944 in Brüssel, war lange Jahre Chefredakteurin beim französischen Fernsehen sowie Redaktionsleiterin von L´Express in Paris. Seit 1996 ist sie Chefredakteurin der Sendung Politique Dimanche und moderiert die Europasendung France Europe Express.

AVIVA-Tipp: Eine sachliche, engagierte Bestandsaufnahme, die in jeder Hinsicht hält, was sie verspricht. Dieses Buch wird man eher nicht in einem Rutsch durchlesen, sondern je nach Interessenlage und aktuellen Fragen immer mal wieder zur Hand nehmen.

Christine Ockrent
Das Schwarzbuch zur Lage der Frauen

(le livre noir de la condition des femmes)
aus dem Französischen von Enrico Heinemann, Ursula Held, Dagmar Mallett, Karin Miedler und Ursel Schäfer
Pendo Verlag, erschienen Juni 2007
ISBN 978-3-86612-134-8
Gebunden, 621 S.
Euro 22,90

Weiterlesen:
Maybritt Illner (Hrsg.), "Frauen an der Macht" - 21 Frauen an der Macht berichten aus der Wirklichkeit
Thea Dorn: "Die neue F-Klasse"

Literatur Beitrag vom 02.11.2007 AVIVA-Redaktion 

   




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