Was ist Wirklichkeit - was Traum? - Aviva-Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
Aviva-Berlin .
.
P
R
.
.

AVIVA_gegen_AFD Happy End
Aviva-Berlin > Literatur AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   Jüdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Romane + Belletristik
   Biographien
   Jüdisches Leben
   Sachbuch
   Graphic Novels
   Art + Design
   Lesungen in Berlin
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Chanukka 5778




Gleichstellung weiter denken. Ein Leitbild für das Land Berlin

Gleichstellung weiter denken
Mehr Infos unter:
www.gleichstellung-weiter-
denken.de



Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 14.10.2003

Was ist Wirklichkeit - was Traum?
Sabine Grunwald

Sarah Schumann´s Werke von 1958 bis 2002. Ein wunderschöner Bildband, erschienen im Nicolai Verlag



Zum 70jährigen Geburtstag der Berliner Malerin Sarah Schumann ist ein wunderschöner Bildband erschienen, der einen großen Teil ihres Oeuvres umfasst. Das Buch ist, abgesehen von den aktuellen Madonnenbildern, chronologisch geordnet. Es fängt mit ihren Schock-Collagen an, die in ihrer Londoner Zeit (1960-1963) entstanden sind. Die Fotomontagen erinnern an die surrealistische Tradition und zeigen die Schönheit als Schock und Trauma. Ihre Serie zu "Alice in Wonderland" visualisiert die phantastisch- beängstigende Literatur eines Edgar Allan Poe und erinnert uns an den Horror von Alfred Hitchcock.
Bereits in dieser frühen Phase taucht Marilyn Monroe als Ikone auf und wird immer wieder zitiert.
Die Collage hat Sarah Schumann nie aufgegeben, wenngleich sie die Technik über die Jahre verändert. In ihrem Werk finden sich zahlreiche übermalte Fotografien. Überhaupt komponiert sie gern und bedient sich Schrifttypen, die nicht unbedingt mit dem Bildinhalt übereinstimmen. Auch die figurative Malerei hat sie nie verworfen. Dies bezeugen die jüngeren Arbeiten, die Madonnenbildnisse und die Portraits von bekannten und weniger bekannten Persönlichkeiten.
Nach drei Jahren "swinging London" in denen sie sich mit David Hockney, Francis Bacon und Virginia Woolf auseinander setzte, zog Sarah Schumann nach Italien. In einer verfallenen Villa im Piemont widmete sie sich den Illustrationen zu Rafael Albertis "Engelsgedichten". Nebenbei illustrierte die Künstlerin Buchumschläge für italienische Verlage.
1968 kehrt Sarah Schumann nach Berlin zurück und engagiert sich in der Frauenbewegung. Sie schließt sich der Berliner Frauengruppe "Brot und Rosen" an und ist an der Ausstellung: "Künstlerinnen - international - 1877 - 1977" beteiligt.
Es folgen Reisen nach Afrika und Indien und Erkundigungen in die nahe DDR, die in gewissem Sinne auch eine Reise in die Ferne war. Zehn Jahre lang malt sie Landschaften - leere Landschaften. Nicht-Orte, für Menschen unwirtlich. Sie stehen für sich, als hätte jemand einen Bannkreis um sie gezogen.
Der Bezug zum amerikanischen Kino der 70er und 90er Jahre wird durch integrierte Textfragmente hergestellt. Einmal sind es die Zeilen eines Gedichtes von Robert Frost, die für den Spionagefilm "Telephone" von Don Siegel verwendet wurden. In einem anderen Werk wird der Song "Streetlife", von Randy Crawford gesungen, benutzt. Das Lied ist Jackie Brown gewidmet, die Quentin Tarantino ist einem Film unsterblich machte.
Mit ihrer Reise nach Moskau 1992 kehren die Menschen und mit ihnen die Tiere, vorzugsweise Hunde und Bären, wieder in ihre Bilder zurück. 1997 malt sie den Zyklus "Tiere an fremden Orten". Gräber, Katafalke, Jüdische Friedhöfe, Pyramiden, Pferdegräber sind andere häufig wiederkehrende Bild - Themen.
Seit 1989 gestaltet Sarah Schumann Buchumschläge für die Werkausgabe von Virginia Woolf, die im Samuel. Fischer Verlag erscheint. Ihre Cover sind nicht illustrativ, sondern gestaltend und führen so zu einer Spannung zwischen Außen und Innen.
Ihre eigenen Lebenserfahrungen als Künstlerin und Frau sind in diese Arbeiten eingeflossen und machen sich genauso bemerkbar wie der zeitliche Abstand, der sie von Virginia Woolf trennt. Dennoch sind die Entwürfe ganz im Sinne der Vernetzungs- und Verknüpfungstechnik der Woolf, mit großem Raffinement miteinander verwoben. Mit ihren Entwürfen hat sich Sarah Schumann ganz auf den schwerelosen Realismus der Texte eingelassen. Die Ungewissheit darüber, was Wirklichkeit und was Traum ist evoziert einen Reichtum an Möglichkeiten.

Sarah Schumann wurde 1933 in Berlin geboren. Ihre Erlebnisse als Flüchtlings- und Kriegskind verarbeitete sie in ihren Schock-Kollagen. Bereits im Alter von 20 Jahren hatte die Künstlerin ihre erste eigene Ausstellung. Heute wohnt die Malerin zusammen mit ihrer Freundin Silvia Bovenschen in Berlin Charlottenburg.




Sarah Schumann, Werke 1958-2002
Hrsg.: Katrin Mosler

Nicolai-Verlag, Berlin März 2003
ISBN 3-87584-969-8
49,90 €
Hardcover: 64 s/w und 174 Farbabbildungen, 296 Seiten,
Beiträge: Silvia Bovenschen, Alexander Garcia Düttmann, Peter Gorsen, Klaus Reichert, Carl Vogel, Gisela von Wysocki, Kathrin Mosler und Sarah Schumann.200447629" .


Literatur Beitrag vom 14.10.2003 Sabine Grunwald 

   




   © AVIVA-Berlin 2017  
zum Seitenanfang suche sitemap impressum home Seite weiterempfehlenSeite drucken