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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2017 - Beitrag vom 14.08.2006

Von Mexiko nach Polen
Sarah Ross

Lily Brett nimmt uns in ihrem Buch nicht nur mit auf eine Reise an fremde und vertraute Orte, sondern auch auf eine emotionale Reise durch ihr eigenes Leben - amüsant und fesselnd zugleich.



"Von Mexiko nach Polen" ist das bisher persönlichste und außergewöhnlichste Buch der Erfolgsautorin Lily Brett. Unbeirrt und scheinbar ohne die geringste Distanz zur Leserin und zum Leser bewahrend, wirft sie in diesem Werk einen ungewöhnlich kritischen Blick auf sich selbst. Wie es der Originaltitel des Buches "Between Mexico and Poland" am besten beschreibt, stehen weniger die Aufenthalte der Protagonistin - hier Lily Brett selbst - in Mexiko, New York und schließlich Polen im Vordergrund der Erzählungen, sondern vielmehr die emotionalen Reisen der Autorin zwischen diesen Stationen, sowie die Spurensuche in der eigenen Vergangenheit.

Alles beginnt mit Mexiko, wo sie - in der Hoffnung etwas Entspannung und Inspiration zu finden - versucht, einen Roman zu schreiben. Wer die Romane der Autorin kennt, fühlt sich gleich wie zu Hause. Erneut begegnen einem hier die kleinen Verrücktheiten, Neurosen und speziellen Vorlieben der Erzählerin, die sie bereits in die Figuren ihrer vorangegangenen Romane hat einfließen lassen. Gleiches gilt für ihren Ehemann David, einem Maler, und ihren überaus symphatischen Vater Edek, der in Australien lebt. Für treue Fans sind sie bereits alte Bekannte, denn die Geschichte ihrer Familie - besonders die ihrer Eltern, die Auschwitz überlebten - ist stets der Dreh- und Angelpunkt all ihrer Werke.

Lily ist ein Mensch, der gerne alles um sich herum strikt durch organisiert, der gerne ordnet und der seine Gewohnheiten liebt. Doch all das wird in Mexiko permanent auf die Probe gestellt: Obwohl die Toiletten versagen und es mehrere Tage kein Wasser gibt, bleiben ihre Hausangestellten immer noch relativ gelassen, die MexikanerInnen erfinden die schauderlichsten Ausreden, wenn sie sich vor Arbeiten oder Verabredungen, die ohnehin nur sehr vage sind, drücken wollen, und zu allem Überfluss bewässert der Gärtner auch noch ihre Manuskripte und das Dienstmädchen Lupe hat die Gabe, Lily mit den unwichtigsten Fragen überhaupt zu quälen. Doch während sich Lily bereits auf die Abreise nach New York freut, wo sie glaubt, ihren gewohnten Alltag wieder zu finden, trifft plötzlich eine schreckliche Nachricht ein:

Lilys und Davids Loft in SoHo ist vollkommen ausgebrannt. In jedem einzelnen Wort und besonders in der akribischen und sehr detaillierten Auflistung aller Dinge, die sie mit dem Wohnungsbrand verloren hat, wird hier die Verzweiflung der Autorin von Seite zu Seite spürbarer. Nun steht sie vor der Herausforderung, nicht nur eine neue Zukunft wieder aufzubauen, sondern auch eine Vergangenheit. Doch der Verlust ihres Zuhauses hat ihr klar gemacht, wie sehr sie New York liebt. Somit ist der zweite Teil des Buches zu allererst auch eine Liebeserklärung der Autorin an ihrer Wahlheimat New York - vor und nach dem 11. September 2001. Besonders die schrecklichen und zum Teil auch paradoxen Ereignisse um den 11. September schildert die Autorin aus einer sehr persönlichen Perspektive.

Ihre letzte Reise führt die Autorin abermals nach Polen. Im Mittelpunkt der Erzählung steht erneut einer ihrer Aufenthalte in Auschwitz und Birkenau, und damit verbunden die Suche nach der Vergangenheit ihrer Eltern. Dort angekommen, verfolgt sie aber auch die Spur einer ihrer Protagonistinnen - Ruth Rothwax aus dem Roman "Zu viele Männer" - wobei sie feststellt, dass deren Worte aus ihrem Mund kommen.

AVIVA-Tipp: Lily Brett legt mit ihrem Buch "Von Mexiko nach Polen" eine Autobiographie der besonderen Art vor. Im Zusammenhang mit den sehr offenen und persönlichen Erzählungen über die Erfahrungen, die sie während und zwischen ihren Reisen von Mexiko nach Polen machte, gewährt die Autorin tiefe Einblicke in ihr Leben: Sie gibt den LeserInnen Einsicht in ihr Innerstes, nachdem sie ihr Zuhause bei einem Brand verlor, in ihre Heimat New York, die sich nach den Anschlägen vom 11. September für immer verändert hat, und nicht zuletzt lässt uns in die Geschichte ihrer Familie, und wie diese zum Gegenstand ihrer Romane wird, blicken. Lily Bretts Buch ist ehrlich, sehr intim, humorvoll, traurig, überwältigend - einfach sehr lesenswert!

Zur Autorin:
Die australisch-amerikanische Schriftstellerin Lily Brett wurde 1946 mit dem Namen Lilijahne Breitstein in einem DP-Lager in Feldafing in Deutschland geboren. Ihre Eltern hatten im Ghetto von Lodz geheiratet, wurden im KZ Auschwitz getrennt und fanden einander erst nach 12 Monaten wieder. 1948 emigrierte die Familie nach Australien. Mit 19 Jahren begann Lily Brett für ein Rockmagazin zu schreiben.
Heute lebt sie als Autorin und Kolumnistin in New York und ist mit dem Maler David Rankin verheiratet. Bekannt wurde sie durch den Roman "Einfach so".
Lesen Sie auch die Rezension des Buches "Alles halb so schlimm".



Lily Brett
Von Mexiko nach Polen

Originaltitel: Between Mexico and Poland
Originalverlag: Picador Australia
suhrkamp taschenbücher Allgemeine Reihe´, erschienen April 2005
Aus dem Englischen von Melanie Walz
Kartoniert, 394 Seiten
ISBN: 3518456806
EAN: 9783518456804
Libri: 4684087
10,00 Euro90008115&artiId=2844296&nav=5081"

Literatur Beitrag vom 14.08.2006 Sarah Ross 

   




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