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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2017 - Beitrag vom 01.01.2007

Lipshitz
Sarah Ross

Die Erfolgsautorin T Cooper erzählt in ihrem Roman die Geschichte einer russisch-jüdischen Familie, bei deren Einwanderung in die USA der jüngste Sohn namens Ruben spurlos verschwindet.



Die amerikanische Autorin T Cooper liefert uns mit "Lipshitz" einen ebenso spannenden wie raffinierten und vielschichtigen Roman, der die fiktive Saga einer russisch-jüdischen Einwanderer-Familie in den USA erzählt. Während es im Kern um die Geschichte des 1907 auf Ellis Island verschwundenen blonden Jungen Ruben Lipshitz geht, bedient die Schriftstellerin gleichzeitig auch Fans der Rapmusik, der jüdischen Kultur und liefert historisches Material an solche LeserInnen, die sich für Charles Lindbergh und seinen berühmten Flug über den Atlantik interessieren. In Deutschland ist das zweite Buch der Autorin - Originalitel "Lipshitz Six, or Two Angry Blondes" - im Marebuchverlag erschienen.
Was T Coopers Roman besonders interessant macht, ist nicht nur die anspruchsvolle Mischung aus fiktionalem und nicht-fiktionalem Erzählstoff, sondern vielmehr, dass "Lipshitz" im Prinzip aus zwei Romanen in einem besteht.

Der erste Teil des Buches umfasst eine ausführliche Chronik über die Emigration der russisch-jüdischen Familie Lipshitz aus Kishinev und deren späteren Leben in der Lower East Side, Manhattan sowie in Amarillo, Texas. Alles beginnt im Jahr 1907, als in Russland die Pogrome ausbrechen. Esther und Hersch Lipshitz und ihre vier Kinder konnten der Judenverfolgung in ihrer Heimat nur knapp entkommen. Sie wanderten nach Amerika aus. Als die Familie endlich im Hafen von New York an Land geht, verschwindet der jüngste Spross der Familie spurlos im Gedränge der Einwanderermasse. Zunächst hofft Esther noch darauf, den blonden und blauäugigen Jungen im Meer der dunkelhaarigen Einwanderer wieder zu finden, doch auch nach einem ganzen Jahr des verzweifelten Suchens bleibt Ruben für immer verschollen - bis die Familie nach Texas weiterreist.

Über viele Jahre hinweg hat die Mutter ihren Sohn nicht vergessen. Nach und nach tauchte sie in eine Fantasiewelt ab, glaubt in jedem Blondschopf Ruben gefunden zu haben und verliert dabei die Verbindung zu ihrer Familie. Als sich diese 1927 auf den Weg nach Amarillo in Texas macht, ist Esther erneut felsenfest davon überzeugt, ihren verlorenen Sohn gesehen zu haben: Ausgerechnet in dem 25-jährigen, blonden, blauäugigen Helden Charles Lindbergh, dessen Foto nach seiner spektakulären Überquerung des Atlantiks mit der Spirit of St. Louis in der Zeitung abgebildet war, glaubt sie ihn erkannt zu haben. Und das, obwohl Lindbergh offen mit den Nationalsozialisten sympathisiert. Esther sammelt von nun an alles, was sie über Lindbergh erfahren kann, und legt es in ein kleines Kästchen.

Die Autorin macht einen gewaltigen zeitlichen Sprung und lässt den zweiten Teil ihres Buches in New York im Jahr 2002 beginnen. Was sie in diesen Coda-ähnlichen Part des Romans mit hinüber nimmt, ist die Figur des blonden und blauäugigen Jungen, sowie Esthers Kästchen. Der letzte Nachfahre der Lipshitz-Familie - T Cooper (Ich-Erzähler des zweiten Teils)- ist Romancier, verheiratet und heizt als erfolgreiches Double des Rappers Eminem Kids auf Bar-Mizwa-Parties ein. Als seine Eltern bei einem bizarren Autounfall ums Leben kommen, kauft er sich einen Modellbausatz der Spirit of St. Louis und beginnt, nicht nur Lindberghs Flugzeug nach und nach zusammenzusetzen.
Mit großem Widerwillen kehrt T Cooper nach Amarillo zurück, um die Beerdigung seiner Eltern und deren Nachlass zu verwalten. Er findet Esthers Kästchen und fängt an, endlich Antworten auf noch offene Fragen in seiner Familienchronik zu finden.

AVIVA-Tipp:
Anhand der Familie Lipshitz erzählt die Autorin T Cooper die Geschichte einer jüdischen Einwanderer-Familie in den USA, deren Sorgen und Nöte sich augenscheinlich nicht von denen anderer Emigranten unterscheiden. Doch diese Saga wird von dem Verschwinden des jüngsten Familienmitgliedes überschattet. Eine Tragödie, die von 1907 bis 2002 alle Generationen der Lipshitz-Familie belasten soll. Dabei zieht sich vor allem Esthers persönliche Geschichte wie ein roter Faden durch das Buch. Der Roman besticht jedoch vor allem durch seine Komposition: Sowohl inhaltlich als auch stilistisch verknüpft die Autorin eine mehrere Generationen umfassende Familienchronik in konventioneller Erzählweise, charakterisiert durch das jüdische Erbe der Lipshitz´ und deren Assimilationsprozess, mit postmodernen und teils parodistischen Betrachtung der amerikanischen (Pop-) Kultur und Gender-Fragen im Rhythm-and-Poetry-Stil. Dabei liefern sich Fiktion und Realität einen äußerst spannenden Schlagabtausch.

Zur Autorin:
T Cooper ist kein Pseudonym. T wurde 1972 in Los Angeles geboren, zog nach New York, gründete die Boy-Band "The Backdoor Boys" und ging als T-Rok auf Welttournee. Danach begann T Romane zu schreiben und gab "A Fictional History of the United States with Huge Chunks Missing" heraus. T lebt mit Hund Murray (11) im East Village von Manhattan.

"Nicht ein Fitzel ist wahr, auch wenn einige Vorfälle stimmen, und andere auch, obwohl ich sie erfunden habe."
T Cooper


T Cooper
Lipshitz

Übersetzt aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit
Marebuchverlag, erschienen August 2006
ISBN: 3936384339
EAN: 9783936384338
490 Seiten, gebunden
24,90 Euro

Literatur Beitrag vom 01.01.2007 Sarah Ross 

   




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